CD-Review: Watain - The Wild Hunt

August 2013

Besetzung

Erik Danielsson – Gesang, Bass
Pelle Forsberg – Gitarre
Håkan Jonsson – Schlagzeug

Tracklist

01. Night Vision
02. De Profundis
03. Black Flames March
04. All That May Bleed
05. The Child Must Die
06. They Rode On
07. Sleepless Evil
08. The Wild Hunt
09. Outlaw
10. Ignem Veni Mittere
11. Holocaust Dawn


Hier und da mal ein kleiner, aber nicht all zu gravierender Skandal, etwas Extravaganz, fulminante, durchgestylte Live-Shows und Musik, die im Black-Metal-Sektor so etwas wie Konsensmusik ist – man könnte WATAIN fast die Pop-Sternchen unter den Black-Metalern nennen. Wäre da nicht der eine, alles entscheidende Punkt: WATAIN haben als Künstler etwas zu sagen, eine Vision, der sie folgen – und um derer Willen sie auch vor gravierenden Veränderungen nicht zurückschrecken.

Diesen Mut zum Risiko bewiesen sie im Ansatz schon mit dem sperrigen, knapp 75 Minuten langen „Lawless Darkness“ (2010). Verglichen mit dem Schritt, den sie nun mit „The Wild Hunt“ zu gehen bereit sind, war das allerdings noch harmlos.
Wer nun schon zittrige Knie und Angst vor einem Post-Black-Metal-Album aus der Feder von Erik Danielsson, Pelle Forsberg und Håkan Jonsson bekommen hat, darf sich getrost entspannen: Auch 2013 haben WATAIN Songs mit rasendem, rohem und abgrundtief bösem Black Metal zu bieten – genannt seien hier exemplarisch „All That May Bleed“ oder „Sleepless Evil“. Seine echten Stärken offenbart „The Wild Hunt“ jedoch, wenn WATAIN sich in gänzlich neue Gefilde aufmachen: Sei es der Klargesang im Titeltrack, seien es die vielen Soli und ruhigen Passagen wie in „Ignem Veni Mittere“, das fast schon an Amon Amarth erinnernde Riffing in „The Child Must Die“ oder die Tribal-Elemente im Kracher „Outlaw“, der mit kleineren Korrekturen über weite Strecken ebenso gut von Soulfly stammen könnte – mangelnde Vielfalt kann man „The Wild Hunt“ beim besten Willen nicht unterstellen. Das Faszinierendste an alledem ist jedoch, dass der riskante Plan am Ende auch noch aufgeht … und zwar so gut, dass sogar das absolut band-untypische „They Rode On“ als Kernstück des Albums und Überraschungsei zugleich perfekt funktioniert.

Dass eine solche Entwicklung gerade in einer Szene, in der es vor Kleingeistern und engstirnigen Traditionalisten nur so wimmelt, nicht überall auf offene Ohren stößt, dürfte klar sein … vermutlich wären WATAIN dahingehend sogar besser gefahren, hätten sie schlicht ein zweites „Sworn To The Dark“, oder, besser noch, ein zweites „Rabid Death’s Curse“ veröffentlicht. Doch gerade die Bereitschaft, die eigenen Fans auf die Probe zu stellen, zeugt von wahrer Größe – und genau diese stellen WATAIN mit „The Wild Hunt“ unter Beweis.

Statt sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, präsentieren die Schweden mit ihrem fünften Album zugleich auch ihr (bisheriges) Meisterwerk: eine perfekte Symbiose aus alten Stärken und gelungenen Innovationen. So kommt hier trotz der erneut recht langen Spielzeit von immer noch einer guten Stunde keine Sekunde lang Langeweile auf; zur absoluten Perfektion fehlen höchstens nur noch ein paar Ohrwurm-Melodien wie die, mit denen sich Dissection unsterblich gemacht haben.

Bewertung: 9.5 / 10

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