Interview mit Erik von Watain

Wenn man auf die Frage nach dem allgemeinen Befinden die Antwort „Wir erholen uns gerade von einer langen US-Tour und hassen, mit ein paar wenigen Ausnahmen, die Welt und alles in ihr von ganzem Herzen“ erhält, kann man es eigentlich nur mit WATAIN zu tun haben: Kaum eine andere Band hält heute noch so eisern an den Grundwerten des Black Metal fest wie die Schweden. Von den vermittelten Inhalten kann man dabei halten was man will – zumindest in Sachen Konsequenz und Authentizität könnten die Schweden so aber definitiv punkten. Doch macht euch selbst ein Bild …

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Gratulation zu eurem neuen Album „The Wild Hunt“! Seid ihr vollauf zufrieden mit dem Ergebnis eurer Arbeit?
„Zufrieden“ ist in dem Kontext ein sonderbares Wort, da es die Möglichkeit impliziert, dass wir es auch anders hätte machen können, was meiner Meinung nach nicht der Fall ist. Wir stellen immer sicher, dass wir unser Bestes geben und jedes WATAIN-Album zeigt exakt, wo wir als Band zu diesem bestimmten Zeitpunkt stehen. Es ist eben das, was es ist: eine sonderbares Werk von Göttlichkeit und Wahn, Magie und Passion, großer Freude und noch größerem Leid.

Ester Segarra

Das Album trägt den Titel „The Wild Hunt“ – wer ist der Jäger und wer wird gejagt? Oder anders formuliert: Was bedeutet der Titel und worum geht es textlich?
Der Name „The Wild Hunt“ hat viele Bedeutungen, es ist für mich ein sehr weitläufiges Konzept. Aber in einfachen Worten gesagt, kann es als die spirituelle wie auch weltliche Reise von WATAIN aus einer mythologischen Perspektive betrachtet gesehen werden: „The Wild Hunt“ ist unser Pfad, unsere Pilgerfahrt, unsere Reise über die verbotenen Wasser. Es ist die Jagd nach Freiheit.

Das Artwork sieht sehr düster und ruhig aus, wie ein Stillleben – das ist nicht unbedingt, was man erwartet, wenn ein Album „Die wilde Jagd“ heißt. Wer hat das Bild gemalt und warum passt es deiner Ansicht nach trotzdem perfekt als Artwork für das Album?
watain coverWie gesagt ist „The Wild Hunt“ ein sehr umfrangreiches Konzept und sollte nicht nur auf die direkte Bedeutung der Wörter, die der Titel enthält, reduziert werden. Das Album bedurfte einer verdorbenen, tiefgründigen Visualisierung, die uns unser Künstler Zbigniew Bielak gemäß unseren sehr detailierten Vorstellungen geliefert hat.
Das Front-Cover zeigt einige der Beutestücke der „wilden Jagd“, Dinge, die wir bekommen und mit uns genommen haben. Die Gegenstände sind natürlich auch als Symbole für andere Dinge gemeint. In dem Cover ist sehr viel Symbologie verborgen.

Das Songmaterial von „The Wild Hunt“ ist in vielen Aspekten sehr anders als alles, was ihr bisher gemacht habt und beinhaltet viele neue Elemente. Habt ihr auch negatives Feedback auf diese Weiterentwicklung bekommen und wie geht ihr als Künstler damit um?
Ich gehe damit gar nicht in irgend einer Art um, es ist mir, um ganz ehrlich zu sein, vollkommen egal. WATAIN bedeutet mir dafür einfach zu viel. Warum sollte es mich treffen, wenn ein paar Kinder daran scheitern, zu begreifen, was wir da tun? Unsere Arbeit ist ganz sicher nicht dafür da, dass sie jedem gefällt…

Watain 2013War es eine bewusste Entscheidung, euren Stil etwas zu modifizieren, oder war das einfach eine natürliche Entwicklung während des Songwritings?
Ich weiß nicht so recht, was du mit „Stil modifizieren“ meinst. Vermutlich beziehst du dich auf die beiden Songs, von denen eine Menge Leute überrascht waren – „They Rode On“ und „The Wild Hunt“. Aber auch diese beiden Songs sind nur leidenschaftliche Gefühlsausbrüche, genau wie alle anderen Songs auch: Sie wurden für die Götter auf der anderen Seite geschrieben und unsere Kommunikation mit ihnen wurde über die Jahre eindringlicher und ernsthafter. Bis zu einem gewissen Grad hat das natürlich auch einen Einfluss auf unsere Musik.

Wenn du „The Wild Hunt“ mit seinem Vorgänger, „Lawless Darkness“, vergleichst – was habt ihr deiner Meinung nach dieses Mal besser gemacht?
Es geht doch nicht darum, etwas „besser“ zu machen – es geht darum, den Weg, den wir gewählt haben, weiterzuverfolgen; einen Weg, der keine Perfektionierung irgendwelcher Fertigkeiten garantiert, sondern eher ein tieferes Verständnis für diesen Weg und für uns selbst. Jedes Album ist eine Reflektion dessen, wo wir uns auf diesem Weg grade befinden, das Resultat ist immer die Konsequenz der Energien, die in der Band zu diesem speziellen Zeitpunkt vorherrschen.

Wie entstehen eure Songs? In Kooperation als Band im Proberaum oder ein Einzelarbeit?
Darüber kann ich jetzt nicht sprechen.

into_the_night

Habt ihr an eurer Songwriting-Methode für die eher außergewöhnlichen Songs wie „They Rode On“ etwas geändert oder sind die genau wie die anderen Songs entstanden?
Ich würde sagen, sie sind auf dem gleichen Weg wie das restliche WATAIN-Material entstanden – tiefes Nachsinnen und Kommunikation mit der göttlichen Quelle, die der Urquell unserer Existenz ist.

Plant ihr, diesen Song auch live zu spielen?
Ich weiß es nicht.

watain2010-03Was darf man sich von den bevorstehenden Konzerten erwarten? Werdet ihr etwas am Showkonzept ändern?
Die Leute können auf jeden Fall mehr erwarten als nur eine Weiterführung unseres Livekonzepts: Eine Steigerung und Erweiterung der heiligen Gräueltaten und des Fanatismus unserer Vergangenheit; eine Rock’n’Roll-Performance, die die Grenzen des Extremen auslotet und bei der der Teufel und seine Getreuen wahrhaft präsent sind!

Eine letzte Frage: Wenn ihr auf Tour seid, habt ihr stets eine Menge verrottender Schlachtabfälle dabei. Für die Dauer eines Konzerts mag der Gestank ja erträglich sein – aber über Wochen hinweg?
Gibt es Tage, an denen du aufstehst und dein erster Gedanke ist „Nicht schon wieder in dem Gestank stehen und Blut trinken“?

Die Verleugnung und sogar Bestrafung des Fleisches ist essenziell für jeden, der auf dem Weg des „Left Hand Path“ Transzendenz zu erreichen sucht. Bei WATAIN geht es nicht darum, Spaß zu haben oder sich wohl zu fühlen. WATAIN ist die Reflektion des brennenden Pfades auf dem wir wandeln, ein Monument heiligen Leidens und der Befreiung.

Ich bedanke mich für das Interview. Möchtest du den Lesern noch etwas mitgeben?
Nein.

watainDann würde ich das Interview an dieser Stelle gerne mit dem traditionellen Braistorming beenden.
Was kommt dir zu den folgenden Begriffen als erstes in den Sinn:

Feuer: Ja.
Kaffee: Ja.
Deutschland: Ja.
Tod: Ja.
Facebook: Nein.
Zigaretten: Ja.
WATAIN in zehn Jahren: Ja.

 

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2 Kommentare zu “Watain”

  1. Christian

    Da habe ich auch schon spannendere Interviews gelesen. Wenn man die immer gleichen Fragen stellt, darf man sich nicht wundern, dass der Interviewee keinen wirklichen Bock hat. Sonst habt ihr auch immer gute Fragen auf Lager!

    1. Moritz Grütz Post Author

      Vielleicht wäre es subjektiv auch spannender gewesen, wäre es pünktlich zum Release da gewesen und damit nicht das x. Interview, das man zu dem Album zu lesen bekommt… aber da steckt man eben eben nicht drin. Jedenfalls schön, wenn dir unsere Interviews in der Regel gefallen.

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