CD-Review: Wolfheart - Tyhjyys

Besetzung

Tuomas Saukkonen - Gesang, Gitarre
Mika Lammassaari - Lead-Gitarre
Lauri Silvonen - Bass, Hintergrundgesang
Joonas Kauppinen - Schlagzeug

Tracklist

01. Shores Of The Lake Simpele
02. Boneyard
03. World On Fire
04. The Flood
05. The Rift
06. Call Of The Winter
07. Dead White
08. Tyhjyys


Tuomas Saukkonen war früher mal ein sehr vielbeschäftigter Musiker. Über viele Jahre hinweg hielt er mehrere recht erfolgreiche Metal-Bands und -Soloprojekte am Laufen, unter anderem Before The Dawn, Black Sun Aeon und Dawn Of Solace. 2013 löste er dann auf einen Schlag alle bestehenden, aktiven Projekte auf und gründete WOLFHEART, die effektiv als eine etwas aggressivere Weiterführung von Black Sun Aeon verstanden werden können. Nun legt er mit „Tyhjyys“ bereits sein drittes Album unter dem Namen vor.

Zwar ist auch, wie bei den Vorgängern „Winterborn“ und „Shadow World“, der Großteil der Songs in Englisch gehalten, erstmals wählte Saukkonen aber einen finnischen Albumtitel. „Tyhjyys“ ist nicht etwa ein weiterer Planet aus dem Star-Wars-Universum, sondern das finnische Wort für „Leere“, welches jedoch für die Stimmung der Platte ein etwas irrtümlicher Begriff ist. Auf ihrem neuen Werk legen WOLFHEART nämlich eine Brutalität und klangliche Fülle an den Tag, welche die immer Death-Metal-lastiger werdende Entwicklung seit dem Debütalbum weiter fortführt. Mehr Songs denn je werden von schnellen Blastbeats, donnernder Doublebass und präzisem, rasantem Picking getragen. Das mag zunächst erfreuen, waren es doch bereits auf den Vorgängeralben genau diese Songs, die am ehesten zu überzeugen wussten, nachdem Saukkonen mit Black Sun Aeon im gedrosselteren Tempo eigentlich schon alles auserzählt hatte, was es zu erzählen gab. Auf „Tyhjyys“ jedoch zeigen sich auch erstmals bei WOLFHEART leichte Ermüdungserscheinungen.
Nach dem musikalisch zwar schönen, aber etwas lächerlich mit konzerttypischen „Hey! Hey! Hey!“-Anfeuerungsrufen unterlegten Intro präsentiert die Truppe gleich zu Beginn ihr Album-Highlight mit dem Namen „Boneyard“: Eine stimmige, eingängige und melancholische Tremolo-Melodie zieht sich über langgezogene Blastbeat- und Doublebass-Abschnitte, die auch schon in den Melodic Black Metal eingeordnet werden könnten und werden von groovigem, rockigem Riffing unterbrochen. Ein Track, der von Anfang bis Ende eindrucksvoll die größten Stärken der Band demonstriert. Auch das folgende „World On Fire“, das allerdings teilweise eher nach mit Chören unterlegten Amon Amarth als nach WOLFHEART klingt, weiß sehr zu überzeugen.

Ansonsten treten WOLFHEART auf „Tyhjyys“ aber etwas auf der Stelle und vermögen nicht ganz die gleiche Begeisterung wie die beiden Vorgänger heraufzubeschwören. Besonders Songs wie das eher solide als wirklich richtig gute „Dead White“ oder der enttäuschend spannungsarme Titeltrack kreieren zwar die gleiche Mixtur aus düsteren Klängen und sehnsüchtigen Melodien, doch das alles klingt wie schon wiederholt dagewesen. Der Ansatz, dieses Mal alles etwas brachialer auszubuchstabieren, ist zweifellos bestens geeignet, um dem neuen Werk eine Daseinsberechtigung zu verleihen und funktioniert auch an vielen Stellen außerordentlich gut, so beispielsweise in einem Großteil der Riffs in „The Rift“. Gerade in den langsameren, melodiöseren Parts und im Midtempo verlieren die Songs aber immer wieder an Fahrt und wirkliche Killermomente gibt es wenige. Das klingt nun alles vermutlich schlechter, als es tatsächlich ist. Denn erneut bewegen sich WOLFHEART mit ihrem fett produzierten, gekonnt eingespielten und ja trotz allem sehr eigenständigen Melodic Death Metal in sehr hohen Sphären musikalischen Könnens. Über die allerdings noch höher angesetzte Messlatte des tollen Debüts und des noch großartigeren Nachfolgers „Shadow World“ kommt Saukkonen mit dem dritten Album seines Projekts aber leider nicht ganz.

Es ist sicherlich den hohen Erwartungen geschuldet, die die ersten beiden Scheiben schürten, aber „Tyhjyys“ fühlt sich ein wenig wie eine Enttäuschung auf hohem Niveau an. Überzeugende Momente gibt es dennoch erneut zuhauf und die fiesere Stimmung des neuen Werkes pflanzt an den richtigen Stellen den nötigen Samen zum Wachstum und zur Weiterentwicklung der Musik. Bei ein paar der Songs hätte es zwar nicht geschadet, sich noch einmal hinzusetzen und Filler-Momente auszusortieren und auszutauschen. Nichtsdestotrotz kann jeder Fan von WOLFHEART oder generell winterlich-melancholischem, finnischem Melodic Death Metal bedenkenlos zugreifen. Hörenswert ist das nämlich allemal.

Bewertung: 7.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: