Zornheym - The Zornheim Sleep Experiment Cover

Review Zornheym – The Zornheim Sleep Experiment

Obwohl psychische Erkrankungen langsam entstigmatisiert und entmystifiziert werden, bereitet das Thema vielen nach wie vor Unbehagen. Psychiatrische Einrichtungen galten lange als Horte des Wahnsinns, in denen geistig Behinderte ohne Aussicht auf Resozialisierung ihr Dasein fristeten. Bis heute ist das Sanatorium ein beliebter Schauplatz für Horror-Geschichten. Die schwedischen Symphonic-Extreme-Metaller ZORNHEYM haben etwa ihr Debütalbum „Where Hatred Dwells And Darkness Reigns“ (2017) in einer ganz und gar nicht zum Wohl der Patient*innen gereichenden Nervenheilanstalt spielen lassen. Auf „The Zornheim Sleep Experiment“ führt die Band dieses Konzept fort und beleuchtet ein weiteres Mal die Flure dieses von finsteren Mächten heimgesuchten Ortes.

Bei der Vertonung der grässlichen Experimente und übernatürlichen Begebenheiten, die sich in dem von der Außenwelt abgeschotteten Gebäude abspielen, fahren ZORNHEYM große Geschütze auf. Die Musikgruppe spielt im Zuge der 37 Minuten lang laufenden Platte alle ihre Trümpfe aus und lässt sich dabei auf voller Länge von einem Chor und einem Streicherquartett unterstützen.

So brutale wie punktgenau eingespielte Gitarren und Drums machen im Zusammenspiel mit den teuflischen Screams und Growls deutlich, dass am Ort des Geschehens das pure Böse am Werk ist. Die in den Refrains vorherrschenden Clean-Vocals und Chöre sowie die teilweise auf dem Keyboard simulierte, vordringlich jedoch auf dem Streicher-Ensemble basierende Orchestrierung verleihen den Tracks hingegen eine opulente Theatralik. Das Pathos, für das zum Beispiel Carach Angren und Dimmu Borgirs spätere Alben mitunter belächelt werden, scheuen ZORNHEYM offenkundig nicht. Hin und wieder lassen die flinken, nicht minder großspurigen Gitarren-Leads außerdem an Wintersun denken („Dead Silence“).

Einigen Nummern wie dem von einer hymnischen Folk-Melodie getragenen „Slumber Comes In Time“ kommt ihr ungenierter Bombast zugute, in anderen wie dem wehmütigen „Dead Silence“ und „Keep The Devil Away“ übertreiben ZORNHEYM es hingegen ein bisschen mit der Melodramatik. Der zwar saubere und kantige, aber etwas zu dünne Sound lässt „The Zornheim Sleep Experiment“ zudem nicht so überwältigend klingen, wie es die grandiose Instrumentierung eigentlich verlangen würde.

„The Zornheim Sleep Experiment“ ist schwülstig, seicht und stumpf wie ein überproduzierter Hollywood-Streifen – und ebenso unterhaltsam. Über die Abgründe der menschlichen Psyche haben ZORNHEYM nichts Substanzielles zu sagen, aber es macht unleugbar Spaß, ihnen dabei zuzuhören, wie sie ihre Schauergeschichte in den teils tragischen, teils manischen („Keep Cutting“) Songs zum Leben erwecken. Diese gehen zudem unmittelbar ins Ohr und sind absolut professionell umgesetzt. Für das nächste Kapitel ihres dämonischen Psycho-Thrillers werden ZORNHEYM aber hoffentlich wieder etwas mehr Wucht in ihre Musik legen und im Gegenzug ein Stück des überschüssigen Pomps aussparen.

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Wertung: 7.5 / 10

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