Eridu – Lugalbanda (Track by Track)

Zwei Jahre nach dem Split der hoffnungsvollen Newcomer Gilgamesh („The Awakening“) veröffentlicht deren ehemaliger Gitarrist, Songwriter und zuletzt auch Fronter Enki unter dem Banner der Nachfolgeband ERIDU am 10. Mai 2019 sein nächstes Album, „Lugalbanda“.

Keiner der erwähnten Namen kommt von Ungefähr: Wie schon bei Gilgamesh (sumerischer König Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr.), steht das Volk aus Mesopotamien auch bei ERIDU (dem sumerischen Mythos nach die Stätte, an der die Geschichte begann) im Mittelpunkt des Geschehens: Das gesamte Album „Lugalbanda“ (nach dem gleichnamigen vergöttlichten König der ersten Dynastie von Uruk benannt) ist frei nach dem Epos „Enmerkar And The Lord Of Aratta“ erzählt.

In unserem „Lugalbanda– Track By Track“-Special erfahrt ihr zu jedem Stück von Enki, worum es geht, sowie anschließend von uns, wie es klingt.

    Inanna’s Favour

Worum es geht: Die Königreiche Uruk und Aratta kämpfen um die Vorherrschaft in Mesopotamien. Stellvertretend dafür steht die Frage, welcher der beiden Könige von Inanna, der Göttin des Krieges und der Liebe, bevorzugt wird. Damit wird die für das Album maßgebende Dualität der beiden Königreiche eingeführt.

Wie es klingt: Ein düsteres Intro mit vielschichtigen Akustikgitarren, die in ihrem arabisch-orientalischen Charakter schon dezent auf das Albumkonzept hinweisen.
Um allerlei Soundeffekte erweitert, bereitet „Inanna’s Favour“ den Hörer so gelungen auf das vor, was ihn auf „Lugalbanda“ noch so alles erwartet. Ein schöner Einstieg!

Enmerkar

Worum es geht: Enmerkar, der König von Uruk erklärt dem Königreich von Aratta nach ausbleibenden Tributzahlungen den Krieg. In einer Schmäh- und Drohschrift kündigt er dessen totale Vernichtung an.

Wie es klingt: Die Vergleiche mit Behemoth werden ERIDU (wie schon Gilgamesh) weiter verfolgen – es gibt Schlimmeres, oder? Düsteres, akzentuierendes Death-Metal-Riffing trifft auf schneidende Single-Note-Läufe. Immer wieder wird die Struktur durch Breaks aufgebrochen, die dem Song trotz seiner behäbigen Riffs einen unsteten Charakter verleihen.

Slaves Of Eridu

Worum es geht: Hier wird die Situation der Sklaven beschrieben, welche für den Bau des Zikkurats von Eridu eingesetzt wurden. Geplagt von unerträglichem seelischen und körperlichen Leid schufen diese das gewaltige Monument und gingen daran zugrunde.

Wie es klingt: Durch die rohen Growls in Kombination mit dem „In-Your-Face-Riffing“ und dem aggressiven Drumming könnte der Song fast als eine „Demigod“-Nummer durchgehen – ERIDU gehen hier mit mächtig Schub nach vorne. Unterstrichen wird der Eindruck durch eine gelungene Reduktion auf eine Gitarre, ehe wild soliert wird.

The Cavern

Worum es geht: Frei nach dem Epos „Lugalbanda in the Mountain Cave“. Lugalbanda, ein Offizier in der Armee Enmerkars, der gegen Aratta ins Feld zieht, erkrankt während des Marsches und wird von seinen Kameraden in einer Höhle in einem Gebirgsland zum Sterben zurückgelassen. Wie durch ein Wunder überlebt Lugalbanda jedoch. In seinen Träumen offenbaren die Götter ihm, dass sie einen besonderen Plan für ihn haben. Sie rufen ihn zu ihrem Stellvertreter auf Erden aus, dem „Herald Of Heaven“.

Wie es klingt: Dezente, und deswegen nicht übertrieben kitschige Samples (tropfendes Wasser), cleane Akkorde auf der Gitarre – und dann bricht die Hölle los: Rabiat und mit voller Wucht setzen Distortiongitarren, Drums und Screams ein, ehe verwaschen aufgelöste Akkorde etwas Ruhe zurückbringen. Der Friede währt doch nur kurz: So schwingt sich „The Cavern“ nicht nur tonal, sondern auch in Sachen Tempo in ungeahnte Höhen. Für einen Spoken-Word-Part mit verspieltem Beckenpattern nehmen ERIDU letzteres nochmal heraus, ehe es in gemütlichem Uptempo dem Ende entgegen geht.

Herald Of Heaven

Worum es geht: Bevor Lugalbanda zum Rest von Uruks Armee aufschließt, opfert er auf Geheiß der Götter einen Bullen und zwei Ziegen. In erster Linie ist der Song eine Anrufung der Götter durch Lugalbanda. Außerdem wird frei nach dem Epos „Lugalbanda And The Anzu Bird“ erzählt, wie er das Jungtier des Anzu-Vogels, einer mythologischen Gestalt eines löwenköpfigen Adlers rettet. Der Anzu Vogel belohnt ihn daraufhin mit übernatürlichen Kräften in Form von kolossaler Stärke und der Fähigkeit sich mit hoher Geschwindigkeit zu bewegen.

Wie es klingt: Growls mit viel Tiefe wechseln sich mit Screams ab, die an Ihsahn denken lassen. Ein gemütlich dahin galoppierendes Riff wechselt mit einer gelungenen Tonfolge, unterlegt von einer Sologitarre. Eine schmissige Rhythmisierung in den Gitarren/Drums sowie weitere Stilwechsel im (später auch „Keep-Of-Kalessinesk“ stimmreichen) Gesang, bis hin zu kraftvoll-rituellen „Gangshouts“ als Call-and-Response-Element lassen „Herald Of Heaven“ nicht langweilig werden.

Astral Warfare

Worum es geht: Auf dem Weg zurück zu Uruks Armee wird Lugalbanda Zuschauer eines nächtlichen Lichtphänomens am Himmel, das er so interpretiert, als wäre der Himmel Kriegsschauplatz aufeinanderpreschender mystischer Armeen. Leider fehlt der Teil der Keilschrifttafel, in dem dieser Teil der Geschichte genauer beschrieben wird.

Wie es klingt: Das Rituelle bleibt erhalten: „Astral Warfare“ setzt direkt mit einer verträumten Gitarrentonfolge und getragenem Chor ein, ehe eine epische Gitarrenlead übernimmt und für ordentlich Pathos sorgt. Nur von einem kurzen Soloeinwurf unterbrochen, erhalten ERIDU diesen Grundtenor über den gesamten Song hinweg aufrecht: Gegen Ende wird das Tempo in den Gitarren nochmal rausgenommen, der Chor kommt zurück. Von der Songstruktur her nichts per se Außergewöhnliches, aber schlichtweg gut gemacht. Ein Highlight des Albums

The Siege Of Aratta

Worum es geht: Lugalbanda gelangt endlich nach Aratta, das von Uruks Armee belagert wird. Es verstreicht jedoch ein Jahr ohne erfolgreiche Einnahme der Stadt, woraufhin Enmerkar Lugalbanda nach Uruk zurückgeschickt, um Inanna in ihrem Tempel um Rat zu fragen. Dank seiner übernatürlichen Geschwindigkeit reist Lugalbanda die große Distanz über sieben Hügel innerhalb von einem einzigen Tag und befragt Inanna. Ihre Antwort lautet, dass Aratta nicht mit Waffengewalt einzunehmen sei, sondern nur durch Magie.

Wie es klingt: Wuchtige Drums, verspielte Gitarren, ein großes Schwungholen – ehe ERIDU marschieren. Mal von der Doublebass getrieben, mal von einem schmissigen Riff mit groovigen Drums getragen, sind als Referenz hier einmal mehr (nicht zuletzt des stellenweise fast klaren Gesangs wegen) Keep Of Kalessin zu nennen. In der Mitte des Songs kommt dieser kurz fast zum Erliegen, ehe ERIDU ihn, von ein paar atmosphärischen Samples ausgehend, Instrument um Instrument wieder neu aufbauen.

Hymn For Utu

Worum es geht: Hier wird die mythische Atmosphäre für das letzte Kapitel der Geschichte geschaffen. Es geht um Anrufung der Götter und Beschwörung von Magie zur Auflösung des Konflikts zwischen Uruk und Aratta.

Wie es klingt: Atmosphäre-Samples, erneute Akustikgitarren, später Tribal-Percussions – kurze Verschnaufpause und zugleich Vorbereitung auf das Finale.

The Bewitching Of Sumer

Worum es geht: Frei nach dem Epos „Enmerkar And En-suhgir-ana“. Aratta reagiert auf die lange Belagerung Uruks durch die Erwirkung schwarzer Magie. Ein Hunger-Fluch auf das umliegende Land soll Uruk zum Rückzug zwingen. Der Krieg zwischen den beiden Stadtstaaten wird daraufhin auf einen magischen Stellvertreter-Kampf zwischen der Weisen Frau von Uruk und dem Magier von Aratta heruntergebrochen. Bei diesem schlachtet Uruks Vertreter den Repräsentanten Arattas ab und sichert Uruk die Vorherrschaft.

Wie es klingt: Melechesh lassen grüßen: Eine arabisch angehauchte Tonfolge wechselt unversehens in eiskalt-norwegisches Black-Metal-Flair à la Posthum oder Kampfar. Nach einem verspielten Solo kommt durch weiblichen Gesang ein neues Gänsehautelement dazu – und die Gitarren legen im Riff gefühlt nochmal eine Schippe Wums drauf, ehe Melechesh dann wirklich durchbrechen dürfen. Einzig das Ende hätte man eventuell eleganter als via Fadeout lösen können.

Lugalbanda

Worum es geht: Ein Epilog. Lugalbanda wird der Nachfolger Enmerkars, König von Uruk, Vater von Gilgamesh und so zu einer herausragenden Gestalt sumerischer Epik. Das Album endet mit einer verherrlichenden Zusammenfassung von Leben und Wirken Lugalbandas.

Wie es klingt: Den letzten Song beginnen ERIDU melodisch und im Midtempo, einmal mehr mit Behemoth-Anleihen im Gesang – ehe sie nochmal alles rauslassen: Aggressives Highspeed-Drumming, flinke Gitarrensoli und Screams aus tiefster Kehle geben „Lugalbanda“ all die Dynamik, die ein gelungener Titeltrack und Rausschmeißer braucht. Damit auch die Epik nicht zu kurz kommt, switchen ERIDU in der Mitte des Songs auf Akustikgitarren, majestätische Posaunen und getragenen, textlosen Frauengesang. Statt das Album so auslaufen zu lassen, brechen noch die Gitarren los, geht es zu einem letzten, von Posaunen getragenen Riff-Scream-Part, ehe der Song und damit das Album sein abruptes, aber nicht ungeschicktes Ende findet.

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