Review Fluisteraars – Jacht Der Mysteriën

  • Label: Eisenwald
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Es gibt Bands, bei denen musikalische Weiterentwicklung bedeutet, den eigenen Stil immer weiter zu verfeinern. Und es gibt FLUISTERAARS. Das niederländische Duo um B. Mollema und M. Koops hat sich von Album zu Album immer wieder neue Freiheiten genommen und dabei gerade dadurch eine erstaunlich eigenständige Klangsprache entwickelt. Nach dem melodisch-verspielten „Bloem“ (2020), dem raueren „Gegrepen Door De Geest Der Zielsontluiking“ (2021) und dem vollständig im Ambient- und Drone-Bereich angesiedelten „Manifestaties Van De Ontworteling“ (2024) stellt sich bei „Jacht Der Mysteriën“ daher zunächst die naheliegende Frage, wohin die Reise jetzt geht.

Vor diesem Hintergrund wirkt das neue Werk fast wie eine Heimkehr. Allerdings eine Heimkehr, bei der man die Erfahrungen der vergangenen Jahre mitgebracht hat. Bereits „Grondeloos Donkere Bossen“ macht klar, dass FLUISTERAARS nicht daran interessiert sind, möglichst schnell wieder dort anzuknüpfen, wo sie vor ihrem Ambient-Ausflug aufgehört haben. Statt einer Vielzahl verschiedener Riffs setzen die Niederländer auf wenige, beharrlich wiederholte Motive. Gitarren, Bass und Schlagzeug erzeugen einen kontinuierlichen Sog, über den sich Mollemas heisere Schreie legen. Gerade diese Reduktion ist eine der großen Stärken des Albums. Wo andere Bands versuchen würden, zehn oder fünfzehn Minuten mit möglichst vielen Wendungen zu füllen, lassen FLUISTERAARS ihren Motiven Zeit, sich zu entfalten. Kleine Veränderungen in Dynamik, Klangfarbe und Rhythmus gewinnen dadurch eine Bedeutung, die sie in einem konventionell arrangierten Song kaum hätten.

Auch „Condities Der Afstraffing“ folgt diesem Prinzip. Der Song arbeitet zunächst mit einer erstaunlich stoischen Konsequenz, nimmt sich im weiteren Verlauf aber immer wieder zurück und schafft dadurch Räume für ruhigere Momente. Gerade hier zeigt sich, dass die Experimente der vergangenen Jahre keineswegs spurlos an FLUISTERAARS vorbeigegangen sind.

Besonders interessant ist schließlich „Zwarte Zomermaan“. Der längste und wohl ambitionierteste Song des Albums treibt die Idee der musikalischen Reise am weitesten. Black Metal und psychedelisch anmutende Klangflächen gehen ineinander über, bevor sich das Stück schließlich immer weiter vom eigentlichen Song entfernt.

Einen erheblichen Anteil an der Wirkung von „Jacht Der Mysteriën“ hat die ungewöhnliche Aufnahmemethode. Zum ersten Mal wurde das Material mit einer vollständigen Live-Besetzung eingespielt und die einzelnen Stücke jeweils in einem Take aufgenommen. Anschließend wurden die Aufnahmen durch den hohlen Zylinder eines verlassenen Wasserturms reamped. Das Ergebnis besitzt eine organische Räumlichkeit, die den Songs etwas Entrücktes verleiht.

So konsequent FLUISTERAARS ihr Konzept verfolgen, so wenig funktioniert „Jacht Der Mysteriën“ allerdings als unkomplizierter Hörgenuss. Die langen Wiederholungen entwickeln zwar eine hypnotische Wirkung, verlangen dem Hörer aber einiges an Geduld ab. Wer von Black Metal vor allem Dynamik, abwechslungsreiche Riffs und dramatische Songentwicklungen erwartet, dürfte sich hier schnell langweilen. Die Stücke verändern sich, allerdings häufig so subtil, dass diese Veränderungen erst nach mehreren Durchläufen wirklich auffallen.

Auch das lange Ambient-Finale von „Zwarte Zomermaan“ dürfte die Hörerschaft spalten. Atmosphärisch ist es konsequent und fügt sich in die Idee des Albums ein. Musikalisch entsteht jedoch die Frage, ob die beträchtliche Länge tatsächlich einen entsprechenden Mehrwert bietet. An manchen Stellen wirkt die Musik eher wie ein Ausklang, der die bereits erzeugte Atmosphäre verlängert, als wie ein eigenständiger Bestandteil der Komposition.

Damit ist „Jacht Der Mysteriën“ auch kein Album, das seine Qualitäten beim ersten Hördurchlauf vollständig offenlegt. FLUISTERAARS verlangen Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf ihre Klangwelt einzulassen. Wer diese Geduld nicht aufbringen möchte, dürfte mit dem Album nur schwer warmwerden.

Mit „Jacht Der Mysteriën“ gelingt FLUISTERAARS eine bemerkenswert stimmige Rückkehr zum Black Metal. Bemerkenswert vor allem deshalb, weil die Band nicht versucht, einfach zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Stattdessen fließen die Erfahrungen der vergangenen Jahre in ein Album ein, das rau, hypnotisch und gleichzeitig ausgesprochen atmosphärisch klingt.

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Wertung: 7.5 / 10

Samir Kharboutli

Publiziert am von

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