
Das bereits Mitte letzten Jahres veröffentlichte Album „Colossal“ von BAEST wird gut ein Jahr später mit der entsprechenden Europatournee gewürdigt. Die zweite Show der Tour findet an einem Sonntagabend im Berliner Urban Spree auf dem RAW-Gelände statt. Die fünf Jungs aus Dänemark haben inzwischen ihren eigenen modernen Weg gefunden, Oldschool-Death-Metal zu interpretieren. Das haben sie auch mit ihrem letzten Album beeindruckend unter Beweis gestellt. Mit dabei sind DEADNATE, ebenfalls aus Dänemark, aber etwas progressiver und grooviger unterwegs als der heutige Mainact. Einlass, Merch und Bar sind gut organisiert, und so kann es in dem nicht ganz ausverkauften Urban Spree starten.
Pünktlich kommen DEADNATE um 20 Uhr auf die kleine Bühne. Für einen Sonntagabend ist die Fläche davor auch schon gut gefüllt, und so gibt der Anheizer für den Abend von Beginn an ordentlich Gas. Ungewöhnlich ist wohl die Positionierung auf der Bühne. So sind die beiden Sänger Simon Juul und Kenneth Kejlstrup an den Seitenrändern der Bühne platziert. In der Mitte nimmt ihr Bassist Frederik Fammé den Raum ein und stellt sich dabei als echte Rampensau heraus.

Den Jungs auf der Bühne zuzuhören und sie zu sehen, bereitet dabei wirklich Freude. Das geht sogar so weit, dass ein Besucher zu einem etwas ruhigeren Song mit einem Feuerzeug vor der Bühne winkt und zum Ende versucht, eine Wall-of-Death zu starten. Bei dem Versuch soll es aber auch bleiben. Mit dem vorletzten Song „Morass“ setzen DEADNATE noch ein Ausrufezeichen. Das langgestreckte Gitarrenintro sorgt für einen besonderen Moment. Die Grundstimmung für den Abend ist gesetzt, und die Vorfreude auf den Headliner groß.
- He Who Pays
- Funeral Cortège
- Guilt & Sorrow
- Neon Burner
- Morass
- Two Tongues
Nach einer kurzen Umbaupause, genug Zeit für einen kurzen Plausch und ein Getränk ist da, starten BAEST direkt mit dem Titelsong ihrer aktuellen Platte „Colossal“ in den Abend. Das Urban Spree ist noch etwas voller geworden, und auch die Dynamik vor der Bühne zieht merklich an. Zu „Misfortunate Son“ kommen die beiden Sänger von DEADNATE noch mal mit auf die Bühne und leisten großartige Unterstützung. Dabei wirkt die Bühne langsam etwas überbelegt. In Summe stehen jetzt sieben Musiker oben, um alles, was sie haben, nach unten zu brüllen.
Auch der Herr mit dem Feuerzeug lässt sich wieder blicken, und zu „Ecclesia“ kommt Sänger Simon Olsen samt Mikrofonständer in die Mitte der Crowd. Somit startet auch der erhoffte Pit, der sich um Simon dreht. Mit der letzten Runde lässt es sich der Gitarrist Lasse Revsbech nicht nehmen, unten einmal mitzulaufen. Währenddessen gibt es wohl einen internen Headbang-Contest zwischen Svend Karlsson und dem Stagehand. Der stoppt immer wieder die Zeit. Bei knapp 1:20 Minuten nickt man sich respektabel zu.
Das besondere Talent von BAEST besteht aber darin, die Freude und Energie, die sie auf der Bühne haben, auch vor die Bühne zu bringen. Und das nicht nur, indem sie nach unten gehen, sondern durch wirklich schöne Interaktionen mit dem Publikum. Sei es zum einen, dass Simon sehr dicht vor der ersten Reihe sein Mikrofon malträtiert, Mattias Melchiorsen wilde Einlagen mit dem Bass hinlegt oder Svend eine ganz persönliche, fast heimliche, Plektrenübergabe während der Performance organisiert bekommt. Das Set schließt leider schon nach einer guten Stunde mit ihrem Hit „Stormbringer“. Die Intensität der elf Songs lässt aber einige Nackenmuskulaturen hinter sich, die sich am nächsten Morgen mit Sicherheit melden werden. Nach den Konzerten bieten sich vor der Bühne oder an den Merch-Ständen noch Möglichkeiten, mit den Bands in den Austausch zu kommen und auch die ein oder andere Anekdote auszutauschen.
- Intro: Light The Beacons
- Colossus
- Misfortunate Son (feat. DEADNATE)
- In Loathe And Love
- Mouth Of The River
- Genesis
- Gula
- Ecclesia
- Necro Sapiens
- Depraved World
- Meathook Massacre
- Stormbringer
BAEST und DEADNATE haben auf der zweiten Show der FALL-COLOSSAL-TOUR 2026 noch richtig Lust und Energie. Das merkt man auch dem gesamten Abend an, denn die Stimmung ist durchgehend großartig. Die kleinen Einlagen und Spielereien mit dem Publikum haben immer wieder für eine gewisse Auflockerung gesorgt. Dass das Set von BAEST bereits nach gut 60 Minuten durch war, ist ein kleiner Wermutstropfen. Die Vorfreude auf die nächsten Shows konnten die fünf dänischen Death-Metaller aber definitiv entfachen.
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