Interview mit Darren Brookes von Benediction

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12 Jahre mussten die Fans von BENEDICTION auf ein neues Album warten. Nun dreht sich „Scriptures“ auf den Plattentellern und wir sprachen mit Gitarrist Darren Brookes über das neue Album, den Wechsel am Mikro und wie sich eine Band im Laufe von gut 30 Jahren in ihrer Arbeitsweise verändert.

Hallo! Lass mich dir zunächst erst mal dafür danken, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Wie geht’s dir?
Hey, danke für das Interview. Uns geht’s so gut, wie es uns gerade eben gehen kann. Wir wollen unbedingt wieder auf die Bühne…

Gratulation zur Veröffentlichung eures neuen Album „Scriptures“! Wie haben die Medien und die Fans auf die Platte aufgenommen?
Oh Mann, das Ding ist durch die Decke gegangen. Es war überragend. Wie bekommen Bestnoten in all den größeren Magazinen, den kleineren Magazinen und besonders von unseren Fans. Ich denke, der Fakt, dass wir unseren Wurzeln treu geblieben sind, hat uns den Respekt von Presse und Medien eingebracht. Es war einfach fantastisch.

Ich muss einfach mal fragen – interessiert es euch überhaupt, was irgendwo geschrieben wird? Heutzutage scheint ja jeder mit einem Computer eine (sehr wichtige) Meinung zu haben…
Natürlich ist es wichtig, was Leute denken … aber letztlich nur echte Menschen, die uns wichtig sind – unsere Freunde, unsere Fans. Leute von außerhalb interessieren mich nicht. Letztlich wollen wir zuerst uns selbst zufriedenstellen, wir sind unsere größten Kritiker. Wir lehnten Keyboards und weiblichen Gesang ab, als alle um uns herum wollten, dass wir das ausprobieren, damit wir uns besser verkaufen würden. Wir wollten nie Rockstars sein, wenn das hieße, etwas zu tun, was uns nicht gefällt. Es war wichtiger, an das zu glauben, was wir tun. Und das tun wir immer noch.

Wie würdest du euren Sound auf der neuen Platte jemandem beschreiben, der diese noch nicht gehört hat?
Ich würde sagen, dass sie kraftvoll und aggressiv klingt, ohne dabei übermäßig schnell sein zu müssen. Es ist ein tightes Album, aber nicht zu sehr poliert. Es gibt auf die Zwölf, ist aber klar verständlich. Man kann alles hören, es ist nicht einfach ein Wand aus Lärm und es ist ganz bewusst nicht zu kompliziert gehalten. Ich denke, es ist ein Paradebeispiel für einen Old-School-Inhalt mit einer zeitgemäßen Produktion.

Kannst du etwas über die Texte auf „Scriptures“ erzählen? Worum geht’s?
Es geht hauptsächlich um Fantasie, glaube ich. „Stormcrow“ dreht sich um die Krähe, die historisch als Vorbote des Untergangs gesehen wurde. Ich glaube in „Neverwehen“ geht es um Zeitreisen. „Crooked Man“ wiederum ist ein wenig persönlicher für Dave, da geht es mehr um ihn und seine bisherige Reise durch das Leben. „Progenitors“ behandelt die Gründer dieses Musikgenres und wie wir der neuen Generation zeigen, was Death Metal ist oder vielleicht auch war. Darüber muss sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

Seit der Veröffentlichung eures letzten Albums „Killing Music“ sind stolze zwölf Jahre ins Land gegangen. Kannst du die Hintergründe erläutern, warum ihr so lange für ein neues Album gebraucht habt?
Na klar. Um ehrlich zu sein gibt es dafür viele Gründe. Wir sind alle älter geworden und haben heimische Verpflichtungen, Ehefrauen, Kinder, Häuser und so weiter. Und obwohl ich BENEDICTION liebe, zahlt die Band leider nicht meine Rechnungen. Also müssen wir alle in unseren alltäglichen Jobs vorankommen, in denen wir auch alle starke Positionen innehaben. Es ist schwer, die Familie, die Arbeit und die Band auszubalancieren. Natürlich würden wir BENEDICTION gern regelmäßiger vorantreiben, aber das ist einfach nicht drin. Außerdem lebt Rewy nicht mehr in Birmingham. Das macht es schwerer, zusammenzukommen, um Musik zu schreiben. Dazu kommen noch die personellen Veränderungen und in den letzten zehn Jahren ungefähr gab es seitens der Promoter auch noch die Bestrebung, uns lieber ältere als neuere Sachen spielen zu lassen. Wie gesagt, es gibt eine Million Gründe, aber nun hatten wir das Gefühl, dass es an der Zeit sei – und scheinbar lagen wir damit richtig.

Ihr habt auf dem neuen Album einen „neuen“ Dave am Mikro. Wann stand fest, dass Mr. Hunt nicht mehr Teil von BENEDICTION sein würde? War es immer klar, dass ihr Mr. Ingram als „Ersatz“ ansprechen würdet?
Naja, als Rewy und ich entschieden, dass es die richtige Zeit für ein neues BENEDICTION-Album sei, hatten wir einen Haufen Riffs und die Arbeit ging flott voran. Zu dieser Zeit informierte Dave Hunt uns, dass es ihm schwer fiele, die Zeit und Energie aufzubringen, die es für die Promotion eines Albums braucht. Also wurde die schwierige Entscheidung getroffen, dass er die Band verläss,t um sich auf seine Doktorabriet zu konzentrieren und dass wir ohne ihn weitermachen würden. Initial rief ich Dave Ingram an um zu fragen, ob er ein paar Shows mit uns spielen wolle, die Dave Hunt zeitlich nicht einrichten konnte. Aber es war sofort offensichtlich, dass er noch mehr involviert sein würde und der Rest ist einfach klasse. Und bekannt.

Wie würdest du die beiden Daves bezüglich ihres Gesangs charakterisieren? Was tragen sie zur Musik von BENEDICTION bei? Hat der Wechsel am Mikrofon eure Herangehensweise beim Songwriting beeinflusst?
Zunächst möchte ich festhalten, dass Dave [Hunt – A. d. Red.] das Dave-Ingram-Material live super rübergebracht hat. Ich denke, Dave Ingram ist eher der typische Death-Metal-Sänger. Er hat eine große Bühnenpräsenz und auch sein Gesang entspricht dem und ist sehr kraftvoll. Dave Hunt war energiegeladener. Er hat zudem eine beeindruckende Vielfalt an Gesangsstilen parat. Sie sind beide fantastische Sänger und brillante Frontmänner und ich glaube, wir hatten großes Glück, sie beide in der Band gehabt zu haben. Keiner der beiden hat jedoch großen Einfluss auf das Songwriting, um ehrlich zu sein.

Wo siehst du Unterschiede zwischen „Scriptures“ und seinem Vorgänger bezüglich der Musik und wie ihr das Songwriting angegangen seid?
BENDICTION haben über die letzten 30 Jahre ihre Nische etabliert und wir haben unsren Stil, unseren Sound. Wir fangen nicht an und wollen auf eine spezielle Art und Weise schreiben, außer so, wie wir denken, dass BENEDICTION klingen sollte. Ich mag den Fakt, dass die Songs von „Scriptures“ auch auf „Transced“ hätten erscheinen können. Der größte Unterschied ist glaube ich, dass früher alles im Probenraum geschrieben wurde, in dem ein Mikro von der Decke hing. Heute können Rewy und ich unsere Ideen zu Hause schreiben, uns dann bei mir treffen und alles gleich vor Ort aufnehmen. Es bedarf keiner unzuverlässigen Aufnahmegeräte mehr.

„Scriptures“ klingt tatsächlich wie klassisches BENEDICTION-Material. Habt ihr mal mit dem Gedanken gespielt, etwas musikalisch Unerwartetes zu probieren, oder habt ihr das Gefühl, dass die Leute wissen wofür BENEDICTION stehen und genau das sollen sie auch bekommen?
Reparier nicht, was nicht kaputt ist! Wir sind zufrieden mit dem, was BENEDICTION ist. Wir wollen einfach die bestmögliche Form von BENEDICTION sein. Wir wollen nicht die nächste neue Band oder der nächste neue Sound sein, das haben wir schon in den 1980ern gemacht.

Ihr habt euch auf dem neuen Album für einen trockenen, knackigen Sound entschieden. Habt ihr mal überlegt, dem Ganzen mit einer moderneren Produktion ein paar Muskeln zu verpassen?
Wir wollten, dass es echt ist. Wir wollten es nicht zu modern, zu produziert haben.

Dieser Tage kommt man um ein Thema nicht herum – die Corona-Pandemie. Wie seid ihr als Band und als Menschen davon betroffen?
Gelangweilt, genervt, frustriert. Und wir könnnen kaum erwarten, wieder raus auf die Bühne zu kommen. Aber es ist, wie es ist. Wir müssen Geduld haben und uns anpassen. Wir werden da durchkommen und hoffentlich gestärkt daraus hervorgehen.

Was hältst du von der Art und Weise, wie die britische Regierung mit der Pandemie umgeht?
Sie machen Fehler, wie alle anderen auch. Es ist eine einmalige Zeit, es gibt keinen Masterplan.

Kannst du etwas über eure Pläne sagen, das neue Album zu touren, oder liegt das gerade alles auf Eis?
Wir haben eine Million Gigs für 2021/2022 gebucht und drücken die Daumen, dass wir eher früher als später wieder spielen können. Aber das liegt natürlich nicht in unserer Hand. Ss bald es geht, werden wir wieder spielen.

Super! Zum Abschluss möchte ich noch das traditionelle Metal1.info-Brainsstorming mit die machen:
Jo Biden: Kann ja nur besser werden, oder?
Carcass: Klasse
X-Factor: Abgeschmackt
Jägermeister: Kater
BENEDICTION in zehn Jahren: Hoffentlich aus dem Lockdown raus!

Alles klar. Vielen Dank nochmal, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Wenn du noch etwas loswerden willst – die letzten Worte gehören dir.
Zunächst möchte ich dir für das Interview danken. Zudem möchte ich mich bei unseren fantastischen Fans bedanken, die über die Jahre loyal zu uns gestanden haben und ich möchte die vielen neuen Fans begrüßen, die wir zu bekommen scheinen. Willkommen an Bord, es ist schön, euch kennenzulernen. Bleibt gesund meine Freunde – und Danke nochmal!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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