Interview mit Ivan Sukov von Blacksword

Sucht man hierzulande ein Sinnbild für die „Mitte vom Nirgendwo“, dann muss oft Sibirien herhalten. Jene Region Russlands liegt zugegebenermaßen recht weit entfernt vom Power-Metal-Epizentrum Hamburg, aber deshalb anzunehmen, dass es dort keine Headbanger gäbe, wäre schlichtweg falsch. Bestes Beispiel dafür sind BLACKSWORD, die ihre Heimat in Nowokusnezk im Westen Sibiriens haben und bereits seit 2009 stolz das Banner des Power Metal empor halten. Elf Jahre nach ihrer letzten Platte „The Sword Accurst“ kehrt die Truppe mit „Iron Will“ zurück und konnte sich einen Vertrag mit dem griechische Underground-Label No Remorse Records sichern. Wir sprachen mit Bassist Ivan „Viking“ Sukov über die neuesten Entwicklungen bei BLACKSWORD.
Das Logo der Power-Metal-Band Blacksword

Hallo Ivan und vielen Dank für dieses Interview. Wir leben in schwierigen Zeiten. Wie geht es dir?
Ich grüße euch und alle eure Leser! Ja, die Zeiten sind schwierig, aber wann war das je anders (lacht)? Uns geht es gut und wir bekommen sehr positive Resonanz zum neuen Album, was eine gute Nachricht ist!

Seit eurem ersten Album „The Sword Accurst“ sind elf Jahre vergangen. Das ist mehr als ein Jahrzehnt und damit eine ziemlich lange Zeit. Was haben BLACKSWORD so lange gemacht?
Seit dem ersten Album ist einiges passiert und wir mussten quasi wieder von vorne anfangen. 80 Prozent der jetzigen Bandbesetzung sind neu und es hat sehr lange gedauert, ehe sich die richtigen Musiker zusammengefunden hatten, um die zweite Platte aufzunehmen. Das war dann ein sehr langer und schwieriger Prozess, denn wir haben das alles sehr ernst genommen. Wir haben dann noch ein Label gesucht und bis wir endlich das Album veröffentlichen konnten, war schon ein Jahrzehnt vergangen.

Das Cover von "The Sword Accurst" von BlackswordWie war es, nach so vielen Jahren wieder zurückzukommen? Wie habt ihr die Band reformiert?
Wie gesagt war das ein sehr langer und schwieriger Prozess. Hier in Russland – vor allem in einer Kleinstadt in Sibirien – gibt es nicht sehr viele Old-School-Metal-Fans und dann auch noch Musiker zu finden, die so etwas spielen wollen, ist eine beinahe unmögliche Mission (lacht). Wir haben also sehr viel Zeit mit der Suche verbracht, aber natürlich auch mit dem Songwriting und der Vorbereitung des Materials. Eigentlich haben wir sogar schon seit 2018 in dieser Besetzung Material für das neue Album geprobt und aufgenommen. Nur unseren Sänger Mike haben wir erst etwas später gefunden.

Euer neues Album heißt „Alive Again“ und ist gerade erst auf den Markt gekommen. Wie würdest du es beschreiben?
Ich finde, dass es ein sehr starkes Album ohne Füller geworden ist. Jeder Song erzählt seine ganz eigene Geschichte. Vielleicht liegt das daran, dass wir so viel Zeit hatten, um an den Nummern zu arbeiten und jeden Song bis ins kleinste Detail durchzukomponieren. Wir haben in dieser Zeit wirklich alles, was wir konnten, aus dem Material heraus geholt.

Wie würdest du sagen hat sich euer Sound seit dem ersten Album verändert?
Wie ihr hören könnt, hat sich unser Sound sehr stark verändert (lacht). Während ihr auf „The Sword Accurst“ die rohe Energie einer Hobby-Band aus dem Probekeller hören könnt, ist es diesmal eine monumentale Soundwand, die meiner bescheidenen Meinung nach sehr gut aufgenommen und abgemischt wurde. Wir sind als Musiker deutlich reifer geworden und wir waren im besten Studio unserer Region. Unsere Herangehensweise an die Aufnahmen ist deutlich gründlicher und auch kritischer geworden und unser Budget ist ungefähr um das Achtfache gewachsen, was sich natürlich auch auf die Qualität auswirkt (lacht). Ich muss an dieser Stelle also unbedingt den Menschen erwähnen, der all die Tracks zusammengebracht hat: Arkady Navaho. Er ist ein echter Profi, dem wir verdanken, dass das Album so klingt wie es klingt.

Für „Alive Again“ habt ihr den griechischen Sänger Mike Livas rekrutiert. Wie kam es dazu?
Das ist passiert, als ich die Idee hatte, nach einem Musiker aus Europa zu suchen, weil die Arbeit mit unserem vorigen Sänger sehr langwierig und schwierig war. Ich habe auf YouTube nach „Vocal Metal Covers“ gesucht und das erste Video, das ich fand, war eines von Mike. Ich weiß noch, dass ich mir sofort dachte: „Verdammt, dieser Kerl sollte bei uns singen!“ Ohne noch zu zögern habe ich ihm dann eine Zusammenarbeit angeboten … Ich kann nur sagen, dass ich es bisher nicht bereut habe. Obwohl wir etliche Meinungsverschiedenheiten darüber hatten, wie bestimmte Passagen gesungen werden sollten. Das Ergebnis spricht aber für sich und Mike ist ein toller Typ – ihr werdet ihn also auch auf dem dritten Album hören (lacht).

Wie genau lief das Songwriting zu „Alive Again“ ab?
Die meisten Songs waren schon fertig, ehe wir 2018 mit den Aufnahmen begannen. Aber sie haben sich in der Vorbereitungsphase noch sehr stark verändert. Manche Nummern würdet ihr in ihrer ursprünglichen Form nicht wiedererkennen! Normalerweise schreibe ich erstmal die Musik und sobald die fertig ist, fangen wir mit den Texten an. Die meisten davon stammen von unserem früheren Sänger Sergey Konev, der auf dem ersten Album zu hören ist. Wir hören uns einfach die Instrumentalversionen der Songs an und sehen, welche Bilder uns dazu in den Kopf kommen – das legt dann das Thema des Songs fest.

Das Cover von "Alive Again" von BlackswordEuer neues Album ist über No Remorse Records erschienen. Hattet ihr auch noch andere Möglichkeiten?
Nachdem wir das fertige Album angehört hatten, sagte Mike: „Das ist echt gut geworden. Ich kenne den Chef eines Labels, dem zeige ich das mal!“ Er meinte Chris, den Boss von No Remorse Records. Mike sagte, dass sie wirklich gute Promotion- und Vertriebswege haben und viele Leute die Platte zu hören bekommen würden, also habe ich mich nicht weiter bemüht. Allerdings habe ich zuvor kurz mit Mat Sinner (u.a. Sinner, Primal Fear) gesprochen, allerdings war der entweder zu beschäftigt oder hat sich die Platte nicht angehört, jedenfalls hat das nicht für uns funktioniert (lacht).

Erzähl und ein bisschen über die Geschichte von BLACKSWORD! Euer Label behauptet, ihr hättet mal eine Death/Thrash-Phase gehabt?
Hah, ja, das ist passiert (lacht). Ich wollte schon immer Heavy Metal spielen, aber es fand sich einfach kein Sänger und darum unser ehemaliger Gitarrist Alex Avdeev und ich ein bisschen gesungen. Und wir konnten eben nur so etwas ähnliches wie Death Metal singen (lacht). Und unser damaliges Material war ja auch noch ziemlich naiv, also ist es sehr schwer, das in eine Schublade zu stecken. Wenn es euch interessiert, könnt ihr unser Demo von 2006 bestimmt im Internet finden. Wir hießen damals noch Stormbringer, aber ich warne euch: Es könnte euch nicht gefallen (lacht)!

Hier in Deutschland kennt man nicht viele russische (Underground-)Bands. Wie sieht die dortige Szene aus?
Ihr kennt keine, weil es keine gibt (lacht). Naja, prinzipiell gibt es die wahrscheinlich schon, aber ich kenne auch keine. Unsere Szene ist ziemlich unterentwickelt und das meiste ist „moderner“ Metal mit unmelodischen Screams. Vielleicht kennt ihr Bands wie Aria oder Master, die am ehesten so etwas wie traditionellen Heavy Metal spielen. Die singen allerdings auf Russisch – vermutlich sind sie deshalb im Westen nicht sehr bekannt. Ihre Musik ist aber echt cool!

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf BLACKSWORD ausgewirkt?
Wir haben in der Pandemie hauptsächlich unser neues Album aufgenommen, also hat es uns lange nicht so schlimm erwischt wie andere. Wir waren hauptsächlich zuhause, im Studio oder haben über die Entfernung gearbeitet, also mussten wir uns nicht wirklich einschränken.

Besteht die Möglichkeit, euch mal in Deutschland zu sehen?
Naja, die Möglichkeit gibt es immer (lacht). Wir werden 2022 auf einem Festival in Griechenland spielen, aber vielleicht schaffen wir es ja auch in andere Länder.

Vielen Dank für Deine Zeit! Lass uns zum Abschluss noch etwas Brainstorming betreiben. Was fällt dir spontan zu den folgenden Begriffen ein?
Lockdown: Eine Gelegenheit, zuhause zu bleiben und Bass zu üben.
Pay To Play: Tja, das Geld liegt nicht gerade auf der Straße.
Russisches Bier: Ich mag ein schlechter Rocker sein, aber ich bevorzuge Kräutertee.
Festival-Sommer: Wacken und Keep It True.
BLACKSWORD in 10 Jahren: Auf einer endlosen Suche nach Musikern und minimal mit Aufnahmen beschäftigt (lacht).

Noch einmal vielen Dank für deine Zeit. Möchtest du abschließend noch ein paar Worte an unsere Leser richten?
Ich möchte mich bei euch für dieses Interview bedanken! Und bei jedem, der sich noch an uns erinnert und auf das Album gewartet hat! Ich hoffe, dass es euch so sehr gefällt wie uns. Wenn ihr uns unterstützen wollt, dann besucht BLACKSWORD auf Bandcamp: blacksword.bandcamp.com. Stay Metal!

Ein Foto der Power-Metal-Band Blacksword

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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