Interview mit Andre Olbrich von Blind Guardian

Das Interview, das uns bisher am meisten erfreut: Blind Guardian! Eine besondere Freude vor allem für unsere Hardcore-Guardian-Fans im Team, Gunnar und Stefan. Lead Gitarrist Andre Olbrich hat sich unseren Fragen gestellt!

Was verbindet euch mit den Bands, die ihr zum Blind Guardian Festival inCoburg eingeladen habt? Es ist ja nur etwas schwer vorstellbar, dass ihr euch bei bei der Gartenarbeit Napalm Death reinzieht.
Andre Olbrich: Da wir mit fast allen Bands schonmal auf Festivals gespielt haben, gibt es mit vielen Musikern dieser Bands Freundschaften. Wir haben aber nicht nur auf bekannte und befreundete Bands gesetzt, sondern versucht ein interessantes, abwechselungsreiches Programm auf die Beine zu stellen. Mit Napalm Death haben wir zum Beispiel vor 10 Jahren auf dem Rock Hard Festival gespielt und waren sehr beeindruckt von der Performance und Originalität der Band.

Hatten ihr für euer Festival mit Bands spekuliert oder gar angefragt, die aber doch nicht kommen können?
Klar, die meisten angesagten Bands haben auch einen vollen Terminkalender. Wir haben natürlich einige Bands gefragt, die wir sehr gerne bei uns auf dem Festival gesehen hätten, wie z.B. Iced Earth oder Edguy. Leider hat es da aber aus zeitlichen Gründen nicht hingehauen. Bei ein paar Top Acts wie Subway to Sally, Primal Fear oder Rage, hat es aber zum Glück gepasst und wir sind froh, dass wir unterm Strich so ein tolles Lineup auf unserem ersten Festival präsentieren können.

Welche Teile der Welt verfügen über die Fans, vor denen man am liebsten spielt, falls sich dort etwas herauskristalisieren lässt?
Speziell bei unseren Fans muss ich sagen, dass es überall auf der Welt gleich viel Spaß macht. Das hört sich jetzt nach dem typischen Geschwafel an, wird aber durch unser gerade veröffentlichtes Doppel Live Album sehr deutlich. Es gibt zwar totale Unterschiede wie die Fans bei verschiedenen Songs mitgehen, aber unterm Strich ist immer eine riesen Partystimmung angesagt.

Glückwunsch zu der absolut gelungenen Single zum „Bard’s Song“. Die Studioversion ist überzeugend und stark und die Live-Versionen sind atemberaubend. Was ist das für ein Gefühl für euch, ein Lied in den Reihen zu haben, bei dem so mitgegangen wird. Was habt ihr beim Hören der neuen Single für Gedanken?
Danke, es freut mich das dir die neue Bard’s Song Version gefällt. Es ist absolut super das so viele Fans auf der ganzen Welt unsere Songs mitsingen. Und das ist ja zum Glück nicht nur beim Bard’s Song so. Wenn ich die Single höre verbinde ich die Versionen natürlich auch mit den Städten in denen sie aufgenommen wurden. Außerdem erinnert man sich an die schönen und teilweise sehr witzigen Ereignisse, die sich so auf dieser Tour zugetragen haben. Da überkommt einen schon die ein oder andere Gänsehaut.

Spielt ihr lieber bei Festivals vor gemischtem Publikum oder in größeren Hallen oder in kleinen Lokalitäten, wo die Fans voll und ganz auf euch fixiert sind?
Am liebsten spielen wir in großen Hallen, weil man einfach die besten Bedingungen vorfindet, seine Musik so gut es geht zu präsentieren. In kleinen Clubs sind die Bühnen meistens so klein, das man weder sein Stagedesign aufbauen kann, noch Show machen kann, ohne sich auf die Füße zu treten. Bei Festivals ist man, wenn man nicht Headliner ist, ebenfalls mit der Bühnenpräsentation, Licht, Sound und Spielzeit eingeschränkt. Aber selbst als Headliner, hat man auf Festivals eher mit mäßigen Bedingungen zu kämpfen. Deshalb ganz klar mittelgroße bis große Hallen.

Die meisten Songs auf Eurem jüngsten Studioalbum sind noch weitaus vielschichtiger und komplexer, als man es bereits von „Nightfall in Middle-Earth“ gewohnt war und zünden oft erst nach ein paar Durchläufen. Würdet Ihr das Album selber als progressiv bezeichnen? Wenn nein, wie steht Ihr dieser Bezeichnung gegenüber? Und wird sich diese Entwicklung auch in Zukunft fortsetzen (z.B. mehr überlange Songs wie „And then there was Silence“)?
Beim Songwriting ist uns gar nicht aufgefallen, wie komplex die Songs eigentlich geworden sind. Das wurde erst während der Produktion klar. Im nachhinein muss man schon von einem progressiven Album sprechen, obwohl dies nie unser Ziel war. Unser eigentliches Ziel war es ein sehr anspruchsvolles, innovatives Album zu schreiben. Ein bisschen weg von dem was die meisten anderen Bands der „Metal“-Szene gemacht haben, nämlich die 80’er zu kopieren. Leider hat so ein Album den Nachteil, dass man sich wesentlich länger damit beschäftigen muss, bevor es „funktioniert“. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass viele unserer Fans, die dem Album anfangs skeptisch gegenüber standen, inzwischen in höchsten Tönen über darüber sprechen. Was die Zukunft bringt ist noch offen. Wir lassen unseren Ideen freien lauf. „Schaun mer mal“ würd der Teamchef sagen.

Eure letztjährige US-Tour mit Symphony X verlief ja nicht ganz reibungslos. Werdet Ihr Eure erste Tour in Nordamerika trotzdem in guter Erinnerung behalten? Wie gut war die Beziehung zwischen Euch und Symphony X, die ja wie Ihr auch in ihrer Musik stark von Fantasy und Mythologie beeinflusst werden?
Da wir auf dieser ersten US-Tour noch mit einem kleinen Promoter zusammen gearbeitet haben, lief die Organisation nicht ganz so gut, wie wir das z.B. aus Europa gewohnt sind. Für uns war die Tour trotzdem ein voller Erfolg da wir in allen Metropolen wie z.B. New York, Chicago, Los Angeles oder Montreal (Kanada) knapp 2000 Leute in den Hallen hatten. Auch der „Spaß Faktor“ war ok da wir eine ganze Menge vom Land gesehen haben. Das einzig nervige an einer US-Tour sind die endlos langen Busfahrten. Aber das nehmen wir gerne in Kauf und man kann davon ausgehen, das wir sehr bald wieder in Nord Amerika touren werden. Symphony X ist eine sehr nette Band und es hat sehr viel Spaß gemacht mit einer so guten Truppe unterwegs zu sein.

Bei den Wahlen auf Eurer Website, welche Songs die Fans auf Eurem Festival im Sommer hören wollen, gab es das ein oder andere unerwartete Ergebnis. Wie fühlt Ihr Euch, einige Songs, die Ihr noch so gut wie nie oder seit langer Zeit nicht mehr gespielt habt (wie z.B. „The Last Candle“, „I\’m Alive“ oder „The Curse of Feanor“), zum Besten zu geben? Und werden diese Wahlergebnisse Eure zukünftigen Setlists beeinflussen?
Uns hat es riesigen Spaß gemacht diese Songs einzuproben. Wir waren allerdings eher etwas erstaunt, dass unsere Fans ziemlich genau die Songs gewählt haben, die so oder so auf der letzten Tour im Programm waren. Das bestätigt uns, dass wir auch vor der Abstimmung schon ganz gut ausgesucht haben. Für mich persönlich ist es schade das Nummern wie „Ashes to Ashes“ oder „Quest for Tanelorn“ rausgefallen sind. Die hätte ich sehr gerne gespielt. Das Problem auf der nächsten Tour wird sein, dass wir Songs von einem neuen Album einbauen werden und somit ein paar „Klassiker“ gehen müssen. Aber ich denke wir werden auf jeden Fall flexibeler sein, was das Set angeht und hier und da mal Stücke austauschen.

Was hat es eigentlich genau mit dem gestohlenem Pro-Tool-Equipment während der A Night At The Opera Tour auf sich?
Wir haben unser System und unseren Engeneer auf der Fahrt nach Spanien, im Bus von Freedom Call untergebracht. Dieser ist in Frankreich bei einem Stop aufgebrochen worden und unser System war weg. Leider hat die Fahndung bei der Polizei bislang nichts ergeben.

Was hattet ihr vor der Musikkarriere für berufliche Tätigkeiten? Und wann wurde euch klar, dass ihr diese musikbedingt aufgeben könnt?
Wir haben unsere Demos bereits während der Schulzeit gemacht. Bis zur „Follow the Blind“ haben Hansi und Thomen eine Lehre, Magnus und ich Zivildienst gemacht. Danach war eigentlich schon alles klar.

Was geschieht mit dem Erlös des Festivals?
Falls es einen geben sollte, was nicht unbedingt sicher ist, werden wir diesen der Stiftung „Blind Guardian – Pro Tools“ vermachen, damit auch unser nächstes Album wieder einen guten Sound hat.

Ihr werdet beim RockHard Jubiläums-Festival ebenfalls mit dabei sein. Was bedeutet euch dieses Festival? Lest ihr die Zeitschrift selber auch gerne?
Wir haben von Anfang an auf den Rock Hard Festivals gespielt, von daher ist es fast schon Tradition. Das Rock Hard ist nach wie vor eines der besten Metal Magazine Weltweit und es ist uns ein Vergnügen beim 20 jährigen Jubiläum mit dabei zu sein.

Wie weit wurde bis dato am neuen Demons & Wizards Album gearbeitet? Mit welchen Gastmusikern darf man rechnen, falls ihr dazu Stellung beziehen mögt?
Darüber habe ich keine Infos.

Was würdet ihr im ersten Interview sagen, in dem euch die Frage gestellt wird „Seit ihr glücklich mit der Nummer-1-Platzierung des Bard’s Songs in den deutschen Singlecharts?“?
Ich würde nicht viel sagen, weil ich es schlichtweg nicht glauben würde. Da muss mir schon jemand die Charts schwarz auf weis auf den Tisch legen. Aber selbst dann wäre ich so sprachlos, dass ich immer noch nicht viel sagen würde.

Und jetzt noch ein kleines Wortspiel. Was sind die ersten Gedanken, die euch durch den Kopf gehen, wenn ihr folgendes hört:
Liebe: :)
Familie: :)
Alkohol: :(
HipHop Elemente im Metal/Rock: !“§$§%&($%&
Nightwish: §%§$%&
Lieblings Metalgenre: Heavy
Metal1.info: ???

Gruß
André „