Interview mit Phorgath von Emptiness

Den Belgier Phorgath kennen die meisten Black-Metal-Fans wohl vornehmlich als Bassisten und Sänger von Enthroned. Weniger bekannt hingegen ist die Band EMPTINESS, die er seit 1998 mit seinem Enthroned-Kollegen Neraath betreibt. Nun veröffentlichte die Band mit „Nothing But The Whole“ ihr mittlerweile viertes Album.

Emptiness-LogoEMPTINESS gibt es nun bereits seit 16 Jahren, das heißt, du spielst schon deutlich länger bei dieser Band als bei den weitaus bekannteren Enthroned. Welches der beiden Projekte liegt dir mehr am Herzen und wo kannst du deine Kreativität besser ausleben?
Ich gehöre zu den Gründungsmitgliedern von EMPTINESS, insofern ist es für mich einfacher, mich mit diesem Projekt zu identifizieren als mit Enthroned, die es schon sehr lange gab, als ich eingestiegen bin. Ich freue mich, dass ich mich bei EMPTINESS kreativ voll ausleben kann, wohingegen man bei Enthroned ja doch immer eine gewisse Vorstellung, wie die Band zu klingen hat, berücksichtigen muss. Aber ich beteilige mich auch dort aktiv am Songwriting – für Enthroned zu spielen und ihre Alben mitzuenwickeln ist ebenfalls eine schöne Sache.3034_artist

Wie entscheidest du dann, ob du ein Riff für Enthroned oder EMPTINESS benutzen willst?
Wir arbeiten anders. Wenn wir ein Riff schreiben, dann, weil wir eine Idee dahinter haben. Das Riff muss im Kontext dessen, was wir gerade erschaffen wollen, Sinn ergeben.
Wir tauchen gemeinsam in die Gedankenwelt von EMPTINESS ein, tauschen Ideen aus und kreieren gemeinsam Neues. Das hat dazu geführt, dass auf diesem Album jetzt manchmal ein einziges Riff aus Teilen von zwei bis drei verschiedenen Leuten zusammengesetzt wurde.

Wenn du das Songwriting für Enthroned mit dem für EMPITNESS vergleichst – wo liegen die Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten in der Herangehensweise?
Der Songwriting-Prozess ist eigentlich sehr ähnlich. Sowohl bei Enthroned als auch bei EMPTINESS leben die Mitglieder teilweise in unterschiedlichen Ländern – man kann sich also nicht einfach treffen. Wenn wir dann das Gefühl haben, dass die Zeit gekommen ist, und dass wir Inspirationen gefunden haben, oder auch wenn wir vom Label einen Release-Termin vorgeschlagen bekommen, kommen wir zusammen und graben uns ein. Das ergibt sich dann einfach so. Das “Blackout”, unser Studio, ist dann unser Nest: Wir verbarrikadieren uns dort und arbeiten in einer recht kurzen Zeit sehr intensiv, um ohne uns ablenken zu lassen schnell zu einem Ergebnis zu kommen. Wir investieren aber weit mehr Zeit in ein EMPTINESS-Album, weil wir dort mehr experimentieren und detailreicher arbeiten als bei Enthroned. Wir versuchen uns auch immer an Dingen, die wir bisher noch nicht gemacht haben. Aber über beide Bands muss man sagen, dass wir keine halben Sachen machen und nichts unüberlegt lassen.

336101Wenn du euer neues Album mit seinem Vorgänger „Error“ vergleichst – gab es bestimmte Aspekte, die ihr gezielt anders oder auch wieder genauso machen wolltet?
Wir wollten nicht zwei gleiche Alben aufnehmen, und wir wollen uns stets überbieten und ganz allgemein überraschen. Das ist es, was von Album zu Album zählt, aber auch von Song zu Song auf dem Album.
Die Herausforderung dabei ist es, die eigene Identität zu wahren. Das sorgt dafür, dass wir immer nach EMPTINESS klingen, ohne uns selbst in Experimenten zu verlieren. Wir wollen ungewöhnlich klingen, aber dabei eine gewisse Nachvollziehbarkeit bewahren. Dieses Mal wollten wir kontrollierter klingen: „Error“ haben wir mit sehr viel Energie und auch improvisierten Parts live aufgenommen, was das Album sehr wild und ungebunden klingen lässt. „Nothing But The Hole“ hingegen ist deutlich kopflastiger: Jede Note, jedes Pattern oder Wort sollte so stimmig wie möglich sein. Was das Album mit „Error“ gemeinsam hat, ist das vermittelte Gefühl – aber dieses Mal wird es eben auf eine andere Art transportiert.

Ist EMPTINESS derzeit eine vollwertige Band, mit der ihr auch wieder Live auftreten werdet, oder eher ein Studioprojekt?
EMPTINESS ist definitive eine echte Band, wir touren mit dem gleichen Lineup seit Jahren. Wir haben uns auch schon damit beschäftigt, wie wir die Atmosphäre, die wir mit dem Album zu kreieren versuchen auf die Bühne bringen können – mit speziellen Lichteffekten und Videoprojektionen, beispielsweise. Wir haben unlängst eine sehr spezielle Show in einer Art aufgelassenem Labor in einem düsteren Viertel von Brüssel gespielt, um „Nothing But The Whole“ angemessen zu präsentieren. Das sind die Events, die uns reizen. Das Ganze wurde natürlich auch aufgenommen und gefilmt. Wir hoffen, dass man damit noch etwas Besonderes anstellen kann.

Emptiness-BandPlant ihr derzeit konkret irgendwelche Shows?
Eine Europa-Tour ist in Vorbereitung und wir haben ein paar interessante Vorschläge für ein paar Festivals.

Der Albumtitel klingt sehr fordernd. Was ist die Aussage hinter diesem Titel?
Ich denke, das bedeutet, dass alles eine Bedeutung haben kann und wie die Wahrheit klingen kann –aber auch das Gegenteil kann man sich vorstellen oder vielleicht sogar beweisen. Wir suchen nach Kodierungen, einer Logik – aber alles verändert ständig sein Gesicht. Das Nichts ist das Ganze und umgekehrt. Die verschiedenen Elemente vermischen und verlieren sich, genau wie Emotionen, in den Augen der Menschen in Nonsens – aber der „Rhythmus“ davon ist zweifelsohne der Schlüssel zu etwas größerem, das uns Menschen nicht betrifft.

Emptiness-CoverGibt es in diesem Kontext auch eine Verbindung des Albumtitels mit dem Konzept?
Das Bild ist schlichtweg Kunst – etwas, das wir selbst geschaffen haben. Olve, unser Gitarrist, hat es gemacht. Ich finde, es illustriert das Album einfach perfekt: Man erkennt klar, was es darstellt, aber wir verstehen die Wirkung nicht, die es auf uns hat. Wir kultivieren damit eine gewisse Liebe zur Frustration.

Welche Bands haben dich als Musiker über die Jahre geprägt?
Ich denke, mich haben eine ganze Menge Bands geprägt … aber um ein paar zu nennen: Wagner, Portishead, Guns And Roses , Mayhem, Jacques Brel, Manowar und mehr als alles andere die Vision von David Lynch.

Welche Bands horst du selbst derzeit am moisten und inspirieren diese auch deine Art des Songwritings?
Da wären wohl MGMT, Beach House, Connan Mockasin und Suuns zu nennen. Sie lassen uns auf alle Fälle darüber nachdenken, wie man Songs auf verschiede Arten aufbauen kann, ja. Aber ich denke, alles, was auf eine Person einwirkt hat auch auf die eine oder andere Art einen Einfluss auf diese Person und wird seine Art zu denken, zu erschaffen, seine Ziele und sein ganzes Leben verändern. Auch unsere Herkunft, Belgien, also das Land selbst, spielt eine große Rolle bezüglich der Stimmung und Visionen, die diese Band hat.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Fussball-Weltmeisterschaft: Stolz und Schande
The Ruins Of Beverast: Tiefgründigkeit
Black Metal: Das Beste und das Schlechteste
Google: Ein Fenster aufmachen
Ein Filmtipp: Jacob’s Ladder – In der Gewalt des Jenseits
Dein bisheriger CD-Tipp 2014: Teitanblood – Death

Die letzten Worte gehören dir:
Geh dahin und hoffe.

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