Interview mit Olivier J. LW. von Emptiness

Dass sich die schon 1998 gegründeten Black-Metaller EMPTINESS in eine interessante Richtung entwickeln, war bereits an ihrem letzten Werk („Nothing But The Whole“) erkennbar. Mit „Not For Music“ legen die teilweise auch bei Enthroned involvierten Musiker nun ein wirklich packendes Album vor. Gitarrist Olivier J. LW. über Nihilismus, gestörte Realität und sein Verhältnis zu Black Metal.

Wie würdest du “Not For Music” in einem Satz zusammenfassen?
Eine unheimliche und kryptische Klangreise.

Wenn du an früher zurückdenkst: Würdest du sagen, ihr schreibt heute eher ein Album als einzelne Songs? Was ist wichtiger für euch – die Atmosphäre des Gesamtwerkes oder die Qualität der einzelnen Stücke?
Seit unserem ersten Album sind 12 Jahre vergangen, und wir achten sehr auf eine Evolution zwischen all unseren Alben. Natürlich ist uns wichtig, an der Qualität der einzelnen Songs zu arbeiten – aber wir fassen jede CD als einen Trip für jeden, der sich ganz darauf einlässt, auf. Deswegen hat die Arbeit an den Gesamt-Arrangements Vorrang, um eine düstere Atmosphäre zu generieren. Insofern würde ich sagen: Das ist unser Hauptziel, zumindest seit den letzten drei Alben.

Das neue Werk heißt “Not For Music” – was soll das heißen, oder wie würdest du den Titel auslegen?
Das ist ein frecher Titel, der die Leute überraschen soll. Man könnte ihn als eine Art Provokation ansehen, die sich auf den in unseren Augen griffigsten Song des Albums bezieht, aber auch als eine Art, auszudrücken, dass das Nihilismus ein Aspekt unserer Musik ist, noch über der Begeisterung und dem Drang zu Erschaffen.

Das Artwork zeigt uns zwei Kerle, die in schwarzen Body-Suits eine Treppe hinunterlaufen. Warum ist das die perfekte Visualisierung eurer Musik?
Wir verwenden mittlerweile gerne minimalistische, aber faszinierende Bilder, die dich vielleicht aus der Realität auskoppeln und sich auf eine gestörte Realität beziehen. Oder auf Unwohlsein, wie bei unserer letzen Veröffentlichung “Nothing But The Whole”. Das neue Cover zeigt verrückte Physik, eine unmögliche Situation in unserem materiellen Leben. Unser Wille, zu verwirren, ist die Hauptverbindung zum Albumtitel. Das urbane Leben war immer schon ein wichtiger Einfluss auf unseren Sound – dass wir das Foto in einem beliebigen U-Bahn-Eingang in Brüssel gemacht haben, zollt dem Tribut.

Worum geht es dann thematisch und wie wichtig sind dir die Texte?
Wie immer bei EMPTINESS, sind die Themen abstrus und wohlüberlegt, ein paar philosophische Motive, die wir auf zynische Art und Weise darstellen. Da ist die wiederkehrende Idee des “Unbekannten” als Maschine, die die Leute vorwärts treibt, aber auch ein paar idealistische Fragen bezüglich der Natur als Ganzes. Ich bin nicht der, der die Texte schreibt, aber mir sind Texte immer wichtig, wenn sie von Verfasser aufrichtig gemeint sind und mit Stil verfasst sind, was es leider sehr selten gibt.

In welcher Reihenfolge arrangiert ihr die Elemente eines Songs? Fangt ihr mit den Gitarren-Parts an, den Elektronica oder mit den Texten?
Jeder Song wird um ein Haupt-Thema herum gebaut, das einem Gitarren-Lick entspringt, einem rhythmischen Muster oder einer Empfindung, abgebildet in Noten oder Klängen. Dreckige, bedrückende, angsterfüllte aber auch berührende Gefühle werden so zu Klängen. Die Grundstruktur nimmt dann Form an, schafft Platz für den Text, dann folgt das Arrangement.

Welche Bands würdest du als prägend für euren Sound nennen? Welche Bands hörst du selbst akutell am meisten?
EMPTINESS sind jetzt seit 1998 aktiv, aber wir waren nie bereit, irgendwelche Bands zu imitieren. Natürlich gab es trotzdem, über die Jahre, einige Einflüsse aus anderen Genres. Ich könnte hier ein paar Namen nennen, die wichtig waren, wie Napalm Death, Emperor, Guns ’n‘ Roses, Lustmord, MGMT, Jacques Brel… Was ich viel höre ist Ambient, Klassik und 80er-Kram. Ich mag auch immer mal aggressive Alben, wenn die Stimmung das erfordert, aber ich finde mich selbst eher in einem weichen und schwermütigen Sound wieder, der in die Vergangenheit gehört… wie Liszt, Arvo Part, Gainsbourgh, Depeche Mode, Death In June, Nirvana, Radiohead, William Basinski und dergleichen.

Werdet ihr mit EMPTINESS mit “Not For Music” im Gepäck auf Tour gehen?
Wir werden das Album in ein paar Ländern promoten, aber bislang sind keine Gigs in Deutschland dabei. Ich bin mit aber sicher, die Chance wird sich bieten, auch mal zu euch rüberzufahren, um zumindest ein paar Shows zu spielen. Was ganze Touren angeht: Wir arbeiten daran, verhandeln Bedingungen und Möglichkeiten.

Gibt es auch News zu ENTHRONED, bei denen du und Jeremie Bezier ja auch aktiv seid? Arbeitet ihr bereits an einer neuen CD?
Wir haben mit ENTHRONED für dieses Jahr ein paar Shows gebucht und promoten damit noch “Sovereigns”. Bezüglich eines neuen Albums kann ich dir aktuell nicht mehr sagen.

Danke für das Interview. Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Donald Trump: Ich bin kein Fan seines Charakters, alles, was ich sagen kann, ist: Abwarten und weiter schauen. Wir werden Zeugen davon werden, dass andere Führer an die Macht kommen werden. Ich bin gespannt, zu erfahren, zu was für Veränderungen das weltweit führen wird.
Mayhem: Wir verdanken der Band einen zeitlosen Klassiker des Black Metal, der damals, als ich ihn entdeckt habe, echt was hergemacht hat. Aber ich bin mit ihrer restlichen Diskographie nicht vertraut.
Konzerte: Ich mache das jetzt seit 18 Jahren. Ich mag es, wenn ein talentierter Organisator verantwortlich ist, oder wenn die Location eine besondere Atmosphäre hat. Vor allem diese Stunde auf der Bühne zählt, deswegen muss sie die Reise, die investierte Zeit, den Small-Talk, die Umstände wert sein.
Winter: Kann ich in Belgien nicht ausstehen.
EMTPINESS in zehn Jahren: Hoffentlich immer noch kreativ und dem Selbstzweck gewidmet.

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten. Die letzten Worte gehören dir:
Dir auch vielen Dank. Ich möchte alle Leser, die sich für düstere, unkonventionelle Musik interessieren, einladen, dem neuen EMPTINESS-Werk “Not For Music” ein Ohr zu schenken.

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