CD-Review: Emptiness - Vide

  • Veröffentlichung: 2021
  • Label: Season Of Mist
  • Spielart: Ambient
Besetzung

Jérémie Bézier – Gesang, Bass
Olve Lomer-Wilbers – Gitarre, Synthesizer
David Alexandre Parquier – Synthesizer
Jonas Sanders – Schlagzeug, Percussions

Tracklist

01. Un corps à l'abandon
02. Vide, incomplet
03. Le mal est chez lui
04. Le sévère
05. Ce beau visage qui brûle
06. Détruis‐moi à l'amour
07. Plus jamais
08. L'erreur
09. On n'en finit pas
10. L'ailleurs


Vorwärts immer, rückwärts nimmer: Bereits seit „Nothing But The Whole“ (2014) haben sich EMPTINESS immer weiter vom Black Metal ab- und eher ruhigen Ambientklängen zugewandt. Mit „Vide“ gehen die Belgier um Enthroned-Gitarrist Olve Lomer-Wilbers alias Neraath diesen Weg konsequent weiter. Auf ihrem nunmehr sechsten Album klingen EMPTINESS ruhiger und zugleich bedrohlicher denn je.

Zerrgitarren, Screams, Doublebass (oder „Metal-Schlagzeug“ ganz allgemein) sucht man auf dem ästhetisch mäßig ansprechend gestalteten Werk in allen zehn Songs vergeblich. Stattdessen erwartet den Hörer ein Mix aus Cleangitarren, Synthesizern, minimalisischen Drums/Beats und Geflüster. Die oft monoton wiederholten oder aber wie willkürlich variierten Tonfolgen klingen in den seltensten Fällen harmonisch; der vielstimmige französische Gesang wirkt entrückt oder wie im Wahn eingesprochen. Die Wirkung dieser Musik setzt schnell ein: „Vide“ klingt beklemmend und angsterfüllt, trist und verstörend. Dabei fließen die zehn Stücke wie ein einziger dahin: Ohne markante Anhalts- oder gar Höhepunkte wirkt „Vide“ gleichzeitig kurz und endlos, mit anderen Worten: zeitlos.

Das alles qualifiziert „Vide“ nicht gerade als unterhaltsames Easy-Listening-Album. Zugleich ist die Musik aber auf ihre düstere Art gefällig – zumindest, wenn man EMPTINESS mit Bands wie Terra Tenebrosa vergleicht, die für eine ähnlich psychotische Atmosphäre deutlich mehr Krach machen müssen. Und Kohärenz des Materials sorgt dafür, dass diese Atmosphäre auch nie abreißt, sondern den Hörer mehr und mehr einlullt. Das wiederum kann man gut finden – oder aber langweilig: „Abwechslungsreich“ ist tatsächlich kein Attribut, mit dem man „Vide“ beschreiben könnte. Was das angeht, war der Vorgänger, „Not For Music“ (2017) vielleicht stärker – in Sachen Stimmung leisten EMPTINESS mit „Vide“ aber erneut bemerkenswertes.

Wie glücklich man mit „Vide“ wird, ist somit schlussendlich eine Frage der Erwartungshaltung. Will man auf einem Album vor allem starke Songs hören, die als solche im Ohr bleiben, ist man bei EMPTINESS spätestens mit diesem Album falsch. Wer mehr Wert auf Atmosphäre legt, und auf der Suche nach düsterer Beschallung ist, die unauffällig im Hintergrund mitlaufen kann, aber dennoch genug Elemente enthält, um sie eingehender zu untersuchen, sollte „Vide“ zumindest ein, zwei, drei Chancen geben. Als Einstieg in die Welt von EMPTINESS sei aber, schon wegen seiner größeren stilistischen Bandbreite und Dynamik, eher „Not For Music“ empfohlen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Bewertung: 7.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: