Interview mit Ed Warby von Hail Of Bullets

Mit „III: The Rommel Chronicles“ haben HAIL OF BULLETS jüngst ihre bereits dritte Full-Length-Platte auf die Metal-Gemeinde losgelassen und erneut bewiesen, dass sie in Sachen Old School Death Metal ganz vorne mitspielen. Drummer Ed Warby stand uns Rede und Antwort zu Schaffensprozess und Thema der neuen Scheibe, verriet uns, was ihm an Musik so wichtig ist und gab sich als Workaholic und musikalisches Chamäleon zu erkennen.

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Hi Ed! Bist du aufgeregt, wo jetzt das neue Album veröffentlicht ist?

Ja, sehr! Es ist immer unheimlich, etwas loszulassen, an dem man ein Jahr lang gearbeitet hat, darauf zu warten, wie das Artwork dann tatsächlich aussieht, was die Fans und Kritiker davon halten und so weiter. Das Album scheint jedoch sehr gut anzukommen! Wir haben das erste Konzert gespielt, auf dem wir die neuen Songs live präsentiert haben und unsere Buchungsagentur füllt gerade unseren Terminkalender für nächstes Jahr. Es könnte also nicht besser laufen.

Hail of Bullets 2013-5Aus deiner Sicht als Bandmitglied, was sind die Hauptunterschiede zwischen „III: The Rommel Chronicles“ und seinem Vorgänger „On Divine Winds“?
Ich denke, der Hauptunterschied liegt darin, dass wir wieder zu einem etwas simpleren, direkteren Ansatz zurückgekehrt sind, während „On Divine Winds“ etwas melodischer ausgefallen war als unsere erste Scheibe („…Of Frost And War“ – mf). Es sind natürlich immer noch Melodien vorhanden, da sie meiner Meinung nach ein wichtiger Teil unseres Sounds sind, aber der Fokus liegt mehr auf Riffing und Groove. Und der Sound ist absolut mörderisch.

Ich finde auch, dass die Songs etwas schneller und aggressiver als auf der vorherigen Platte klingen. Habt ihr darauf bewusst geachtet oder hat sich das mehr oder weniger spontan während des Schreibprozesses ergeben?
Beides. Als „On Divine Winds“ eine Weile draußen war und wir eine Menge Shows gespielt hatten, um die Scheibe zu promoten, fanden wir alle, dass das nächste Album ein bisschen roher und dreckiger werden könnte. Das war also der Plan, als wir anfingen, Songs für „III: The Rommel Chronicles“ zu schreiben und zu erarbeiten. Allerdings kann man nicht im Vorfeld entscheiden, was für eine Art Song man schreiben wird, am Ende hört er sich so an, wie er eben ist. Aber ja, die meisten Songs sind ziemlich aggressiv ausgefallen, während das vorherige Album ein wenig majestätischer und epischer war.

Wie bei der letzten Full-Length warst du auch diesmal wieder Schlagzeuger und Produzent zugleich. Worauf muss man achten, wenn man für die Arbeit an einem Album beide Posten einnimmt?
Auf alles! Im Ernst, vom allerersten geschriebenen Riff bis zur Auslieferung des Masters habe ich alles im Griff, ich bin ein totaler Kontroll-Freak und achte auf jedes kleine Detail, jeden Trommelschlag, jede Gesangslinie, alles. Tatsächlich sehe ich mich selbst gar nicht so sehr als der Drummer, wenn wir ein Album aufnehmen. Ich habe alle einschließlich Dan (Swanö, verantwortlich für Mixing und Mastering – mf) überrascht, als ich vorgeschlagen habe, das Schlagzeug zugunsten einer fetteren Gitarrenwand etwas runterzudrehen.

Hail Of Bullets 2013-3Lass uns thematisch ins Album einsteigen. Es ist kein Geheimnis, Sänger Martin van Drunen ist fasziniert von der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Wie sieht es diesbezüglich bei den restlichen Musikern aus? Teilt ihr sein Interesse für Geschichte oder ist es „nur“ die Liebe zur Musik, die euch verbindet?
Wir finden es alle interessant, aber nicht auf dieselbe Art wie Martin, für den Rest der Band spielt also hauptsächlich die Musik eine Rolle. Wir reden über Kiss und AC/DC, wenn wir uns treffen, nicht über Panzer und Schusswaffen. Wir sind aber alle sehr froh, dass Martin diese Faszination hat, denn sie hebt uns von all den anderen Old-School-Death-Metal-Bands mit ihren Songtexten über Zombies und Serienmörder ab. Und nicht nur das, er weiß wirklich, worüber er spricht beziehungsweise schreibt, wir erhalten für die Genauigkeit unserer Texte regelmäßig Komplimente von Geschichtslehrern.

Auf euren vorherigen Outputs lag der textliche Schwerpunkt auf der Ostfront beziehungsweise der pazifischen Region. Jetzt habt ihr euch auf eine Person statt auf ein geografisches Gebiet beschränkt. Wie kam es dazu, und warum Erwin Rommel?
Nun, es erschien uns logisch, uns als nächstes auf Afrika zu konzentrieren. Die meisten Fans schienen das auf unserer Facebook-Seite schon erraten zu haben und es war definitiv das Gebiet, das uns am meisten interessierte. Wir fanden allerdings, dass es öde werden würde, wenn wir noch so ein Konzeptalbum wie die ersten beiden machen würden. Martin schlug also vor, dass wir den Fokus auf eine Person statt auf ein Schlachtfeld legen, und da wir uns mit Afrika beschäftigen wollten, ergab es Sinn, Rommel als unser Thema auszuwählen. Seine Geschichte war ausführlich genug, um sie über zehn Songs auszubreiten – ich glaube, Martin musste sogar Material herauskürzen, das er unterbringen wollte, um genau zu sein –, es war also eine ausgezeichnete Wahl.

HailOfBullets-CoverSlayer sahen sich Nazi-Vorwürfen ausgesetzt, als sie den Song „Angel Of Death“ veröffentlichten (der Track handelt von SS-Arzt Josef Mengele und erzählt wertungsfrei von menschen-verachtenden Experimenten an KZ-Häftlingen – mf). Jetzt veröffentlichen HAIL OF BULLETS ein komplettes Album über einen Generalfeldmarschall, der auf der Seite der Nazis gekämpft hat. Denkst du, dass ähnliche Vorwürfe auf euch zukommen könnten?
Ja, klar, aber jeder, der sich ein paar Minuten Zeit nimmt, um die Texte tatsächlich zu lesen, wird merken, dass wir weder Nazis verherrlichen noch Sympathien für sie hegen. Martin schreibt objektive Texte über historische Themen. So sehr ich Slayer auch liebe, so ist der Text von „Angel Of Death“ doch recht entsetzlich und bildhaft. Martin würde nie in einem Song Mengeles Methoden in allen Details beschreiben, auch wenn er vom Grauen des Krieges nicht zurückschreckt. Wir werden sehen, aber wenn wir mit dem ersten Album davongekommen sind, müssen wir diesmal auch nichts befürchten, da bin ich mir sicher. Die einzige Sache, bei der wir vorsichtig waren, ist das Artwork. Unser Label Metal Blade hat uns davor gewarnt, Rommel in voller Aufmachung auf das Front-Cover zu packen, da das in Deutschland mit Sicherheit zu Zensur oder Indizierung geführt hätte, also haben wir uns für etwas Abstrakteres, Künstlerischeres entschieden.

Habt ihr innerhalb der Band über diese Dinge diskutiert, bevor ihr euch für Rommel als zentrale Figur der Platte entschieden habt?
Ein bisschen, aber wenn sich Martin mal was in den Kopf gesetzt hat, bekommt man das nicht mehr heraus. Wir wussten also ohne jegliche Zweifel, dass unser Album definitiv von Rommel handeln werden wird. Martin schreibt gerne im stillen Kämmerlein, wir haben die Texte also nicht gesehen, bevor der größte Teil des Albums schon aufgenommen war. Wir vertrauen ihm jedoch genug, um davon ausgehen zu können, dass er das Thema mit seinem gewöhnlich guten Geschmack und gesunden Menschenverstand behandelt, dementsprechend haben wir uns nicht allzu viele Sorgen gemacht.

Hail Of Bullets 2013-1HAIL OF BULLETS gibt es nun schon eine Weile, ihr habt euch Ende 2006 gegründet. Was für eine Rolle spielt die Band in deinem heutigen Leben?
HAIL OF BULLETS ist meine Hauptband. Einerseits bin ich überrascht, dass wir schon seit sieben Jahren in dieser Form zusammen sind, andererseits haben wir auch immer noch sehr viel Spaß! Ich schätze, die anderen Jungs sehen das auch so, obwohl Martin und Paul (Baayens, Gitarrist – mf) wahrscheinlich Asphyx als ihre Hauptgruppe erachten. Das ist verständlich, da es die Band schon so viel länger gibt und sie nahezu Legendenstatus hat. Allerdings kann ich allen, die immer noch denken, HAIL OF BULLETS sei nur ein Projekt, sagen, dass es eine 100%ige Vollblut-Band ist.

Da du auch in mehreren Bands und Projekten aktiv warst und bist, welche Position nehmen HAIL OF BULLETS in deinem musikalischen Lebenslauf ein?
Mit Sicherheit eine Top-Position, gleich neben Gorefest, würde ich sagen. HOB ist eine der Sachen, für die ich bei den Leuten in Erinnerung bleiben möchte, wenn ich mal alt und nutzlos bin. Ich bin auch auf all die anderen Bands stolz, insbesondere Ayreon/Star One und The 11th Hour, aber, wie ich schon sagte, sehe ich mich heutzutage in erster Linie als „den Drummer von HAIL OF BULLETS“.

Hail of Bullets 2013 Ed WarbyDu bist nicht das einzige Bandmitglied, das in anderen Bands aktiv ist. Welchen Einfluss hat das auf den kreativen Prozess bei HOB? Ich nehme an, mit fünf vollen Terminplänen hat man nicht viel Zeit, um sich zum Jam im Proberaum zu treffen. Benutzt ihr da eher Neue Medien wie das Internet zum Ideenaustausch?
Wir proben fast gar nicht, vielleicht zehnmal, seit wir angefangen haben. Ich weiß, dass es bei manchen Bands gut funktioniert, aber ich kann es nicht leiden, während einer Probe zu versuchen, einen Song zu schreiben. Man fängt mit einem guten Riff an, und ehe man sich versieht, wurde es mit so vielen Ideen aufgeweicht, dass man es rauswirft. Ich ziehe es vor, selbstständig zu schreiben und den anderen meine Demos zu schicken, damit sie mir ihre Meinungen und Vorschläge sagen können. So wird ein Song gewöhnlich gemacht. Manchmal kommen Stephan (Gebédi, Gitarrist – mf) oder Paul mit ihren Ideen in mein Studio und wir bauen einen Song zusammen. „Tokyo Napalm Holocaust“ und „DG-7“ sind auf diese Weise mit Stephan entstanden und „Death Of A Field Marshal“ kam bei einer Session mit Paul heraus. Wir schreiben also manchmal zusammen, aber es hat nicht diesen traditionellen Jam-Charakter. Ich würde sogar sagen, dass es HAIL OF BULLETS ohne moderne Technologie gar nicht gäbe. Unsere Wohnorte liegen ziemlich weit auseinander, wenn wir also jede Woche proben müssten, hätten wir wahrscheinlich nicht einmal sieben Monate lang existiert, ganz zu schweigen von sieben Jahren!

Bei der Menge an Bands und Projekten, in denen du mitmischst, bietet sich die Frage an: Welche Bedeutung hat Musikmachen für dich, und würdest du dich als Workaholic bezeichnen?
Definitiv, ich könnte ohne Musik nicht leben und habe den ganzen Tag über Riffs und Drumrhythmen in meinem Kopf. Tagsüber gehe ich meinem regulären Job nach und wenn ich heimkomme, schnappe ich mir einen Bissen zu essen, fahre den Computer hoch und arbeite bis zwei Uhr morgens, manchmal wochen- oder sogar monatelang. Bisweilen wird es ein bisschen viel und ich frage mich, warum zur Hölle ich weitermache, aber die Liebe zur Musik gewinnt immer. Im Moment bin ich glücklich, für eine Weile „leer“ zu sein, aber ich bin mir sicher, dass die Riffs bald wieder kommen, sei es nun Doom oder Death Metal, noch keine Ahnung…

Hail of Bullets 2013-6Die verschiedenen Stile deiner Bands und Projekte legen nahe, dass du einen breiten Musikgeschmack hast. Welche Art von Musik hört der Fan Ed Warby privat?
Oh, ich habe einen sehr vielseitigen Musikgeschmack, der von Death, Doom und Heavy Metal über 70er-Jahre-Rock, 60er-Jahre-Soul, 50er-Jahre-Country bis hin zu allerhand Popmusik reicht – ich habe eine Schwäche für gut gemachte Pop-Songs. Besonders, wenn ich an einem Heavy-Album arbeite, höre ich nicht viel Metal, stattdessen spiele ich so etwas wie First Aid Kit oder Lana del Rey, Sachen, die weit entfernt sind von dem, was ich mache. Es gibt Zeiten, da höre ich nichts anderes als Country oder Soul – die sich übrigens ähnlicher sind, als du denkst – und dann gibt es Zeiten, in denen ich nur Old School Death Metal spiele, oder ich nehme mir Zeit, um mich über neue Metal-Veröffentlichungen auf dem Laufenden zu halten. Da bin ich also querbeet unterwegs. Die einzigen Genres, die ich eigentlich nicht mag, sind Rap, Hip Hop und Dance – wobei ich Lady Gaga verehre, deren Musik man als Dance bezeichnen könnte, schätze ich.

Wir kommen zur letzten Frage, etwas Lockeres zum Schluss: Was war die verrückteste Sache, die euch in letzter Zeit auf Tour passiert ist?
Es ist lustig, Leute fragen mich das manchmal und die langweilige Antwort ist, dass es eigentlich nicht viele verrückte Dinge gibt, die uns passieren. Wir sind alle deutlich in unseren Vierzigern und für mich ist die verrückteste Sache, im Bus während einer Achtstundenfahrt ein Buch zu lesen! Sorry, dass ich dich da enttäuschen muss.

Gut, dann bedanke ich mich für das Interview und beschließe mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming – ich gebe dir einige Begriffe vor und du ergänzt, was dir zuerst zu ihnen einfällt:
Trigger: Nein.
Edward Snowden: Mutig.
Deathcore: Für Kinder.
Thanksgiving: Truthahn (auch wenn wir es hier nicht feiern).
Deutschland: Metal!

Falls du noch was loswerden willst, die letzten Worte gehören dir:
Danke und Cheers!