CD-Review: Hail Of Bullets - On Divine Winds

Besetzung

Martin van Drunen – Gesang
Paul Baayens – Gitarre
Stephan Gebedi – Gitarre
Theo van Eekelen – Bass
Ed Warby – Schlagzeug

Tracklist

01. The Eve Of Battle
02. Operation Z
03. The Mukden Incident
04. Strategy Of Attrition
05. Full Scale War
06. Guadalcanal
07. On Choral Shores
08. Unsung Heroes
09. Tokyo Napalm Holocaust
10. Kamikaze
11. To Bear The Unbearable


Es gibt Debüt-Alben, die einen gleich derart begeistern, dass man sich fragt, was danach noch groß kommen soll – „… Of Frost And War“ war eines davon: Nicht eben abwechslungsreich, aber mit einer Atmosphäre, wie sie dichter, eindringlicher und einzigartiger kaum hätte sein können. In Zusammenhang mit dem sehr strikt durchgezogenen Weltkriegs-Textkonzept und der Entwicklung des Albums über „Stalingrad“ hin bis zum jede Hoffnung und Utopie zerstörenden grand finale in „Berlin“, war „… Of Frost And War“ von vorne bis hinten ein durchdachtes, wahrlich gelungenes Album.

Und doch war ich bereits damals recht schnell davon überzeugt, dass dieses Konzept nur einmal aufgeht, dass HAIL OF BULLETS der Welt mit einem Album eigentlich ganz gut all das gesagt hatten, was ihnen so auf der Seele liegt. Doch spätestens die „Warsaw“-EP legte den Verdacht nahe, dass die Truppe, die sich im Live-Sektor extrem rar macht, wohl doch ein längerfristiges Engagement anstrebt und es über kurz oder lang wohl einen zweiten Langspieler geben werde. Mit „On Divine Winds“ liegt genau dieser jetzt im heimischen CD-Spieler. Und schon bald ist klar: Ohne nach links oder rechts zu schauen oder sich sonstwie ein Bein auszureißen, laufen HAIL OF BULLETS den mit dem Vorgänger eingeschlagenen Weg weiter und liefern am Ende genau das ab, was man von ihnen erwartet: Einen guten, aber nicht unbedingt notwendigen zweiten Teil eines Werkes, bei dem mit dem ersten Teil schon so ziemlich alles gesagt war.

Denn eigentlich ist hier alles wie beim letzten Mal, kochen nach Rezept quasi: Erneut bedienen sich die Holländer der Weltkriegsästethik (dieses Mal jedoch mit Blick auf die Kampfhandlungen um Japan) um dem Hörer elf (beziehungsweise in der limitierten Version der CD zwölf) Songs schmackhaft zu machen. Die Stücke selbst lassen sich dabei erneut recht präzise als Oldschool-Midtempo-Death Metal beschreiben – und auch im Detail hat sich wenig geändert: Die selben Rifftypen, wie man sie bereits von „… Of Frost And War“, und, bedenkt man’s recht, eigentlich schon lange Jahre von Asphyx her kennt, das selbe kaputte Geschrei des Death Metal-Stahlkehlchens van Drunen und, um das Ganze angemessen abzurunden, fast der selbe, abgefuckt-räudige Gitarrensound. Mit viel gutem Willen könnte man „On Divine Winds“ vielleicht einen Hauch „melodischer“ oder „zahmer“ nennen – jedoch wirklich nur im Bezug auf den Vorgänger – wären Begriffe wie „melodisch“ hier absolut gesehen wohl reichlich irreführend.

Doch auch, wenn man dieses Mal vielleicht einen Tick mehr Melodien zu entdecken glaubt: Alles in Allem folgen die Niederländer – bisweilen fast zu offensichtlich – doch nur dem vom Vorgänger ausgetretenen Pfad, bis hin zum das Album abschließenden, schleppenden Endzeit-Epos, das dieses Mal nur nicht „Berlin“ sondern „To Bear The Unbearable“ heißt. Verändert haben sich HAIL OF BULLETS also kaum, verbessert, so ehrlich muss man sein, somit eigentlich auch nicht. Wie auf „… Of Frost And War“ gibt es etwas schnellere und etwas langsamere Songs, insgesamt klingt jedoch alles relativ ähnlich, so dass das Album wie auch sein Vorgänger oder Asphyx„Death … The Brutal Way“ (2009) weniger von einzelnen Perlen, denn von der Gesamtstimmung aller Songs als Kollektiv getragen wird.

HAIL OF BULLETS haben sich mit Haut und Haar einem Typ Song verschrieben – den sie aber, das muss man ihnen zugestehen, fast bis zur Perfektion gebracht haben. Und auch, wenn verglichen zum Vorgänger trotz der göttlichen Winde die Luft vielleicht ein wenig Raus ist, kann man folgende Conclusio guten Gewissens so stehen lassen: Wer das Debüt öde fand, wird auch hier gelangweilt ausschalten. Wer hingegen van Drunens Stimme und die Alben, auf denen diese bisher zu vernehmen war, mag, wird auch von „On Divine Winds“ so schnell nicht loskommen – denn was HAIL OF BULLETS hier abliefern, ist erneut eine nahezu perfekte Mischung aus räudigen Riffs und majestätischen Melodien, aus Brutalität und Eleganz, und, mit einem zwinkernden Auge bemerkt: aus HAIL OF BULLETS und Asphyx.

Bewertung: 8 / 10

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