CD-Review: Hail Of Bullets - III: The Rommel Chronicles

Besetzung

Martin Van Drunen – Gesang
Paul Baayens – Gitarre
Stephan Gebédi – Gitarre
Theo Van Eekelen – Bass
Ed Warby – Schlagzeug

Tracklist

01. Swoop Of The Falcon
02. Pour Le Mérite
03. DG-7
04. To The Last Breath Of Man And Beast
05. DAK
06. The Desert Fox
07. Tobruk
08. Farewell To Africa
09. The Final Front
10. Death Of A Field Marshal


Schon seit dem Release ihres Full-Length-Debüts „…Of Frost And War“ im Jahre 2008 stehen die Holländer von HAIL OF BULLETS für erstklassigen Death Metal der alten Schule und gehören mittlerweile wohl unumstritten zu den führenden Todesstahlschmieden der letzten zehn Jahre. Kein Wunder, handelt es sich bei den Mitgliedern doch durchgehend um gestandene Musiker aus der niederländischen Szene, die nebenher auch munter in anderen Bands zusammen zocken und Platten herausbringen. Bei dem einen oder anderen Fan hat sich dadurch in letzter Zeit eine gewisse Übersättigung einstellt – schon allein Sänger Martin van Drunen steht mit Asphyx und Grand Supreme Blood Court gleich für zwei mit ähnlichem Stil aufwartenden Old-School-Kapellen am Mikro.

Was HAIL OF BULLETS jedoch von diesen anderen Bands abhebt, ist die durchdachte konzeptuelle Ausrichtung auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Und weil das bisher zweimal richtig gut ankam, greifen die Herren auch für den dritten Anlauf „III: The Rommel Chronicles“ auf die altbewährte Herangehensweise zurück. Warum auch nicht, fragt man sich, schließlich ist das Quintett ebenso wie seine Fans eher für die Rückbesinnung auf Altbewährtes und Tradition als für die Freude an Experimenten und Innovation bekannt.

Während uns Geschichtslehrer van Drunen in den bisherigen Werken in erster Linie  Nachhilfeunterricht über die Schlachten an der Ostfront und im Pazifik in die Gehörgänge brüllte, steht auf „III: The Rommel Chronicles“ kein bestimmter Kriegsschauplatz im Mittelpunkt, sondern – man ahnt es schon – das Leben und Wirken des deutschen Feldmarschalls Erwin Rommel. Ansonsten hat sich im Hause HAIL OF BULLETS jedoch nichts geändert: Erneut finden sich auf der Scheibe zehn frische Songs und erneut wurden diese von Drummer Ed Warby (Produktion) und Dan Swanö (Mixing und Mastering) in ein brachiales Soundgewand gepackt. Wer auf dem Vorgänger „On Divine Winds“ aufgrund der leicht epischeren Ausrichtung ein Quäntchen Aggressivität vermisst hat, der kann sich darüber freuen, dass die neue Scheibe wieder mit der Rohheit des Debüts aus den Boxen dröhnt.

Auf ein separates Intro wurde diesmal verzichtet, etwas Windesrauschen, ein wenig Marschmusik aus der Konserve, dann brettern HAIL OF BULLETS mit „Swoop Of The Falcon“ los, als wären sie nie fort gewesen. Warby tritt die Doublebass auch bei mäßigem Midtempo durch und sorgt so für den bandtypischen Rollender-Panzer-Sound, der sich bestens dazu eignet, Kriegsthemen zu vertonen. Allein schon der Beginn von „DAK“ mit seinem abgehackten Riffing klingt wie eine marschierende Armee, während man das Vorher, Mittendrin und Nachher einer Schlacht musikalisch im Metal-Bereich wohl kaum authentischer umsetzen kann als in „Tobruk“. Besonders hervorzuheben ist der längste Track „DG-7“, der in sich schon ein kleines Meisterwerk darstellt: Schleppende Passagen mit verzahntem Drumming und Riffing, heimsuchende Leads, wüstes Uptempo-Geprügel, bangtaugliches Midtempo-Gestampfe, flotte bis melodische Soli, relativ variable Vocals – dieser Song vereint alle Stärken von HAIL OF BULLETS.

Von der ersten bis zur letzten Sekunde geradlinig durchgeholzt wird auf „III: The Rommel Chronicles“ nur selten („The Last Breath Of Man And Beast“, „Farewell To Africa“), denn zu einer Langrille von HAIL OF BULLETS gehören natürlich auch Doom-Breaks, wie sie im Opener, dem bereits genannten „DAK“ und dem Hassbolzen „The Final Front“ zu finden sind. Der finale Track bleibt gar durchgängig im unteren Geschwindigkeitsbereich, was jedoch für Kenner der anderen Full-Lengths keine Überraschung darstellt. Meist sorgen die Holländer jedoch mit Tempowechseln und manchmal unkonventionellen Songstrukturen für die Abwechslung, die zuweilen auch sehr nötig ist; denn so brillant und einmalig das kranke Organ von van Drunen auch klingen mag, mehr als zwei bis drei Gesangslinien hat der Frontmann nicht zu bieten. Für virtuose Höchstleistungen waren die Herren ebenso noch nie bekannt, doch entsteht zumindest bei mir der Eindruck, dass sich zu den Kerry-King-Krakel-Soli diesmal mehr gekonnte Griffbrett-Flitzereien denn je in den Tracks finden.

„Never change a running system“ lautet unterm Strich das Motto bei HAIL OF BULLETS. „III: The Rommel Chronicles“ ist ein weiteres starkes Album der fünf Niederländer geworden, bei dem Fans der Band bedenkenlos zugreifen können. Wie die früheren Werke sowie viele Konzeptalben generell lebt auch dieses nicht von der Stärke einzelner Tracks, sondern der düsteren, desolaten bis brutalen Gesamtstimmung und beweist erneut, dass man auch 2013 keine Ausflüge in Hochgeschwindigkeits- und Blast-Bereiche unternehmen muss, um richtig fiesen, tonnenschweren und auch zeitlosen Death Metal zu spielen.

Bewertung: 8.5 / 10

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