Erst 2020 gegründet, haben die Slowenen HEI’AN mit „Kiss Our Ghosts Goodbye“ bereits ihr zweites Album veröffentlicht – und dabei sehr persönliche Einblicke gegeben: In den Texten verarbeitet Sänger und Gitarrist Matic Blagonič seine Multiple-Sklerose-Erkrankung, Bisexualität, Depression und ganz existenzielle Fragen. Entsprechend tief lässt Blagonič auch im Interview blicken.

Was war die ursprüngliche Vision hinter „Kiss Our Ghosts Goodbye“, und wie hat sich diese Vision während des Schreibprozesses entwickelt?
Wir schreiben ständig neue Ideen – mal nur einzelne Riffs, Beats, Akkordfolgen, Vokal-Melodieideen usw., mal sogar komplette Songdemos – selbst wenn wir noch dabei sind, die „vorherige Platte“ fertigzustellen. Viele der frühen Ideen für das, was später „Kiss Our Ghosts Goodbye“ werden sollte, sind während des „Imago“-Zyklus entstanden, einige noch bevor dieses Album überhaupt veröffentlicht wurde. Uns war sehr früh klar, dass wir unseren Sound in eine etwas andere Richtung lenken und so weiterentwickeln wollten, dass er deutlich stärker produziert, polierter und raffinierter ist als auf unserem ersten Album. Und wir wussten auch, dass wir ihn stilistisch noch „flüssiger“ machen wollten – also noch mehr Elemente verschiedener Genres miteinander mischen und einerseits in manchen Songs/Segmenten viel poppiger werden als je zuvor, und andererseits in anderen Songs/Segmenten viel heavier als je zuvor. Lyrisch und konzeptionell war mir früh klar, dass ich nicht noch einmal ein Konzeptalbum machen wollte. Ich bin ein großer Fan von Konzeptalben und unglaublich stolz auf die Geschichte, die wir mit „imago“ erzählt haben, aber so, wie ich für dieses Album geschrieben habe, fühlte es sich einfach kreativ befreiend an, Song für Song vorzugehen und mich in dem jeweiligen Moment so ehrlich und aufrichtig wie möglich auf das zu konzentrieren, was ich sagen wollte. Ich habe das Gefühl, dass die Songs dadurch insgesamt noch emotionaler geworden sind. Aber selbst wenn ich in keiner Weise auf ein Konzeptalbum abgezielt habe (und ich betrachte „Kiss Our Ghosts Goodbye“ auch nicht als Konzeptalbum per se): Weil ich wie die meisten Songwriter immer über meine eigenen Gedanken, Erfahrungen, Gefühle usw. zu einem gegebenen Zeitpunkt schreibe, scheinen alle Songs des Albums einen gemeinsamen roten Faden zu haben. Sie handeln alle von bestimmten traumatischen Erfahrungen, mit denen ich mich in letzter Zeit auseinandersetzen musste – vor allem während der Schreibphase –, und von mehreren existenziellen Fragen und Krisen, die dadurch entstanden sind. Im Gegensatz zu unserem ersten Album, das zu 100 % introspektiv war, habe ich diesmal aber wirklich versucht, den Blick nach außen zu richten und es, sozusagen, an die Welt zu adressieren. Die übergreifenden Themen des Albums sind mein fortwährender Kampf mit MS, meine Sexualität (ich bin bisexuell und in einer langjährigen Beziehung mit einem Mann – Aljaž, unserem Harsh-Vokalisten), die Ablehnung und Bigotterie mancher Menschen mir gegenüber deswegen (sogar in der Familie), mein Kampf mit Depressionen, Wut über bestimmte Aspekte unserer Zivilisation sowie existenzielle Fragen danach, worum es im Leben wirklich geht, was wirklich zählt und was nicht, und ob überhaupt irgendetwas wirklich zählt. Mir wurde klar, dass all das Dinge sind, die (und einiges davon immer noch) meine Gedanken ständig heimsuchten – wie leise Geister, die immer da sind und an mir nagen. Und weil Musikschreiben für mich kathartisch ist, habe ich versucht, diese Geister im Prozess dieses Albums „zu küssen und zu verabschieden“. Daher der Albumtitel „Kiss Our Ghosts Goodbye“. Das wäre die Kurzfassung davon, wie die Idee für dieses Album langsam entstand und wie sich die Vision zu dem entwickelt hat, was sie heute ist.
Gab es einen bestimmten Moment in der kreativen Phase, in dem dir klar wurde, dass diese Platte etwas Besonderes oder anders als eure bisherigen Werke sein würde?
Es wurde mit einem etwas anderen Ansatz als unser erstes Album geschrieben und von einem größtenteils anderen Team produziert, also war uns von Anfang an klar, dass es anders sein würde als unser Debüt „imago“ – das war im Grunde die Idee dahinter. In gewisser Weise wollten wir aus dem lernen, was wir bei „imago“ hätten besser machen können, und es diesmal tatsächlich besser machen, uns verbessern und weiterentwickeln. Dass „Kiss Our Ghosts Goodbye“ anders klingt, war also unsere Absicht, und ich glaube, das ist uns gelungen. Was das „Besondere“ angeht … Ein Moment ist mir sehr lebhaft in Erinnerung geblieben und wird es wohl für immer bleiben: als wir eine kleine Listening-Session in den Beartracks Studios in Kočevje, Slowenien, hatten, wo wir etwa 90 % des Albums aufgenommen haben. Primož und Robi, unsere Brüder und die Recording Engineers dieser Platte, waren da, Matic Kutin, unser Bro und Foto-/Videograf, war da, und natürlich wir alle. Es war einige Zeit, nachdem wir alle „finalfinalfinal“-Master bekommen und bestätigt hatten, und wir wollten das fertige Produkt einfach noch einmal gemeinsam von vorn bis hinten in dem Studio hören, in dem wir es aufgenommen hatten, und mit den Jungs ein bisschen feiern für die getane Arbeit. Es wurde ein so emotionaler Abend – wir hatten alle feuchte Augen, lächelten, umarmten und küssten uns, weil wir so stolz auf unseren Fortschritt waren. Weißt du, bei unserem ersten Album haben wir noch „learning as we went“ betrieben und hatten nur wenig Ahnung, was wir da eigentlich tun, aber diesmal haben wir uns den Hintern aufgerissen, um uns als Musiker, Songwriter und Produzenten zu verbessern. Die ganze Band war viel stärker in das Schreiben eingebunden, es fühlt sich noch ehrlicher und authentischer an, wir haben es selbst co-produziert – und dass es nach all der Arbeit dann in unseren Ohren auch wirklich gut klang? Das war einfach ein magischer kleiner Moment und eine magische kleine Nacht. Das wäre der Moment gewesen, in dem ich wusste, dass dieses Album auf jeden Fall etwas Besonderes sein würde – zumindest für uns, für den Rest unseres Lebens.
Wie unterschied sich dein Songwriting-Ansatz für dieses Album von früheren Veröffentlichungen?
Bei unserem ersten Album „imago“ habe ich im Grunde alles selbst geschrieben, und fast jeder Song begann nur mit einer Akustikgitarre und meiner Stimme. Ich hatte also schon alle Texte und Konzepte fertig, bevor ich die Songs den anderen Bandmitgliedern zeigte, und sie hatten insgesamt weniger kreativen Input. Außerdem hatte ich das Konzept für „imago“ relativ früh, sodass ich beim Schreiben und Zusammenfügen immer dieses Konzept im Hinterkopf hatte und darauf achtete, dass alles gut zusammenpasst. Bei „Kiss Our Ghosts Goodbye“ war es hingegen ganz anders. Bei den meisten, wenn nicht allen Songs habe ich einfach mit verschiedenen Synths, Synth-Sounds, E-Drums, Samples, Plugins herumgespielt – ich habe kleine Loops, kleine Akkordfolgen, kleine Beats, kleine Melodien gebaut … Und wenn sich etwas richtig anfühlte und mich genug inspirierte, habe ich „echte Instrumente“ hinzugefügt und über die komplette Songstruktur und das Arrangement nachgedacht … Und erst später habe ich Vokal-Melodien und dann die Texte draufgelegt. Es war also in gewisser Weise der „entgegengesetzte“ Songwriting-Ansatz im Vergleich zum ersten Album – statt mit Text und Melodie zu beginnen und die Arrangements darum herum zu bauen, startete ich mit Produktionselementen und instrumentalen Arrangements und fügte erst danach Vocals und Texte hinzu. Das war für mich wirklich befreiend, weil es den gesamten Prozess explorativer, interessanter und spaßiger gemacht hat. Als ich zu den Texten überging, konnte ich außerdem wirklich „Song für Song“ vorgehen und die ehrlichste Emotion ausdrücken, die der jeweilige Song in mir auslöste, ohne durch größere Konzepte belastet zu sein. Zudem waren die anderen Bandmitglieder von den frühesten Phasen an stärker an der Entstehung dieses Albums beteiligt, was ebenfalls ein großer Unterschied zum ersten war. Dadurch fühlt sich die Platte in gewisser Weise „noch mehr nach uns“ an, weil wir alle kollektiv noch tiefer drinsteckten. Ich finde, dieser kleine Wechsel in unserem Songwriting-Ansatz war sehr gesund für uns als Band.
Kannst du uns durch den Aufnahmeprozess führen – gab es unerwartete Herausforderungen oder Durchbrüche im Studio?
Ich würde nicht sagen, dass es während des Aufnahmeprozesses größere unvorhergesehene Herausforderungen gab. Die meisten Bandmitglieder sind Profimusiker und spielen auch in anderen Projekten, wir haben also Studioerfahrung. Bei unserer ersten Platte war es zwar das erste Mal, dass wir „diese Art“ Studioerfahrung hatten – dass wir wirklich sehr lange gemeinsam ins Studio gingen, um das Album „als Band“ zu erschaffen und nicht „nur als Projekt“. Aufgrund dieser kollektiven Erfahrung wussten wir ziemlich genau, wie die Aufnahmen und die Produktion von „Kiss Our Ghosts Goodbye“ laufen sollten, und es lief mehr oder weniger nach Plan und nach unseren Wünschen und Erwartungen. Der Prozess war simpel: Wir haben alles im Studio aufgenommen; nur die Gitarren haben wir zu Hause getrackt. Der Aufnahmeprozess selbst war super geschmeidig und ehrlich gesagt deutlich schneller, als wir erwartet hatten (obwohl wir unzählige Layer jedes Instruments/Tracks aufgenommen haben, für „extra Wucht“ und „extra Flavor“). Danach ging alles ins Editing, dann zu Randy Slaugh, unserem großartigen Freund und Producer (der auch vor und nach diesem Schritt remote involviert war) für eine Menge zusätzlicher Programmings, dann ins Mixing und schließlich ins Mastering. Alles war ziemlich Standard – ich glaube nicht, dass wir irgendeinen „komischen“ oder „super einzigartigen“ Workflow hatten; es war einfach sehr effizient, sehr smooth und super erfüllend, das ist alles, was ich wirklich sagen kann. Was Durchbrüche angeht … Wir wollten sehr gut vorbereitet ins Studio gehen, mit allem zu mindestens 99 %, wenn nicht 100 % fertig. Wir hatten vollständig ausgearbeitete Demos für alle Tracks, sodass sich die Aufnahmen fast wie „Re-Recording, aber in HQ“ anfühlten. Trotzdem sind im Studio viele kleine Ideen entstanden: kleine Sound-Entscheidungen, kleine Änderungen an manchen Riffs oder Beats, die sie noch besser machten, und vor allem bei den Vocals entstand viel von der Layering- und Produktionsidee erst dort. Es war also eine gute, gesunde Mischung aus sehr guter Vorbereitung UND dennoch der Musik im Studio „Luft zum Atmen“ zu lassen, würde ich sagen.
Der Albumtitel „Kiss Our Ghosts Goodbye“ ist sowohl poetisch als auch unheimlich. Was bedeutet er für dich auf persönlicher oder emotionaler Ebene?
Auch wenn ich es nicht als Konzeptalbum per se betrachte, sprechen alle Songs des Albums über unterschiedliche traumatische Erfahrungen für mich (mein Kampf mit MS, meine Sexualität, der Kampf gegen Bigotterie, mein anhaltender Kampf mit Depressionen und Suizidgedanken usw.) und über existenzielle Fragen zur Welt und zum Universum, die auf mir lasteten. All das fühlte und fühlt sich an, als würde es mich ständig „heimsuchen“ – zumindest im Hinterkopf, jederzeit. Es sind wie hartnäckige Geister im Hintergrund, die mir, bildlich gesprochen, das Leben aussaugen. Da Schreiben für mich kathartisch ist, wollte ich dieses Album als Chance nutzen, all diese Dinge zu bearbeiten und „meine Geister zum Abschied zu küssen“. Der Albumtitel lautet „Kiss Our Ghosts Goodbye“, also „OUR“, erste Person Plural, weil das Album – interessanterweise – weit weniger introspektiv ist als das erste und die Welt und sogar ganz konkret die Zuhörer:innen anspricht. Ich dachte mir: Wenn das Album draußen ist, finden vielleicht mehr Menschen die Musik im Kontext ihres eigenen Lebens kathartisch/inspirierend. Der Titel sollte deshalb eine positive, aber dennoch leicht unheimliche Botschaft und „Mantra“ für uns alle sein.
Es zieht sich ein starker emotionaler Faden durch die Songs – wie balancierst du Verletzlichkeit und Intensität in eurer Musik?
Wir hören alle sehr viele verschiedene Genres und Stile, und gerade ich bin ein riesiger Fan von Pop, elektronischer Musik, K-Pop usw., höre aber auch eine Menge härteres Zeug wie BRING ME THE HORIZON, ARCHITECTS, BAD OMENS usw., und auch deutlich Extremeres, bis hin zu HUMANITY’S LAST BREATH, VILDHJARTA – und aaaalles dazwischen. Musik auf „meinen eigenen Playlists“ zu hören, ist für mich daher immer eine sehr kontrastreiche, spaßige, polarisierende Erfahrung: Ich kann von dem poppigsten, weichsten Song überhaupt zu fünf Minuten absoluter Brutalität springen und danach zu Pop-Punk oder so. Ich finde, es ist nur natürlich, dass wir auch in unserer Musik viele verschiedene Elemente mischen, und speziell auf dieser Platte wollten wir den Kontrast zwischen „poppiger Verletzlichkeit“ und „heftiger Intensität“ noch offensichtlicher machen. Das sind einfach wir und das mögen wir, und ich bin sicher, dieser Kontrast wird bei zukünftigen Releases noch deutlicher werden.
Das Artwork des Albums ist eindrucksvoll. Mit wem hast du für die Visuals zusammengearbeitet, und welche Botschaft oder Stimmung wolltet ihr vermitteln?
Danke! Das Album-Artwork und alle Single-Artworks zu diesem Album wurden vom supertalentierten Remi Bordet gestaltet. Ich hatte gesehen, dass er u. a. für HEART OF A COWARD und andere Bands gearbeitet hat, und als ich seine Arbeiten sah und mich näher damit befasst habe, wusste ich schnell, dass er wahrscheinlich der richtige Mann dafür ist – und das war er. Mir war relativ früh klar, dass ich mich auf einem „unheimlichen“ Hintergrund auf dem Cover haben wollte, so eine Art „Davonlaufen“ davor, weil das den Titel und die Botschaft des Albums visuell sehr gut repräsentieren würde. Für alle Details und für die Single-Artworks haben wir mit Remi die Bedeutungen und Ideen hinter allem besprochen, und die Zusammenarbeit war sehr smooth. Er hat sehr schnell genau verstanden, was ich wollte, und wir kamen zügig zu den finalen Artworks. Mir war wichtig, dass das Haupt-Artwork den Albumtitel gewissermaßen „visuell repräsentiert“ und unheimlich, prägnant und emotional fesselnd ist – und ich finde, Remi hat das absolut AUF DEN PUNKT getroffen – er ist ein unglaublich talentierter Künstler.
Wie wichtig ist die visuelle Seite von HEI’AN, wenn es darum geht, Musik und Texte zu ergänzen?
Sie ist auf jeden Fall wichtig, aber wir finden, dass die Musik an sich das Wichtigste ist. Dennoch ist es für uns von zentraler Bedeutung, dass Artworks, Musikvideos und alles andere die Stimmung und Botschaft der Musik gut ergänzen. Ich würde also sagen: Sie ist auf jeden Fall wichtig, aber die Musik soll bis zu einem gewissen Grad für sich selbst sprechen.
Welcher Track auf der Platte hat dich kreativ am meisten gefordert, musikalisch oder textlich?
Wir schieben unsere persönlichen Grenzen beim Schreiben immer gerne ein Stück weiter, daher haben wir bei jedem einzelnen Track kleine (oder sogar größere) Wege gefunden, uns als individuelle Musiker und als Band zu fordern. Einer, den ich besonders hervorheben möchte, ist „What Do You Have to Save?“. Er fühlt sich für mich wie der ausgereifteste, reifste Song an, den wir je geschrieben haben – er fließt einfach, er ist eingängig, kraftvoll, enthält einige meiner liebsten Vocal-Performances überhaupt und einige meiner stolzesten Texte. Es war auch ein Song, bei dem ich alle „mentalen Beschränkungen“ losgelassen habe im Sinne von „wie heavy er sein muss, um aufs Album zu passen/metal genug zu sein“. Ich habe einfach geschrieben, was ich schreiben wollte, Punkt. Ich finde, dieser Song hat eine weitere Grenze dessen verschoben, was HEI’AN sein kann, und was wir in Zukunft vielleicht noch weiter ausloten wollen.
Jetzt, wo das Album draußen ist: Wie sehen eure Tourpläne aus? Können Fans mit einer vollen Tour oder ausgewählten Shows rechnen?
Wir veranstalten unser „‚Kiss Our Ghosts Goodbye‘ Release Festival“ in Slowenien am 24. und 25. Oktober, und das wird definitiv das ambitionierteste Live-Ding, das wir je versucht haben. Zwei Tage, vier verschiedene Opener, wir headlinen an beiden Tagen, wir hosten nach Tag 2 eine Afterparty, bei der wir selbst auflegen, es wird einen Foodtruck geben, ein eigenes HEI’AN-Bier … Das wird großartig, wir sind alle unglaublich aufgeregt. Was den Rest angeht: Wir arbeiten an Festival-Bookings und einigen Tour-Optionen für 2026, und hoffen, dass wir sowohl „eine volle Tour“ als auch mehrere zusätzliche ausgewählte Shows in unterschiedlichen Kontexten anbieten können. Vieles ist in Arbeit, und wir hoffen, bald mehr ankündigen zu können. Wir jucken auf jeden Fall danach, in irgendeiner Form wieder auf die Straße zu gehen.
Wie übertragt ihr den atmosphärischen, vielschichtigen Sound des Albums auf die Bühne?
Wir haben unser Live-Rig, die Crew und die generelle Art, wie wir es live angehen, seit unserem ersten Album-Zyklus deutlich aufgerüstet. Ich werde live keine Gitarre mehr spielen, damit ich mich auf den Gesang konzentrieren und mehr mit dem Publikum interagieren kann, um hoffentlich eine noch packendere und energiegeladenere Show zu liefern. Für ausgewählte Shows werden wir einen Touring-Gitarristen dabeihaben – und hoffentlich bald für alle Shows. Wir arbeiten mit einem FOH-Engineer, der unseren Livesound wirklich auf das nächste Level gebracht hat; wir hatten mit ihm eine Menge Live-Pre-Production-Proben, damit er alles so feinabstimmen konnte, dass es so nah wie möglich an den Studio-Versionen klingt – durch das Nachbilden der gleichen Sounds, Effekte und Automationen wie auf den Studio-Tracks, gemischt mit Backing-Tracks für all die Synth- und Produktionsebenen, die wir am Start haben. Es wird also aus technischer Sicht eine deutlich komplexere Live-Show als alles, was wir bisher versucht haben, aber genau deshalb können wir diesen atmosphärischen, vielschichtigen Sound live umso besser übertragen – das ist zumindest der Plan.
Mit Blick nach vorn: Wie wird „Kiss Our Ghosts Goodbye“ die zukünftige Richtung von HEI’AN prägen – musikalisch und thematisch?
Es ist definitiv ein Album, das viele „kreative Türen“ für uns geöffnet hat, meiner Meinung nach. Musikalisch werden wir den sauberen, polierten Produktionsaspekt ganz sicher noch weiter ausreizen, und wir wollen auch mit dem Kontrast noch mehr spielen – also auf der einen Seite noch poppigere Sachen und auf der anderen noch härtere, um das auszubalancieren. Wir schreiben bereits neue Ideen für zukünftige Releases, und das, was bisher entstanden ist, geht genau in diese Richtung – in manchen Aspekten noch poppiger, in anderen noch heavier. Wir liebten den kreativen Workflow bei diesem Album, also werden wir das Schreiben künftig auf ähnliche Weise angehen. Lyrisch hat mich „Kiss Our Ghosts Goodbye“ ebenfalls dazu gebracht, meine Schreib- und Themenhorizonte zu erweitern: weniger introspektiv, nach außen gerichtet und generell direkter, geradliniger und ehrlicher – und das zeigt sich sehr in den Textideen, an denen ich gerade für die Zukunft arbeite. „Kiss Our Ghosts Goodbye“ war eine sehr natürliche Weiterentwicklung unseres „imago“-Sounds, zugleich eine etwas drastische, und ich habe das Gefühl, dass der nächste Release – wann auch immer es so weit ist – genau das sein wird: eine sehr natürliche Evolution von „Kiss Our Ghosts Goodbye“, und dennoch ein ziemlich drastischer „Sprung“ – nicht „zufällig“, sondern völlig natürlich und logisch. Ich liebe es, wenn Bands Alben veröffentlichen, die sich ziemlich deutlich voneinander unterscheiden und trotzdem unverkennbar „diese Band“ sind, zum Beispiel LINKIN PARK, BRING ME THE HORIZON und ähnliche. Das wollen wir auch mit unserer Musik: Sachen schreiben, die unverkennbar HEI’AN sind und trotzdem immer frisch und interessant – „neu und doch vertraut“ – für uns selbst und für unsere Fans.
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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