Interview mit Dennis von KMPFSPRT

Am letzten Tag ihrer gemeinsam Tour mit Saves The Day und Decade trafen wir uns mit Dennis von KMPFSPRT in München. In unserem Gespräch erläutert uns der sympathische Bassist der Punkband aus Köln und Bonn die Verbundenheit von KMPFSPRT zu Saves The Day, sprach über die Vereinbarkeit von Punkrock und Privatleben und erklärte uns, warum er keine Lust darauf hat, dass einige Menschen die Musik seiner Band hören.

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Hi Dennis, danke, dass du dir die Zeit für das Interview mit uns nimmst. Heute ist ja das letzte Konzert von eurer Tour mit Saves The Day – wie wars?
Super, muss ich wirklich sagen. Die Jungs von Decade sind sehr nett und Saves The Day auch. Zwar haben wir ja am Anfang gedacht, okay, es ist halt allgemein schwierig mit einer Band aus Übersee, die viel unterwegs ist, auch in Kontakt zu kommen, aber ich muss sagen, dass gerade Chris, also der Sänger, extrem nett war. Wir tauschen jeden Abend irgendwelche Geschichten von früher aus und merken dabei, dass wir ähnlich aufgewachsen sind, nur der eine halt in den USA, der andere hier.

Saves The Day ist schon eine eurer Lieblingsbands, wenn man die Einträge bei Facebook richtig deutet, oder?
Ja, total. Die Band spielt jeden Abend 90 Minuten, also wirklich lange Sets, und es ist halt so, dass wir jeden Abend zu viert vor der Bühne stehen und wirklich alles mitsingen. Am ersten Tag war uns das noch ein bisschen unangenehm, weil man ist ja die nächsten Tage noch gemeinsam unterwegs ist und sich jetzt nicht als Megafan outen will. Aber für heute haben wir uns dann wirklich unsere Saves-The-Day-CDs und -Platten eingepackt, um uns die signieren zu lassen. Wir sind also wirklich, wirklich Fans der ersten Stunde, vom ersten Album an. Für uns bedeutet es super viel, mit der Band unterwegs zu sein

Wie sind denn eure Konzerte auf der Tour, kommt ihr gut beim Publikum an? Waren vielleicht auch Leute nur wegen euch da?
Ja, das haben uns die Leute dann auch gesagt. Man muss auch festhalten, dass Saves The Day das Publikum so ein bisschen spalten. Es gibt halt Leute, die mögen die ersten drei, vier Platten total gerne und haben danach nie wieder ein Album von denen angepackt. Davon gibt’s auch bei diesen Konzerten viele, das merkt man an den Reaktionen, sprich: Sobald die Band irgendwas altes spielt, flippen die Leute total aus und bei den anderen Songs stehen die Leute halt rum oder holen sich ein Bier. Ich hatte halt jedes Album von Saves The Day und mich spricht halt jeder Song an.
Aber ja, wir hatten auch Konzerte, wo die Leute kamen und nach uns wieder gegangen sind, was schon irre ist, weil wir ja als Support nur ein halbes Set spielen und der Eintritt auf der Tour nicht das ist, was man normalerweise für uns zahlt. Also ohne das jetzt werten zu wollen, aber für uns wären 22 Euro halt Wahnsinn, das würde ich wahrscheinlich nicht bezahlen. Für drei Bands und Saves The Day, ok. (lacht)
Aber die Reaktionen auf uns waren generell echt gut. Unser Album ist ja eh sehr gut angekommen, was uns sehr freut, weil die Band ursprünglich als „Komm, wir hängen uns nochmal in den Proberaum,  schreiben ein paar Songs und schauen was passiert“ geplant war, und das dann sowas dabei raus kommt, damit hat keiner von uns gerechnet. Von daher ist schon cool, wie wir jetzt aufgestellt sind.

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Wie wichtig ist euch denn generell das Livespielen? Für mich hat sich in den letzten Monaten der Eindruck aufgedrängt, dass ihr quasi ständig unterwegs seid.
(lacht) Das ist schön, wenn dieser Eindruck entsteht. Wir sind da ein bisschen zerrissen in der Band. Auf der einen Seite wollen wir gerne sehr viel touren, auf der anderen Seite sind wir auch in einem Alter, das mit Verpflichtungen einhergeht, so dass man halt einfach nicht mehr alles spielen und nicht mehr alles machen kann. Dazu kommt, dass wir momentan auch mit einem Ersatzschlagzeuger spielen, da unser eigentlicher Schlagzeuger letzte Woche geheiratet hat und jetzt dann auch Vater wird. Das sind halt so Sachen. Ich denke jetzt mal, dass er dieses Jahr weniger Konzerte spielen wird, was aber auch ok ist, da wir da Leute haben, die einspringen können.

Wie kriegt ihr das Livespielen und eure persönlichen Verpflichtungen mit dem Schreiben eurer Musik unter einen Hut? Die EP ist ja Ende 2012 erschienen, das Album jetzt im Januar, das ist ja doch ein anständiges Tempo.
In der Band ist das bei uns so 50/50. Wir haben zwei, die sind sehr eingespannt mit ihrem Job und zwei, die zwar auch arbeiten müssen, aber sehr flexibel sind. Wir haben halt zwei Lehrer, die sind dann auf Schulferien und dergleichen angewiesen, und zwei von uns sind freiberuflich tätig, wir können uns das dann besser selber einteilen. Es ist halt schon so, dass unsere beiden Hauptsongwriter unsere beiden Gitarristen, also David und Richard, einfach viel von zu Hause aus machen. David ist eine richtige Songschreibemaschine, der schreibt und schreibt und schreibt… also von daher ging das schon relativ zügig. Was halt dann schon immer relativ lange dauert, das sind die Feinarbeiten, im Studio dran feilen und sowas. Riffs schreiben sich schnell, einen Song draus zu machen, ist dann was anderes.

Sprich, die zwei Jungs kommen mit Ideen an und ihr trefft euch dann und schreibt die Sachen zusammen?
Ja genau, generell schon. Früher ist das schon mal passiert, dass die Jungs fertige Songs mitgebracht haben, mittlerweile ist es aber so, dass wir mit den Riffs im Proberaum arbeiten, aber die schon zuhause vorbereitet sind. Also wir sind keine Band, die in den Proberaum geht, dann rumjamt und guckt, was dabei herauskommt. Das ist auch einfach zu uneffektiv, das muss man so sagen. Da ist man unter Umständen dann mal drei Tage beschäftigt und es kommt nix bei rum, und diesen Zeitluxus können wir uns einfach nicht leisten.

Ihr wart ja vorher auch bei Fire In The Attic und Days In Grief aktiv…
Genau, ich war bei Fire In The Attic.

KMPFSPRT 02Wie kam es, dass ihr musikalisch von der Hardcoreecke zu Punkrock gewechselt seid und gleichzeitig auch den Wechsel von englischen Texten zu deutschen Texten vollzogen habt?
Das von Englisch auf Deutsch war wirklich so ein Ding, das uns lange im Kopf herumgespukt ist und wir haben echt lange überlegt, ob wir das machen und ob wir das können und wenn wir das umsetzen, wie. Es gibt einfach sehr viele deutsche Bands mit furchtbaren Texten und es ist sehr schwierig sich in der eigenen Sprache zu auszudrücken, ohne dass es mega platt ist. Das war das, wo wir am meisten dran gearbeitet haben und was am Schwierigsten war, vor allem am Anfang, jetzt geht das schon alles leichter von der Hand.
Musikalisch: Klar, wir haben uns schon verändert, aber die Bands, die uns beeinflussen, sind nach wie vor dieselben. Sprich, wir sind aufgewachsen mit NoFx, Propaghandi, Millencollin und dem ganzen Kram und auch während Fire In The Attic und Days In Grief war das immer ein Einfluss, der vielleicht durch andere Bandmitglieder nicht immer offensichtlich herausgestochen ist. Aber ich muss auch sagen, mit Fire In The Attic – für Days In Grief kann ich jetzt nicht sprechen – haben wir uns am Ende eigentlich auch klar als Punkrockband bezeichnet. Wir haben uns gar nicht mehr in diesem Emo-, Screamo-, Was-auch-immer-Kontext gesehen, weil der sich auch vollkommen anders entwickelt hat. Also ohne das jetzt werten zu wollen, die Richtung Eskimo Callboy und His Statue Falls, mit Breakdowns und Elektronikversatzstücken, das ist halt nichts gewesen, wo wir uns jemals gesehen haben und deswegen waren wir da auch relativ schnell raus und haben uns davon abgegrenzt und haben eben gesagt: „Wir sind ne Punkrockband.“
Und jetzt mit KMPFSPRT freuen wir uns halt mega, wenn wir auf nem Festival mit NoFX spielen, weil so sind wir halt sozialisiert und wir uns auch in der Ecke sehen.

Ich habe ja in meiner Review zu „Jugend mutiert“ etwas gemacht, was ihr in anderen Interviews schon verneint habt, nämlich euch in eine Tradition mit Bands wie Muff Potter gestellt.
(lacht) Ja, mittlerweile haben wir uns an den Vergleich gewöhnt.

Aber wenn ihr euch von dieser Richtung abgrenzt – ich meine jetzt nichtmal zwingend nur Muff Potter, sondern eben dieses ganze Deutschpunk-Ding –  worin seht ihr denn die größten Unterschiede?
Wir sehen uns eher als Punkrockband im Sinne dieser amerikanischen Tradition, nur eben mit deutschen Texten und daher war uns dieser Muff-Potter-Vergleich etwas unangenehm, weil die meiner Meinung nach einfach sehr deutsch klingen, auch wenn das Nagel jetzt vielleicht nicht gerne hört. Also vom Sound her, meine ich jetzt natürlich! Ich meine nicht, die klingen deutsch wie irgendeine Deutschrockband oder sowas. Aber dieser deutsche Indie, der hat schon einen gewissen Sound und den, finde ich, haben wir halt nicht. Ich finde, unsere Platten sind anders produziert, sind anders geschrieben und deswegen hat uns dieser Muff-Potter-Vergleich ein bisschen gestört am Anfang. Was aber auch unter anderem daran liegt, dass außer David niemand von uns ne Muff-Potter-Platte besitzt. Die Assoziation kommt halt sehr schnell über den Gesang, glaube ich, aber, wie gesagt, das ist nichts, was irgendwie aktiv passiert wäre.

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Ich finde ja, dass er derzeit eine ganz starke Welle an guten deutschen Punkbands gibt und diese auch mehr Aufmerksamkeit erfahren. Siehst du da vielleicht eine Verbindung zu den USA, ich meine jetzt zum Beispiel das, was als „The Wave“ bezeichnet wird, Bands wie La Dispute oder Touché Amoré?
Hm. Also zum einen stimme ich dir absolut zu, was die aktuelle Szene betrifft. Es gibt ja zum Beispiel auch hier in München Marathonmann oder Bands wie die leider nicht mehr aktiven Frau Potz. Da sind schon viele Bands, die absolut unpeinlich mit der deutschen Sprache umgehen, was es im deutschen Punkrock lange nicht gab, meiner Meinung nach. Vielleicht Jupiter Jones ne Weile lang, aber die machen halt mittlerweile keinen Punkrock mehr, das ist halt so, das darf man auch mal sagen. (lacht)
Mit diesen Wave-Geschichten… ich glaube niemand in unserer Band hört das oder mag das sogar. La Dispute zum Beispiel hab ich mir angehört, weil das alle so abgefeiert haben und… man, eigentlich darf man das gar nicht sagen, aber ich finde das schrecklich. Dass der Typ nicht singen kann, ist halt eine Sache, der redet halt. Aber der wird ja auch sehr für seine Texte gelobt und die finde ich halt schlimm. Wenn man die übersetzt und sich mal wirklich damit beschäftigt, dann finde ich zum einen nichts besonderes dran und zum anderen finde ich mich darin nicht wieder, was sicherlich auch daran liegt, dass wir alle ein bisschen älter sind in der Band, wir sind ja alle Anfang bis Mitte 30, das spricht mich halt einfach nicht an. Also musikalisch finde ich La Dispute ziemlich genial aber gesanglich und textlich komm ich da nicht drauf klar.

Das bringt uns dann vielleicht auch zu euren Texten, die euch ja schon auch sehr wichtig sind.
Ja, auf jeden Fall.

Wer ist bei euch denn für die Texte verantwortlich?
Die Texte schreiben David und ich, dann setzen wir uns zusammen mit Richard, unserem Sänger hin und gehen die durch, passen die an – er singt sie ja, er hat demnach also auch das letzte Wort, aber den großen Teil schreiben David und ich.

Euer thematisches Spektrum ist ja schon sehr weit gefächert – seht ihr euch denn eher als eine politische oder persönlich definierte Band? Wie würdest du euren eigenen Anspruch beschreiben?
Ich kann jetzt nur für mich sprechen, aber ich glaube, den anderen geht es auch so: Ich mag halt keine Bands, die sich nur auf ein Thema konzentrieren und das dann bis zum bitteren Ende durchkauen. Wir sind zum Beispiel in der Band alle Vegetarier, das ist für uns eine wichtige Sache und wir haben auch Songs darüber, aber wir sind halt nicht Earth Crisis in den 90ern und man braucht einfach keine ganze Platte mehr über Tierrechte. Klar gibt es da was dazu zu sagen und klar kann man da noch viel mehr dazu sagen, aber irgendwann reicht das dann auch. Wir haben unsere Meinung mit zwei, drei Songs kundgetan und das ist dann auch gut so.

Ihr habt ja Felix von Frau Potz und Escapado auf eurer Platte – wie kam der Kontakt zustande?
Witzigerweise wohnt er jetzt in Bonn bei uns um die Ecke. Wir sind ja drei Kölner und ein Bonner und Felix wohnt mit ner guten Freundin von uns zusammen, die in Bonn Konzerte veranstaltet und wir haben auch mal mit Frau Potz gespielt. Wir dachten dann halt, das wäre total geil, wenn er bei dem Song singen würde und da er halt nur fünf Minuten von uns lebt, hat sich das dann angeboten.

KMPFSPRT 04Vielleicht auch nochmal ein paar Worte zu dem Song, von dem wir hier sprechen, „Musikdienstverweigerer“: Was genau kommentiert ihr damit und wer soll eure Musik nicht hören?
Die Idee hinter dem Song, genauer gesagt zu dem Refrain, kam mir auf einem Konzert zusammen mit Frau Potz in Oberhausen, da war das noch ein anderer Zusammenhang. Da war halt diese typische Situation, du bist auf einem Konzert, alle haben Spaß und dann sind da zwei besoffene Vollidioten, die bei den ruhigen Songs die Bierdusche auspacken und alle irgendwie anprollen und die sich für total witzig und lustig halten, aber allen anderen das Konzert versauen. Daher kamen die Zeilen des Refrains ursprünglich.
Den gesamten Text haben wir dann aber auf eine andere Sache gemünzt. David hat auf unserer Seite mal einen Banner gepostet: „Love Music, Hate Frei.Wild“, und dann gings halt wieder los. (lacht) Also klar, wir sind jetzt keine Riesenband und das hat nicht solche Ausmaße angenommen wie bei Jennifer Rostock oder so, aber es haben halt tatsächlich Leute geschrieben, und uns gefragt, wo denn das Problem ist. Uns hat wirklich jemand geschrieben: „Ich hör euch, ich hör Frau Potz, ZSK, Slime, aber ich hör auch Frei.Wild und Onkelz. Wo ist denn das Problem?“ Und da haben wir dann halt gesagt, das ist ein Riesenproblem, da haben wir überhaupt keinen Bock drauf. Das war uns einfach wichtig, zu diesem Thema nochmal eine klare Aussage zu treffen, dass wir vielleicht gerade weil wir Deutsch singen, dieses Publikum auch ansprechen und uns das halt suspekt ist und wir von vornherein gleich einen Schlussstrich ziehen wollten, so in der Art: Sorry Leute, ihr könnt gerne mit uns reden, aber wir haben eine ganz klare Meinung zu diesen Bands und wenn ihr meint, diese Bands hören zu müssen, sorry, aber wir stehen auf einem ganz anderen Blatt. Das war uns wichtig, da ein Statement abzugeben.

Habt ihr in dieser Hinsicht auf Konzerten auch schon Probleme gehabt?
Also hinsichtlich der politischen Dinge, nein. Davon abgesehen, naja, das Übliche eben. Also von den betrunkenen Idioten abgesehen, beobachtet man schon oft, dass die Leute mehr mit ihrem Handy beschäftigt sind, als mit dem Konzert. Das ist einfach respektlos der Band gegenüber, da direkt vor dem Sänger zu stehen und auf sein Handy zu schauen. Sowas nervt halt ein bisschen, aber solchen Leuten würde ich jetzt unsere Musik nicht verbieten. (lacht) Aber zum Thema vorhin: Ich will einfach nicht in einem Atemzug mit diesen Bands da genannt werden. Das ist so.

Ich finde, das kann man auch einfach so stehen lassen. Zum Abschluss noch eine Frage nach eurer Zukunft, was habt ihr denn für die nächste Zeit geplant?
Wir lassen das alles ein bisschen auf uns zukommen. Wir spielen ein paar Festivals im Sommer und haben ein, zwei kleinere Sachen geplant. Wir gehen auch nochmal ins Studio und nehmen nochmal eine Kleinigkeit auf, da will ich jetzt aber nicht viel mehr dazu sagen, weil wir uns da selber noch nicht ganz klar sind. Da wird dann im Herbst vielleicht nochmal ein neuer Song kommen, sonst planen wir relativ wenig, eben auch wegen der Familiensituation unseres Drummers. Ich schätze mal, dass wir dann Anfang nächstes Jahr damit beginnen, an Ideen für ein neues Album zu arbeiten, aber wir sind da jetzt in keiner Hetze. Mit Fire In The Attic haben wir teilweise jedes Jahr ein neues Album gemacht, aber man unterschätzt die Arbeit daran halt auch. Da ist es halt einfacher, wenn man noch Student ist und sagt, naja, dann geh ich da jetzt mal eine Woche nicht hin oder so. (lacht)