Interview mit Lüt

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In Norwegen gelten LÜT aus Tromsø als vielversprechende Newcomer, in Deutschland ist die junge Truppe noch eher unbekannt. Mit ihrem selbstbetitelten Album „Lüt“ und der dazugehörigen Tour haben die Norweger bereits kräftig dagegen angearbeitet. Im Interview erzählen sie, wie sie das Schreiben radikal kollektiv gedacht und Genregrenzen ignoriert haben, um zurück zu ihren Wurzeln im Punk zu finden.

Euer neues Album ist selbstbetitelt – warum habt ihr euch entschieden, es „Lüt“ zu nennen, und was sagt das über den aktuellen Stand der Band aus?
Wir setzen damit ein Zeichen: Wir sind zurück bei den Wurzeln, bei dem, wie unsere Musikkarriere begonnen hat. Das Vierergespann, das in der Schulzeit eine Punkband gegründet und Musik geschrieben hat, die wir lieben. Wir haben viel Arbeit hineingesteckt, all unsere individuellen Inspirationen in dieses Album zu bringen. Als wir über den Namen nachdachten, war das einzig Naheliegende für uns, ihm unseren Namen zu verpassen.

Wie hat sich der Schreibprozess für diese Platte entwickelt? War es von Anfang an eine gemeinsame Arbeit?
Ja, sehr sogar. Der Fokus lag stark darauf, all die Sounds zusammenzubringen, die wir jeweils auf dem Album haben wollten. Wir haben aufgehört, uns darum zu scheren, was andere denken könnten, und ein Album für uns geschrieben – mit einer Menge Einflüsse aus vielen verschiedenen Genres. Wir lieben es.

LÜT; © Orjan Myrland

Habt ihr das Songwriting diesmal anders angegangen als bei euren früheren Releases?
Absolut. Früher haben wir oft etwas vollständig geschrieben und es dann in den Proberaum gebracht. Diesmal haben wir uns jedoch alle zusammengesetzt und es gemeinsam umgesetzt. Es war sehr erfrischend für uns, über das ganze Album hinweg so stark eingebunden zu sein.

Gab es Songs, die sofort zusammenkamen – oder andere, die euch besonders Kopfzerbrechen bereitet haben?
Viele Instrumentalparts kamen sofort, aber einige haben lange gebraucht, bis sie fertig waren. „Opp Ned“ fing fast als Metalsong an, aber nachdem wir ihn fast ein Jahr lang haben liegen lassen, haben wir die Instrumentierung geändert – zu dem Song, der er heute ist. Wir gehen beim Albummachen immer viel hin und her, und das kann mitunter ziemlich frustrierend sein, aber am Ende sind wir immer sehr glücklich.

Wo und mit wem habt ihr das Album aufgenommen? Wie hat die Studio-Umgebung das Endergebnis beeinflusst?
Zuhause in unserer schönen Stadt Tromsø, Norwegen, mit unserem „fünften Beatle“ Ariel Joshua Sivertsen. Er ist bei all unseren Platten der Produzent, und er kennt uns, unseren Sound und unseren Workflow wirklich gut. Da wir so weit im Norden leben, landen wir irgendwie immer wieder dabei, an den schönsten Sommertagen aufzunehmen, aber das ist schon okay, denke ich. (lacht)

LÜT; © Orjan Myrland

Habt ihr diesmal mehr mit Sounds und Produktion experimentiert, oder wart ihr auf einen rohen, reduzierten Punk-Sound aus?
Sowohl als auch. Bei einigen unserer Songs gehen wir wirklich tief ins Experimentieren, bei anderen hauen wir sie einfach mit roher Power raus. „Guro“ und „Fokk D“ sind gute Beispiele dafür, wenn wir im Studio einfach mit voller Geschwindigkeit und Wucht loslegen. Songs wie „Opp Ned“ und „Merriachi“ sind Stücke, bei denen wir viel Zeit mit seltsamer und ungewöhnlicher Technik verbracht haben, um den richtigen Sound zu finden.

Das Coverartwork von „Lüt“ sticht wirklich heraus. Wer hat es gestaltet, und was war das Konzept dahinter?
Wir haben es ebenfalls selbst gestaltet, und unser sympathischer Cover-Mann ist diesmal der Vater von Marius (unserem Bassisten). Als wir zusammen aufgewachsen sind und mit 14 in Bars gespielt haben, hat Nigel (Marius’ Vater) uns zu Gigs gefahren und auf uns aufgepasst. Das ist für uns sehr nah dran am Zuhause – und außerdem sieht er verdammt cool aus.

Wie eng sind die Visuals mit den Themen oder der Energie der Songs verknüpft?
Unsere Visuals haben für uns immer eine schöne Bedeutung, und wir legen großen Wert darauf, sie so cool wie möglich zu machen. Aber sie mit der Energie der Songs abzugleichen, darüber haben wir ehrlich gesagt nicht groß nachgedacht. Vielleicht ist das an dir, darüber zu entscheiden.

Welcher Track auf dem Album fühlt sich 2025 am ehesten wie ein „Mission Statement“ für LÜT an?
„Opp Ned“ oder „Smil & Vink“. Für uns repräsentieren sie eine ziemlich hektische Zeit in unserem Leben – sowohl persönlich als auch als Band. Diese Songs live zu spielen und zu sehen, wie die Leute dazu ausrasten, zaubert uns wirklich ein Lächeln ins Gesicht.

LÜT; © Orjan Myrland

Wie fügt sich dieses Album in die breitere skandinavische oder europäische Punk-Szene ein?
Ziemlich gut, würde ich sagen. Ich habe das Gefühl, die skandinavische Szene ist sehr offen und experimentierfreudig, mit Bands wie VIAGRA BOYS, HONNINGBARNA, KVELERTAK etc… Ich hoffe einfach sehr, dass die Leute dieses Album genauso lieben und schätzen werden wie wir. (lacht)

Was können Fans von eurer kommenden Tour erwarten? Werdet ihr stark den Fokus auf das neue Material legen?
Natürlich, aber die „Klassiker“ bleiben auch. Wir lieben es, eine große, chaotische und spaßige Show für alte und neue Fans hinzulegen. Wir sind unglaublich gespannt auf diese Tour und haben den ganzen Sommer dafür geprobt. Hoffentlich bauen wir unterwegs ein oder zwei Überraschungen ein.

Gibt es Städte oder Venues, auf die ihr euch auf dieser Tour besonders freut?
Hamburg ist immer ein Knaller (Forza St. Pauli!!!), aber auch Hannover und Göttingen. Wir freuen uns außerdem sehr darauf, zum ersten Mal in die Schweiz zu fahren, genauso wie auf Berlin. Wir hoffen, euch zu sehen! Danke! xoxo

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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