Interview mit Jörg M. Knittel von My Darkest Hate

Nach zehn Jahren Schaffenspause und einigen personellen Wechseln  melden sich MY DARKEST HATE mit ihrem neuen Album „Anger Temple“ imposant zurück. Wir haben mit Jörg M. Knittel, dem Begründer und Gitarristen der Band, über Wut, Hass und innere Dämonen gesprochen. Zudem konnten wir einen Einblick in die Gründe der längeren Auszeit, sowie der Neubesetzungen erhalten.

 

Anger Temple“ wurde kürzlich veröffentlicht. Wie fühlst du dich? Bist du zufrieden?
Ich bin nach wie vor sehr zufrieden. Wir haben ja auch lang genug an den Songs gefeilt. Ich finde es gibt keinen Ausfall, sondern wirklich nur starke Songs auf der Scheibe. Auch die Resonanzen waren überwältigend! Allerdings kann ich mir das Album, wie nach jeder Produktion, gerade nicht mehr anhören. Da brauch ich dann immer paar Monate Abstand.

Euer letztes Album „Combat Area“ erschien 2006. Ihr habt also sehr lange an „Anger Temple“ gearbeitet. Woran lag das?
Da kam Verschiedenes zusammen. Einige haben Familien gegründet, andere sind umgezogen, ausgezogen, wurden geschieden etc. Der ganz normale Wahnsinn halt. Es war schon geplant eine kleine Pause zu machen, aber aus verschiedenen Gründen wurde die leider immer länger. Trotz allem war mir immer klar, dass es ein neues Album geben wird und wir haben auch immer mal wieder geprobt oder ab und zu einen Auftritt gehabt. Bis zum nächsten Album wird es definitiv nicht mehr so lange dauern!

Für meine Begriffe ist „Anger Temple“ in einem, nennen wir es mal, Old-School-Death-Metal-Stil gehalten. Seht ihr das auch so? Wenn ja, weshalb habt ihr diesen Stil gewählt?
Old-School-Death-Metal trifft es ziemlich gut. So sehen wir das auch. Dieser Stil ist nicht bewusst gewählt, sondern wenn ich Death Metal Songs schreibe, dann klingen die einfach so. Es kommt praktisch so aus mir raus (lacht). Zudem ist es auch der Death-Metal-Style, auf den wir alle stehen – Bolt Thrower, Celtic Frost, Vader, Massacre.

Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen dem aktuellen und dem letzten Album?
Es gibt keine gravierenden Unterschiede. Wir haben den Bass diesmal etwas lauter abgemischt, da Roberto echt geile Sachen gespielt hat. Aber wir haben unseren Stil nicht verändert, eventuell kommen die neuen Songs noch etwas direkter auf den Punkt. Um das objektiv zu beurteilen, fehlt mir jedoch noch der Abstand.

Ich habe gelesen, dass „Anger Temple“ die im Körper manifestierte Wut bedeuten soll. Welche Bedeutung hat für euch in diesem Zusammenhang Wut und worauf bezieht sie sich?
Primär ging es drum einen Albumtitel zu finden, der gut klingt und auch zu dem Großteil der Texte passt. Der Tempel ist praktisch der menschliche Körper, in dem sich Gefühle wie eben auch Wut und Hass manifestieren. Worauf sich diese Gefühle beziehen ist sicherlich bei jedem verschieden und das darf auch jeder für sich interpretieren, wie er möchte. Einige der Texte beziehen sich auch auf die Kämpfe, welche man immer wieder mit seinen inneren Dämonen ausfechten muss.

Manche sind der Meinung „Anger Temple“ wäre garstiger und rabiater als noch die Vorgänger. Habt ihr auch das Gefühl? Wenn ja, warum und war das eure Intention?
Das seh ich eigentlich nicht so. Wir hatten schon immer auf jedem Album sowohl blastige Sachen als auch das doomige Element. Eine gewisse Abwechslung war mir schon immer wichtig. Ich persönlich sehe das Album in guter MY-DARKEST-HATE-Tradition und finde es klingt wie ein perfekter Querschnitt unseres bisherigen Schaffens. Wobei garstig und rabiat natürlich immer gute Attribute sind (lacht).

Euer Cover-Artwork ist interessant gestaltet. Könnte man das Cover als Versinnbildlichung des Albumtitels „Anger Temple“ sehen?
Ja genau – so war es gewollt. Es symbolisiert eine Person, die mit ihren inneren Dämonen kämpft, welche versuchen auszubrechen und sich Raum zu verschaffen. Es geht nicht nur um Wut an sich, sondern auch wie man diese kanalisiert und damit umgeht. Mein Vorschlag wäre viel Death Metal hören und die Rübe bangen!

Personell hat sich seit eurem letzten Album auch einiges getan. Es gab mit Claudio Enzler (Gesang), Jonas Khalil (Gitarre) und Roberto Palacios (Bass) gleich drei Veränderungen. Weshalb waren die Veränderungen nötig und wie seid ihr auf diese drei Musiker gekommen?
Es gab verschiedene Gründe für die Wechsel. Alles nicht dramatisch, Oliver Schort, unser Basser, hatte zum Beispiel kein Bock mehr auf Proben und Konzerte und macht heut gar keine Musik mehr. Neue Leute zu finden ging recht schnell. Nach all den Jahren kennt man ja die Szene, sodass ich immer gleich wusste wer mein Wunschkandidat ist. Zum Glück hatten auch alle Bock drauf, sodass wir nun sicherlich das stärkste Line-Up ever haben!

Woher stammt Euer Bandname und was bedeutet er? Was verbindet ihr mit dem Begriff „Hass“?
Ich habe den Bandnamen damals schon bewusst gewählt und wollte nichts Klischeemäßiges mit Gedärmen oder Krankheiten, sondern einen Name, der meinen damaligen Gefühlen Ausdruck verlieh. Ich war damals ein sehr hasserfüllter junger Mann, was sich auch in vielen Texten widergespiegelt hat. Mir hat die Musik geholfen, einiges zu verarbeiten. Hass auf konkrete Personen, aber auch allgemein Hass auf Ignoranz, Dummheit, etc. Heute sehe ich zum Glück einiges entspannter. Der Name passt aber trotzdem noch sehr gut!

Ihr singt ausschließlich in Englisch, obwohl eure Muttersprache Deutsch ist. Was hat euch zu dieser Entscheidung bewegt?
Die Frage, Deutsch zu singen, hat sich eigentlich nie gestellt, da alle unser Faves auf Englisch singen und das meiner Meinung auch so perfekt zu uns passt. Es gibt ja nur wenige Bands, die auf Deutsch singen und das ist immer eine Gratwanderung. Abrogation machen das richtig gut, aber zu uns würde das nicht passen. Vielleicht kommt aber mal ein deutscher Songtitel mit ’nem Refrain in Deutsch. Das könnte ich mir vorstellen.

Am 4. März seid ihr beim Total-Death-Festival in Nersingen live zu hören. Werdet ihr das neue Album vorstellen oder auch ältere Songs spielen?
Wir spielen vier bis fünf neue Songs und ansonsten ein Best-Of der alten Scheiben.

Ich würde das Interview gerne mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden: Ich nenne dir ein paar Begriffe, und du sagst einfach, was dir dazu als erstes einfällt:
Death Metal: Geile Musikrichtung!
Dein tiefster Hass: Lügen und Dummheit.
Bundestagswahl: Ist dieses Jahr. Ich erwarte das üblich hohle Politikergeschwätz.
Baden-Württemberg: Ein schönes Bundesland in dem wir gerne wohnen.
New Metal: Was soll das heutzutage sein? Diesen klassischen Limp-Bizkit-New-Metal gibt’s ja so nicht mehr. War aber auch noch nie mein Ding.

Ich danke dir für das Interview! Ich wünsch dir noch einen schönen Tag und weiterhin viel Erfolg!
Danke! Ebenso.