Interview mit Steffen Kummerer von Obscura

Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 1 der Serie unterhalten wir uns mit Steffen Kummerer von OBSCURA und THULCANDRA.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Das war im Jahr 2002.

Was hat dich damals dazu gebracht, Gitarre lernen zu wollen?
Mit einem Piano ließe sich Death Metal eher schlecht umsetzen!

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt beziehungsweise erlernen müssen?
Mit neun Jahren durfte ich Klavier lernen und erhielt wenig später eine Art Stipendium, um in einem Internat für musikalisch begabte Kinder unterrichtet zu werden. Gerade die Gehörbildung in jungen Jahren war neben Gesangs- und Instrumentalunterricht das größte Geschenk. Durch diese Vorbildung fiel es mir vergleichsweise leicht, ein neues Instrument zu erlernen.

© Chris Rogl

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Meine erste Gitarre war eine Jackson JDX 94.

Wie viele Gitarren besitzt du heute?
Neben einer ESP/LTD-Akustikgitarre besitze ich zwei Sechssaiter- und vier Siebensaiter-Modelle von ESP sowie drei RAN-Custom-Shop-Gitarren.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für unterschiedliche Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Seit 18 beziehungsweise 17 Jahren spiele ich bei den Bands OBSCURA und THULCANDRA. Während ich für OBSCURA ausschließlich Siebensaiter verwende, bleiben THULCANDRA im Bereich der Sechssaiter. Für Studio und Liveshows variiere ich je nach Bedarf und Soundvorstellung. Auch Saitenstärken werden je nach Aufnahmen im Bereich Rhythmus- oder Leadgitarren unterschiedlich eingesetzt. Für Rhythmusgitarren verwende ich dickere Saiten, für Leads und Soli schlankere Modelle.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
In erster Linie muss ein Instrument meiner Spielweise und meinen Soundvorstellungen entsprechen. Die Palette von Clean- und Highgain- bis Crunch-Sounds muss souverän abgedeckt werden, die Gitarre muss ausbalanciert sein, wenig wiegen und 24 Bünde haben. Der perfekte Sound und das perfekte Instrument müssen erst gefunden werden, daher modifiziere und überarbeite ich meine Instrumente relativ oft.

© Chris Rogl

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Derzeit arbeite ich mit einer ESP Arrow-7 mit Floyd Rose und bin damit live und während Aufnahmen zufrieden. Für mich sind Instrumente in erster Linie Arbeitsgeräte, die sehr gründlich gepflegt werden müssen. Meine Instrumente haben auch nach hunderten von Konzerten und Flügen um die ganze Welt kaum Kratzer oder grobe Nutzungsspuren. Ich sammle keine Gitarren und arbeite mit meinen Instrumenten langfristig, daher zähle ich alle Gitarren zu meinen Lieblingsinstrumenten.

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Für Liveshows spiele ich zwei ESP-7-String-Modelle aus dem Japan-Custom-Shop mit ausgesuchten Hölzern und EMG-Pickups. Gemeinsam mit ESP arbeite ich an einem neuen Modell mit spezieller Form und teste derzeit den Prototyp. Details dazu möchte ich noch nicht nennen.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Nein, ich habe meine eigenen Soundvorstellungen und möchte den Sound eines anderen nicht übernehmen. Bei Gelegenheiten wie der Musikmesse in Frankfurt oder der NAMM-Show in Los Angeles spiele ich aber auch gerne neue Gitarren an.

Welche Plektren spielst du und warum genau diese?
Seit zwei Jahren spiele ich ausschließlich „Prodigy“-Plektren von Ernie Ball mit 1,5 mm Dicke. Die Kombination aus spitzem Winkel und starrem Material entspricht meinem Stil.

© Steffen Kummerer

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Seit 2009 arbeite ich mit der Firma ENGL Amplification und bin mehr als zufrieden. Die Amps und Cabinets definieren meinen Sound und den der Bands massiv. Derzeit spiele ich eine Kombination aus E670-Special-Edition-Vorstufe, E840/50-Endstufe und modifizierten 4×12“-Cabinets mit Celestion-Speakern.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffekt-Board oder eine Kombination?
Mit einem Multieffekt-G-Major2 der Firma TC Electronic arbeite ich seit vielen Jahren und bin mit den Sounds sehr zufrieden. Das 19“-Modul lässt sich leicht in ein Rack montieren und keine Wünsche offen.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Ich nutze für meinen Rhythmussound das pure Amp-Signal ohne Effekte. Als Lead-, Solo- oder Clean-Sounds besitzt jeder Song und teilweise sogar jeder Part einer Komposition seinen eigenen Effekt mit beispielsweise auf die Geschwindigkeit angepassten Delays oder verschiedenen Reverb- oder Harmonie-Effekten.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Da wähle ich das G-Major2 von TC Electronic.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt als eigentlich vorgesehen oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Nein, die Effekte wurden nicht modifiziert.

Benutzt du ein Noisegate – warum (nicht)?
Noisegates sind für meinen Sound essenziell und gerade bei Highgain-Sounds unabdingbar, um Rückkopplungen zu vermeiden. Auch bei Einstreuungen in den Signalwegen finden sich durch Noisegates selbst bei schwierigen Bedingungen in Livesituationen schnell Lösungen.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Mein Effektboard besteht aus einer 19“-Einheit und wird je nach Live-Repertoire angepasst und mit neuen Sounds versehen.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Das Equipment definiert euren Sound und damit eure musikalische Persönlichkeit durchaus. Daher empfehle ich grundsätzlich lieber originelle Kombinationen von Amps, Cabinets und Effekten, als vorgefertigte, austauschbare Impulsantworten zu verwenden.


In Teil 2 der Serie kommt Victor Brandt (FIRESPAWN, DIMMU BORGIR live, ex-ENTOMBED) zu Wort!


Alle Teile der Serie findest du hier: