Interview mit The Cuckoo von Terra Tenebrosa

TERRA TENEBROSA aus Schweden gehören zu den wohl vielversprechendsten Bands, die man in den düsteren Ecken des Metal derzeit finden kann. Im Anschluss an ihre erste Europa-Tour sprachen wir mit Fronter The Cuckoo über die Vorzüge von Vinyl-Veröffentlichungen, die Nachteile von Latex-Masken und darüber, wie es mit TERRA TENEBROSA nach V.I.T.R.O.L. – Purging The Tunnels“ weiter gehen wird.

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Eure erste Europatour ist gerade zu Ende gegangen – dein Fazit?
Es war zu kurz: Wir haben Blut geleckt, und ich hoffe, es dauert nicht all zu lang, bis wir wieder auf Tour gehen können. Die meisten unserer Shows hatten wir in Deutschland, insofern hoffen wir, dass wir das nächste Mal auch in den Süden Europas kommen. Wir hatten eine wirklich gute Zeit, wenn man bedenkt, dass wir mit The Old Wind unterwegs waren, die wie TERRA TENEBROSA aus Breach hervorgegangen sind. Vielleicht war diese Tour jetzt die erste, auf der wir das Beisammensein genießen konnten, nachdem in den Breach-Zeiten wirklich zu viel Alkohol und andere Substanzen im Spiel waren.

terra-tenebrosa-©-Theresia-ParsbySeid ihr zufrieden damit, wie die Tour als solche gelaufen ist?
Absolut. Aber wie gesagt, sie war einfach zu kurz und wir würden gern auch außerhalb von Deutschland spielen. Wir hatten bei einigen Shows technische Probleme, das ist natürlich immer ein Dämpfer – vor allem, wenn so etwas auf dem Roadburn Festival passiert – dort verzögerte sich unsere Show am Ende um fast 30 Minuten. Die Show war aber trotzdem das Highlight der Tour.

Hast du eine witzige Anekdote von der Tour zu berichten?
Nicht wirklich, nein. Wir sind eine ziemlich langweilige Band: Ich trinke gar nicht, die anderen nur sehr moderat. Wir waren viel unterwegs, haben gespielt und sind schlafen gegangen.

Mit den bereits erwähnten The Old Wind habt ihr zuletzt auch eine Split veröffentlicht. Findest du, dass eure Musik so gut zusammenpasst, oder basiert diese intensive Zusammenarbeit doch eher auf euerer gemeinsamen Zeit bei Breach?
Das hat eher damit zu tun, dass wir alte Freunde sind und für die Tour auch etwas exklusives anbieten wollten. Das einzige, was wir mit ihnen gemeinsam haben, ist die gemeinsame Zeit bei Breach.

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Die Split ist, wie auch eure neue EP nur auf Vinyl erhältlich. Warum das?
Ich ziehe Vinyl jedem anderen Medium vor. Mit CDs habe ich mich nie angefreundeet, die sind einfach zu klein und künstlich, und diese moderne Marotte, Musik digital zu konsumieren, werde ich nie verstehen. Ich will das Gesamtpacket, das du bei einer Schallplatte bekommst: Das Artwork entfaltet bei der Größe des Covers eine ganz andere Wirkung und das Vinyl klingt auch besser.
Natürlich ist es praktisch, neue Musik über Spotify und dergleichen zu entdecken – aber immer, wenn ich etwas höre, das mir gefällt, versuche ich, es wenn irgend möglich auf Vinyl zu bekommen. Der Nachteil von Spotify ist, dass man viel leichter etwas verpasst, wenn man nur ein paar Songs anhört, während man einem Album, für das man in den Laden gehen musste, um es zu kaufen, eigentlich immer mehrere Durchläufe gegeben hat, bevor man es für schlecht befunden hat.

Verkaufen sich LPs denn auch besser, oder warum habt ihr nicht auch CDs gepresst?
Ich weiß nicht, ob sich Vinyl besser verkauft, da habe ich keine Einblicke. Der Grund, warum es nur auf Vinyl erschienen ist, ist einfach, dass das Label, über das die Split erschienen ist, generell nur auf Vinyl veröffentlicht. Aber vielleicht wird es irgendwann auch noch eine CD-Version geben. Aber wenn du dich zwischen beidem entscheiden kannst, würde ich dir definitiv die Platte und nicht die CD empfehlen.

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Wichtiger Teil eurer Live-Performance sind eure Bühnen-Outfits. Gab es schon Momente, in denen du den Tag verflucht hast, als du die Idee hattest, mit Masken aufzutreten?
Soweit sind wir noch nicht, aber der Tag mag kommen. Die Masken stinken. Und Latex riecht ja generell schon nicht besonders gut. Wenn ich die Maske an habe, kann ich meinen Mund nicht richtig schließen – mir läuft also die ganze Zeit Spechel das Kinn herunter. Aber wenn ich die Maske überstülpe und mir dieser Geruch in die Nase steigt, bringt mich das in die richtige Stimmung für die Show. Das einzige, was mich wirklich nervt, ist das Makeup, das ich um die Nase und den Mund herum tragen muss: Wenn man in der Maske schwitzt, verteilt sich das im ganzen Gesicht und es braucht ziemlich lange, das wieder runterzubekommen. Ansonsten ist das mit dem Verkleiden eigentlich kein Problem.

Mit eurer EP hat ein dreiteiliger Zyklus sein Ende gefunden. Wie wird es weitergehen, was darf man sich von TERRA TENEBROSA in nächster Zeit erwarten?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das selbst schon weiß. „Tunnels“ und „Purging“ sind damals quasi in einer einzigen Session entstanden. Viele der Tracks auf „Purging“ waren aufgenommen, bevor wir entschieden haben, welche Stücke auf „Tunnels“ erscheinen werden – die Songs sind sich deshalb hinsichtlich der Art und Weise, wie wir sie angegangen sind, recht ähnlich. Ich habe bereits drei Songs für ein neues Album aufgenommen und sie klingen viel aggressiver, mit weniger Fokus auf Atmosphäre. Aber ich weiß auch nicht so recht. Vielleicht geht das Ganze morgen schon in eine ganz andere Richtung. Ich hab keinen konkreten Plan.

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Wird es auch neue Masken geben?
Auch das weiß ich noch nicht. Der Grund für die leichte Veränderung meiner Maske zwischen „Tunnels“ und „Purging war, dass wir ursprünglich nicht vor hatten, live zu spielen. Die Maske, die auf dem Cover zu sehen ist, war deshalb nur aus Pappmaché. Als wir uns dazu entschlossen haben, live zu spielen, brauchte ich etwas, das ich auch auf der Bühne tragen konnte. Eine Freundin von mir, die beim Theater und Film arbeitet, hat mir die neue Maske aus Latex angefertigt; damit das funktionieren konnte, musste sie eben ein paar Änderungen am Design vornehmen. Mit den Masken der anderen war ich nie wirklich zufrieden – die habe ich dann einfach gebaut, damit wir auf der Bühne einheitlich aussehen. Für das Cover von „Purging“ wollte ich, dass sie wie Gnome aussehen, aber in diesen Überwürfen war es unmöglich, live zu spielen. Deshalb sehen sie auf der Bühne jetzt anders aus. Was mir wichtiger wäre als eine neue Maske wäre ein neuer Umhang, weil es unter dem, den ich derzeit trage, wirklich warm wird. Und man kann ihn nicht waschen – du kannst dir also vorstellen, wie der stinkt.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Roadburn: Gras
Deutschland: Robin Staps
Breach: Todeskult
mp3:
Webzines: Interviews
Zlatan: Große Nase

Vielen Dank für das Interview!