Interview mit Kevin Wienerl von Thorondir

Die Oberpfälzer Pagan Metaller von THRONODIR haben mit „Wächter des Waldes“ ihr bisher bestes Album vorgelegt. Mit Sänger Kevin Wienerl sprechen wir über die musikalische Weiterentwicklung der Band, vor allem aber über die Themen des Albums: Mythen, Sagen und die Natur. Und auch, was der „Wächter des Waldes“ sein und bedeuten kann.

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Thorondir - Wächter des Waldes CoverartworkServus Kevin! Euer neues Album „Wächter des Waldes“ ist kürzlich erschienen. Wie zufrieden seid ihr mit dem Release und den Reaktionen darauf?
Servus Stefan! Sehr sogar. Mit überwiegend so guten Reaktionen hätten wir ehrlich gesagt selbst nicht gerechnet. Es ist schön zu sehen, dass sich die lange Arbeit und das ganze Herzblut, das wir da reingesteckt haben, auszahlen. Viele schreiben uns, dass das Album sehr stimmig und atmosphärisch geworden ist – das freut uns natürlich riesig.

2024 habt ihr zum 15-jährigen Jubiläum euer Debütalbum „Düsterwald“ neu aufgelegt. Dadurch habt ihr euch sicher nochmal intensiver mit euren Frühwerken beschäftigt. Welchen Einfluss hatte diese Rückschau auf die Entstehung von „Wächter des Waldes“?
Ja, auf jeden Fall. Durch die Neuauflage von „Düsterwald“ haben wir unser eigenes Studio aufgebaut und konnten endlich völlig unabhängig arbeiten. Dadurch haben wir unseren eigenen Sound gefunden und viel experimentiert. Die neu vertonten Songs haben auf jeden Fall einen großen Anteil daran, wie „Wächter des Waldes“ letztendlich geworden ist. Man kann sagen: Die Neuaufnahmen zu „Düsterwald“ haben uns den Weg geebnet, um „Wächter des Waldes“ zu erschaffen.

Das bis dato letzte Studioalbum „Des Wandrers Mär“ liegt nun auch schon wieder sechs Jahre zurück. Was hat sich bei euch in der Band seitdem getan, wie habt ihr euch als Musiker und Menschen verändert?
Familie und Beruf sind natürlich Themen, die bei uns allen eine Rolle spielen. Das Leben ist weitergegangen, und das merkt man auch an der Musik. Wir sind vielleicht etwas ruhiger, aber auch fokussierter geworden. Diesmal konnten wir den Blick wirklich auf ein zentrales Thema lenken – die Sagen und Legenden unserer Heimat. Das hat uns als Band nochmal näher zusammengebracht.

Thorondir Des Wanderers Mär Coverartwork„Wächter des Waldes“ wirkt auf mich fokussierter und düsterer als „Des Wandrers Mär“. Wie würdest du das neue Album und die Unterschiede selbst einordnen?
Das war uns auch wichtig. „Wächter des Waldes“ war kein Schnellschuss – wir haben uns viel Zeit gelassen und konnten im eigenen Studio so lange an Ideen feilen, bis wirklich jeder mit dem Ergebnis zufrieden war. Dadurch ist das Album kompakter und atmosphärisch dichter geworden. Vielleicht auch etwas düsterer, weil wir diesmal bewusst tiefer in die mystischen und bedrohlichen Aspekte unserer Sagen eingetaucht sind.

Bei „Zur alten Taverne“ geht es um Einkehr, Freundschaft und gemeinsames Trinken. Wie entstand der Song und habt ihr mit dem Gedanken gespielt, hier ein partytaugliches Lied à la KORPIKLAANI zu schreiben?
Naja, es entstehen bei uns zuerst die Melodien – erst danach kommt der Text. Und als wir die Melodie gehört haben, wussten wir, dass sie etwas Geselliges, etwas Verbindendes hat. Es geht um Einkehr, um Freundschaft, aber auch um das Aufeinandertreffen fast aller Sagengestalten, die im Album vorkommen. Ein Song, den man vielleicht mitgrölen kann, ja – aber sicher kein klassischer Party-Humppa-Song. Wir wollten Stimmung, aber keine Trinkparodie.

Gibt es einen speziellen Song des Albums, der dir aufgrund des Inhalts oder der Entstehung persönlich besonders am Herzen liegt?
„Baldurs Ruf“ ist für mich ein ganz wichtiger Song. Der Text und die Melodie spiegeln zum Teil meine damaligen Gedanken wider. Es ist ein Stück, das emotional tief geht, fast schon melancholisch und das Album perfekt ausklingen lässt. Aber auch „Drudenfluch“ ist einer meiner Favoriten – der Song ist bedrohlich, mystisch und hat viele Momente, bei denen man einfach mitgehen und headbangen muss. Diese Mischung aus Dunkelheit und Energie gefällt mir sehr.

Wenn ihr einen Song einer Pagan-Metal-Band covern würdet, welcher wäre das und warum?
Ich denke, am ehesten würde da etwas von FALKENBACH passen. Den Stil mögen wir alle sehr – diese Mischung aus Mystik, Melodie und epischem Feeling. FALKENBACH haben es immer geschafft, Atmosphäre aufzubauen, ohne zu überladen zu klingen. Das ist etwas, was uns auch sehr wichtig ist.

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Wie seht ihr selbst die Pagan-Metal-Szene aktuell? Seht ihr euch als ein Teil davon?
Klar, wir fühlen uns schon als Teil der Szene, aber wir stecken uns ungern in eine Schublade. Pagan Metal ist in den letzten Jahren vielfältiger geworden, was wir gut finden. Es gibt viele junge Bands mit frischen Ideen, aber auch die alten Hasen, die weiterhin großartige Musik machen. Wichtig ist, dass es authentisch bleibt – und das versuchen wir auch. Wir machen keine Musik nach Trend oder Szene-Vorgabe, sondern nach Gefühl.

Das wundervolle Coverartwork von Jan Yrlund sticht direkt ins Auge. Inwiefern spiegelt das Artwork den thematischen Inhalt des Albums wider?
Jan hat wieder hervorragende Arbeit geleistet – wie schon bei „Des Wandrers Mär“ und auch bei der Neuveröffentlichung von „Düsterwald“ sowie der Neuauflage von „Aus jenen Tagen“, welches via Trollzorn oder auf unseren Konzerten erhältlich ist. Das Cover zeigt den Eingang in einen schattigen Wald, im Vordergrund einen alten, fast menschlich wirkenden Baum – den eigentlichen „Wächter“. Der Wald ist hier nicht Kulisse, sondern eine Art lebendige Figur, ein Beschützer und Zeuge.
Das Artwork führt einen quasi direkt in die Welt des Albums – hinein in die Grenze zwischen Natur und Mythos. Es ist also kein bloßes Bild, sondern Teil des Gesamtkonzepts.

Thorondir Bandfoto 2025

Woher kommt die Begeisterung für regionale Mythen? Haben dich diese schon von Kindesbeinen an begleitet?
Ja, absolut. Uns alle faszinieren die Sagen und Legenden unserer Heimat schon immer. Sie sind mystisch – und vielleicht steckt ja auch ein Fünkchen Wahrheit darin. In der Schule haben wir tatsächlich viele dieser Geschichten behandelt, und sie sind hängen geblieben. Heute schöpfen wir daraus immer wieder Inspiration. Das Schöne ist: Diese Mythen sind Teil unserer Identität – sie sind nicht weit weg, sondern direkt vor unserer Haustür.

Von Druden über Perchta bis Baldur behandelt ihr diverse Mythen und Sagen unterschiedlicher Herkunft. Wie wählt ihr die Themen eurer Alben aus und gibt es eine Mythologie, die euch besonders begeistert?
Meistens hören wir uns die fertigen Melodien an und überlegen dann, was für ein Thema dazu passen könnte – ist sie eher düster, heroisch, traurig oder bedrohlich? Dann durchstöbern wir auch mal alte Heimatbücher oder überlegen, welche Sage dieses Gefühl widerspiegelt. Es gibt so viele spannende Mythen, dass es schwerfällt, sich auf eine festzulegen. Aber die Verbindung zur nordischen oder germanischen Mythologie fasziniert uns alle besonders – da steckt viel Symbolik und Geschichte drin.

Neben Mythen und Sagen ist auch die Natur ein wichtiger Schwerpunkt bei euch. Auch da ich selbst aus der Oberpfalz komme, interessiert es mich: Was findest du an der regionalen Natur und Landschaft so besonders und schön?
Unsere Natur gleicht in manchen Momenten wirklich der Skandinaviens. Es gibt unheimlich viele Facetten – ruhige Seen, tiefe Wälder, Felsenlandschaften. Diese Wälder oder Orte haben etwas Beruhigendes, aber gleichzeitig auch etwas Mystisches, manchmal sogar leicht Beängstigendes. Und trotzdem fühlt es sich vertraut an. Man merkt einfach, dass hier viele alte Geschichten verwurzelt sind. Diese Atmosphäre prägt unsere Musik stark.

Beim Titel „Wächter des Waldes“ kommen mir fernab von Mythen und Sagen Umweltschützer in den Sinn. Wie sehr beschäftigt dich das Thema der fortschreitenden Ausnutzung und des Raubbaus an der Natur?
Das ist auf jeden Fall ein Aspekt. Auch wenn wir keine Umwelt-Aktivisten-Band sind, ist uns bewusst, dass Natur keine unendliche Ressource ist. Besonders Wälder, alte Landschaften und Biotope stehen unter Druck.
Für mich bedeutet der Titel „Wächter des Waldes“ auch, jemand zu sein, der Respekt hat, der schützt und erinnert – an das, was war, was ist und was verloren gehen könnte. Themen wie Raubbau bewegen mich sehr. Wir verpacken das nicht mit erhobenem Zeigefinger, aber es schwingt im Symbolischen mit. Wenn jemand nach dem Hören unserer Musik im Wald steht und denkt: „Das hier ist etwas Kostbares“ – dann haben wir schon viel erreicht.

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Zum Abschluss möchte ich mit dir noch unser Metal1-Brainstorming machen. Was fällt dir zu folgenden Punkten ein:
Zoigl: Ein Stück Heimat! Gehört einfach dazu – gemütlich, ehrlich, bodenständig und lecker.
Wandern: Inspiration pur. Beim Wandern kommen einem oft die besten Ideen.
Veganismus: Sollte jeder selbst für sich entscheiden – aber niemandem aufgezwungen werden.
Vinyl, CD oder Spotify?: Streamingdienste sind schon großartig, keine Frage – wir nutzen sie alle. Aber die Bands und Labels sollten auch was davon haben. Für mich persönlich ist eine CD immer noch was Besonderes. Es ist einfach ein tolles Gefühl, das eigene Werk in den Händen zu halten.
Neue Wehrpflicht: Wir distanzieren uns da klar. Musik ist für uns kein Ort für Politik.
THORONDIR in 10 Jahren: Hoffentlich gesund, kreativ und weiterhin gemeinsam in selbiger Besetzung unterwegs. Vielleicht mit ein paar neuen Alben im Gepäck – und noch mehr Leuten, die unsere Musik fühlen.

Vielen Dank für deine Zeit! Die letzten Worte gehören dir.
Danke fürs Interesse und die guten Fragen! Möge „Wächter des Waldes“ viele neue Hörer erreichen – und vielleicht sieht man sich ja bald bei einem unserer Konzerte. Prost und bis bald im Wald!

Stefan Popp

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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