Interview mit Christian, Florian und Jan von Valborg

Das Musikergespann, das hinter dem Eigenverlag “Zeitgeister Music” steckt, ist wohl das derzeit produktivste der deutschen Extreme Metal-Szene: Schlag auf Schlag erscheinen hier Alben, die mit zum Besten gehören, was diese Szene derzeit zu bieten hat. Zum Release von „Barbarian“, dem vierten Album der Doom-Rock-Deather VALBORG, haben wir deshalb die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mit dem Trio endlich das längst überfällige Interview geführt.

Sers! Zunächsteinmal vielen Dank, dass du ihr euch die Zeit für dieses Interview nehmt. Wie geht es euch?
Jan: Vielen Dank für Dein Interesse, Moritz! Danke, uns geht es allen recht gut. Ich habe mir etwas eingefangen, der Hals tut weh. Trinke den ganzen Tag schon Tee. Wird schon wieder!

Ihr seid gerade von eurer VALBORG-Tour zurück, und keine zwei Tage später tut ihr bei Facebook kund: „Guitar recordings for the new album today!!“. Diagnose „Workoholic“?
Christian: Klabautamann nehmen gerade ihr neues Album auf. Bei uns gibt es immer was zu tun. Der Punkt ist einfach, dass es keine Arbeit ist, sondern Spaß.
Florian: Genau. Man muss die Feste feiern wie sie fallen: Ich habe, da ich an einer Einrichtung arbeite, die einer Schule angegliedert ist, zwei Wochen Osterferien. Zwei Wochen, in denen ich endlich mal wieder solche Dinge tun kann, die mir Spaß machen – auf Tour gehen und danach ins Studio. Jetzt bin ich aber auch platt…

Nein, aber im Ernst: Ihr nehmt gefühlt ohne Unterlass Alben auf, jetzt ward ihr auch noch auf Tour – macht ihr „nebenher“ eigentlich noch was anderes, spießiges wie „Familienleben“ oder gar „Berufsleben“? Oder anders gefragt: Wie bekommt man einen bürgerlichen Beruf mit diesen vermutlich doch enorm zeitaufwändigen Tätigkeiten unter einen Hut?
Christian: Wir gehen alle Arbeiten. Irgendwo muss das Geld ja herkommen, dass wir in unserer Musik stecken. Es klappt alles gut. Ich für meinen Teil habe schon Anfang 20 damit angefangen mein berufliches Leben auf die Musik auszurichten. Anders geht es nicht. Arbeit ist fürs Geld verdienen dar. Meine wahre Berufung ist die Musik.

Bleiben wir noch einen Moment bei der Tour – eurer ersten ausführlicheren, wenn ich nicht irre. Was für Erfahrungen habt ihr gemacht, was waren die prägendsten Erlebnisse und was habt ihr euch vorgenommen, nächstes Mal anders zu machen?
Christian: Beim nächsten Mal vielleicht nicht mehr mit einem Privatauto unterwegs sein. Die Tour war göttlich. Wir haben zwar nichts verdient, aber dass was wir mit Danishmendt erlebt haben, kann man eh nicht bezahlen. Wir hatten wirklich Schwein da auf einmal auf Seelenverwandte zu stoßen. Letztendlich war es eine der besten Zeiten in unserem Leben. Am Ende der Tour sind fast Tränen geFlorianssen. Man hat sich nicht mehr so allein gefühlt mit seinem Weltschmerz und der ganzen Sache, die eh niemand versteht. Nach außen hin ist doch immer alles oberflächlich, aber nicht mit Danishmendt.
Florian: Für mich war ein sehr schöner Moment, als wir vor der Show in Frankreich alle gemeinsam – Bands und Veranstalter – am Tisch gesessen und gegessen haben. Leckere Salate, frisches Baguette, Käse aus der Region, Rotwein, und dann in Gesellschaft von gleichgesinnten Idealisten. Das hätte mir an dem Abend schon gereicht, und dann gab es auch noch ein Konzert! Der day-off in Brüssel war auch großartig. Wenn man mit den richtigen Leuten unterwegs ist, dann ist alles cool!

Wie eben schon angesprochen hattet ihr die Noise/Electronic Extreme Metaller Danishmendt dabei – wie seid ihr auf die Franzosen gekommen, und warum habt ihr ausgerechnet sie als Tour-Partner ausgewählt? Die Kombination aus ihrem Stil mit eurem Doom-Rock-Death Metal liegt ja nicht unbedingt auf der Hand…
Christian: Guillaume (Gitarrist bei Danishmendt) hat uns auf dem Roadburn Festival 2010 gesehen. Darauf hin hat er mich angeschrieben. Mir war ziemlich schnell klar, dass ich es mit jemanden zu tun habe, der sein Wort hält, keine Scheiße labert und einfach professionell ist. Da war von Anfang an ein gutes Gefühl und jetzt wo wir uns persönlich kennen, wurde dies nur noch mehr bestätigt.

Wie gut hat diese Kombination eurer Meinung nach funktioniert, und wie sind die Fanreaktionen ausgefallen?
Christian: Sehr gut. Musikalisch und menschlich passt es perfekt. Wir haben den gleichen Musikgeschmack, denken das Gleiche über die aktuelle Musikszene. Ich denke, den Fans hat es gefallen. Die Resonanz von außerhalb war bisher sehr gut. Viele sagten uns, dass es ein perfektes Package wäre.

Überraschend an eurem Auftritt in München fand ich die Setlist: Bei einer guten Dreiviertelstunde Spielzeit habt ihr nur drei bekannte Songs gespielt, der Rest war so neu, dass er noch auf keinem Album zu finden ist – und das bei der Tour zu einem noch nichtmal offiziell veröffentlichten Album.
Welchem Konzept folgt ein derartiges Vorgehen?Wäre es nicht logischer, live das neue Album zu promoten?

Jan: Könnte sein, dass das logischer gewesen wäre. Vielleicht ist es aber auch egal. Vielleicht kommt es mehr darauf an, dass wir ein bestimmtes Gefühl mit unserer Musik vermitteln, das gar nicht an bestimmte Songs gebunden ist. Das Set in München war voll mit neuen Stücken, die wir bald aufnehmen werden. Es lag für uns auf der Hand, diesen Stoff jetzt auch live zu spielen, weil er uns total kickt. Bei der Auswahl der Stücke fängt bei uns ganz klar die künstlerische Freiheit an. Da machen wir einfach, was uns gerade passt.

VALBORG waren jetzt auf Tour – darf man sich Hoffnungen auf Live-Aktivitäten vom KLABAUTAMANN oder gar ISLAND oder WOBOURN HOUSE machen?
Christian: Erstmal nicht. Vielleicht Klauabautamann im Jahr 2013. Tim geht im Sommer erstmal für ein Jahr nach Neuseeland. Derweilen werden wir drei uns weiterhin auf VALBORG konzentrieren. Florian und ich werden nebenbei die neue Woburn House abmischen, sowie das neue Island Album aufnehmen. Für die Island-Scheibe haben wir mittlerweile auch ein komplettes Lineup. Mal schauen wie es nach den Aufnahmen aussieht. Vielleicht spielen wir dann mal ein paar ausgewählte Konzerte. Aber an dieser Stelle muss ich sagen, dass für sowas die Zeit dann wirklich knapp wird. Das Material müsste intensiv geprobt werden. Wir können nichts versprechen.

Ok, kommen wir zum aktuellen Anlass dieses Interviews, eurem neuen Album, „Barbarian“. Habt ihr bei so vielen Ideen, Projekten und Aufnahme-Terminen überhaupt die Zeit und Lust, euch mal in Ruhe hinzusetzen, das eigene Album anzuhören und zu genießen, dass wieder ein Kapitel abgeschlossen ist?
Christian: Durch die Proben ist man schon etwas übersättigt. Ich denke es wird etwas Zeit brauchen. Die gleiche Erfahrung konnten wir bei „Glorification Of Pain“ und „Clown Of Sorrow“ machen. Für uns als Musiker mussten die Platten erstmal 1-2 Jahre rumliegen, bevor man sie wieder richtig genießen kann. Im besten Fall liegen die Platten 5 Jahre rum, dann bekommt man wieder die richtigen Gefühle.

Seid ihr persönlich mit dem Album denn zu einhundert Prozent zufrieden? Oder gibt es, nach der ersten Euphorie, das Album in Händen zu halten, schon Dinge, die ihr, wenn ihr könntet, jetzt anders machen würdet?
Jan: Die Frage nach hundertprozentiger Zufriedenheit stellt sich bei uns niemand. Es kommt vielmehr darauf an, dass wir es gemacht haben und uns dabei treu geblieben sind.
Florian: Man immer etwas besser oder anders machen, das ist das normalste von der Welt. Wäre ja auch langweilig sonst! Wer im Nachhinein Depressionen kriegt, weil das Release doch nur zu 95% gelungen ist, sollte besser keine CDs aufnehmen.

Das Album bildet den Abschluss einer Trilogie, die ihr mit „Glorification Of Pain“ und „Crown Of Sorrow“ begonnen habt. Was haben die drei Alben gemeinsam, und was unterscheidet sie eurer Meinung nach?
Jan: Für mich als Bassist ist „GOP“ die Platte, auf der ich zusammen mit Patrick Schroeder (Drums) gespielt habe. Das macht für mich viel am Feeling der Platte aus. „GOP“ ist düster und laid back. „COS“ war die erste Platte mit Florian an den Drums. Für mich geht die Platte sehr nach vorne. Auf „Barbarian“ sind wir irgendwo zwischen den beiden ersten Platten. Aber auch wieder ganz woanders.

Einer Trilogie liegt ja logischerweise ein Zusammenhang zwischen den Alben zu Grunde, der über die Gemeinsamkeit, dass alle Alben von der gleichen Band sind, hinausgeht. Was ist das Grundkonzept hinter dieser Trilogie, und ist es eher musikalisch oder textlich/konzeptionell begründet?
Jan: Wir meinen, dass diese drei Alben einfach gut zusammen passen. Über sowas zu reden ist schwierig, weil es absolute Gefühlssache ist. Es war einfach klar, dass es so sein soll. Viel entwickelt sich aus Träumereien und Gesprächen. Wir lassen uns treiben.

Könntet ihr den konzeptionellen Hintergrund unter der Berücksichtigung der Albumtitel und Coverartworks etwas näher erleutern?
Christian: Eine Geschichte die rückwärts geschrieben wurde ohne dass es uns eigentlich Bewusst war. Barbarian ist vielleicht der Anfang der Trilogie. Ich für meinen Teil habe mir das Ganze so zurechtgesponnen. Barbar kämpft seine letzte Schlacht auf Pilzen, kann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden. Sieht den großen „Vortex“. Springt hinein. Landet im Jahr 1986. Sieht Samantha. Samantha wollte immer Tänzerin werden, wurde aber Nutte. Barbarian verliebt sich. Sie können nur leben und ihre Liebe aufrecht erhalten, wenn sie beide sterben. Samantha stirbt, Barbarian nicht. Bad magic. Trägt nun die Clown of Sorrow. Sitzt verbittert am Nordpol. Erinnerungen an die Reise durch die Zeit und den Kosmos. Glorification of Pain. Das ist was Valborg ausmachen. Was wir auf der Tour mit Danishmendt teilen konnten.

Ok, das klingt in der Tat ziemlich funky. In diesem Zusammenhang würde mich vor allem Interessieren, wie ihr zu dem im Metal recht weit verbreiteten, naturverbundenen und paganen Aspekt steht: Titel wie „Barbarian“ oder „Der Ort“ von einer Band namens „Klabautamann“ könnten ja durchaus auf eine dahingehende Ausrichtung hinweisen. Andererseits sind Textzeilen wie „Wandering lonely in the forest / Epic journey – fuck you all“ ja nicht typisch „naturmystisch“, sondern könnten auch einem der punkigen neuen Darkthrone-Alben entstammen… von dem eben erleuterten Textkonzept ganz zu schweigen…
Christian: Valborg waren schon immer eine Muthafucka-Band. Die Naturmystik spielte in den jungen Jahren eine große Rolle, aber je älter wir wurden, desto mehr sind wir daraus entwachsen. Irgendwann erkennt man dann in seiner Resignation, dass die Welt nur ein dreckiger Ort voller Scheiße ist. Alles wird zugeschissen. Natürlich lieben wir die Natur, aber es ist mehr nur noch ein sich Zurücksehnen nach magischen Zeiten.
Jan: Ich bin viel im Wald unterwegs. Das ist sehr wichtig für mich. Heutzutage habe ich aber keine grosse Lust mehr, den Leuten in Form von Songtexten zu erzählen, wie schön es in der Natur ist. Das ist heute Privatsache für mich. Der Text den Du da zitierst, bedeutet für mich das Ausschliessen von Menschen vor dem, was uns heilig ist. Mit neuen Darkthrone kann ich mich übrigens bestens identifizieren!

Wer schreibt bei euch eigentlich die Texte, und wie viel Prozent des Gesamtkunstwerks VALBORG machen sie für euch aus? Ist es für euch wichtig, dass die Leute sich auch mit den Lyrics beschäftigen, oder zählt vorrangig die Musik?
Jan: Die meisten Texte schreibt Kolf (Christian, A.d.Red.) und sie sind bei uns ziemlich wichtig. Es darf aber jeder so handhaben wie er will. Da gibt es die verschiedensten Typen von Hörern. Ich z.B. habe früher viel weniger auf Texte gehört und einfach über die reine Musik entschieden, ob mir eine Band gefällt. Heute ist es so, dass Lyrics, die mich ansprechen, aus einem ganz guten Riff ein totales Killerriff machen können. Und umgekehrt.

Wie sieht es diesbezüglich bei euren anderen Projekten aus, KLABAUTAMANN, EKPYROSIS oder OWL beispielsweise?
Christian: Für mich sind Texte immer wichtig, so fern ich auch was zu sagen habe. Manchmal verstreichen Jahre wo mir nicht wirklich etwas auf dem Herzen liegt oder ich angewidert von mir selbst bin.
Florian: Texte spielen für mich eine absolut untergeordnete Rolle. Ich äussere mich durch die Musik, das reicht mir.

Ich muss sagen, wo mich die Artworks von „Glorification Of Pain“ und „Crown Of Sorrow“ noch wirklich nachhaltig beeindruckt haben, gefällt mir persönlich das zu „Barbarian“ aus mehreren Gründen nicht so gut: Zum Einen ist das Bild selbst schlicht unscharf, man hat das Gefühl, hier wurde ein Ausschnitt übermäßig herausvergrößert (?), zum anderen erscheint mir das Motiv des auf das Nebelmeer herabblickenden Barbaren mit wehendem Umhang weit kitschiger, als es VALBORGs Musik entspricht…
Warum habt ihr euch für dieses Artwork entschieden, und was waren die Kriterien, nach denen ihr ausgewählt habt?

Christian: Hier gibt es keine Kriterien. Wir lassen den Künstler Peter Böhme einfach machen, weil wir eh schon dankbar genug sind, dass er sich die Zeit nimmt. Alle Artworks wurden von ihm von Hand gemalt. Sowas gebührt Dankbarkeit und Respekt. Das ist etwas, was eh viel zu wenige Menschen verstehen. Jeder meint hier und da Kritik äußern zu müssen, selbst bei Arbeit die auffällig aufwendig ist. Auf so eine niedrige Art lassen wir uns nicht herab. Wichtig ist der Respekt, das Persönliche, das Herz.

Sind die VALBORG-Artworks allesamt für die entsprechenden Alben angefertigt, oder habt ihr sie irgendwo „gefunden“?
Christian: Sie wurden nicht gefunden, sondern exklusiv für das jeweilige Album gemalt.

Kommen wir so langsam auch mal zur Musik ;)
Ihr schreibt für all eure Projekte ja exorbitant viel Musik – wie entsteht diese? Immer im Proberaum? Und wenn ja: Probt ihr mit allen euren Projekten regelmäßig?

Christian: Teilweise im Proberaum durch Jams, teilweise zu Hause, teilweise auf Reisen, teilweise allein, teilweise zu zweit. Wir proben nur mit Valborg regelmäßig. Bei den anderen Projekten nur dann, wenn Aufnahmen anstehen.

Bei OWL ist es mir stellenweise aufgefallen, aber auch bei KLABAUTAMANN und ISLAND: So verschieden die Projekte grundsätzlich klingen, tragen sie doch alle irgendwo auch eure Handschrift. Wie entscheidet ihr, welche Idee ihr für welches Projekt verwendet?
Christian: Reine Intuition. Die Verwandtschaft kommt ja ganz automatisch, aber wir finden das nicht schlimm. Es ist wie es ist, wir wollen hier nichts beweisen.

Besonders an den VALBORG-Releases ist ja, dass ihr sie live einspielt, was man den Stücken an ihrer Dynamik auch anmerkt, wie ich finde. Könnt ihr den technik-versierten Lesern vielleicht ein Wenig zu dem dafür verwendeten Equipment verraten?
Jan: Ich kann es gerne versuchen, kann Dir aber nur im Groben sagen, womit wir bisher gearbeitet wurde. Was schon mal nicht eingeschaltet war, ist der Computer. Aufgenommen wurde auf einer 24-Spur Otari Bandmaschine, davor ein analoges Pult. Für die Mikros wurden teilweise alte analoge Vorverstärker aus Rundfunkstudios benutzt, die Oliver Weiskopf irgendwo aufgetrieben hat. Ausser ein paar Kompressoren und einem Hallgerät war da sonst nicht mehr viel im Spiel, glaube ich.

Wie weit geht ihr diesbezüglich? Nehmt ihr alle Instrumente gleichzeitig auf? Der Gesang kommt dann vermutlich aber schon nachträglich dazu, oder?
Jan: Genau so. Wir nehmen als ein Trio auf. Christian doppelt dann meist noch die erste Gitarre oder spielt hier und Leads dazu. Der Gesang kommt dann zum Schluss dazu.

Nehmt ihr die Stücke dann auch in einem Take komplett auf, beziehungsweise fangt von vorne an, wenn euch etwas nicht gefällt, oder schneidet und stückelt ihr, wie das heutzutage eigentlich Gang und Gäbe ist, auch ein wenig?
Jan: Nein, geschnitten oder gestückelt wird nicht. Sowas macht überhaupt keinen Spass. Wir wollen im Studio nicht rumfummeln sondern Metal machen. Wir gehen mit nichts in Studio, was wir nicht spielen können. Das ist einfach der Standart bei uns.

Eure Musik mit VALBORG lässt sich ja am ehesten als rockiger Doom-Death beschreiben – gerade der Rock-Anteil scheint mir von Album zu Album zuzunehmen, bedenkt man beispielsweise den stellenweise fast schon an Powermetal erinnernden Clean-Gesang auf dem neuen Album.
Ist diese Entwicklung einfach so gekommen, gewollt oder gar Teil des Trilogie-Konzeptes?

Jan: Das ist so gekommen. Es hat sicherlich seine Bedeutung, ist aber nicht im Vorraus geplant worden.
Florian: Kann auch alles wieder anders kommen…

Gibt es Bands aus dem Rock-Bereich, die euch diesbezüglich besonders inspiriert haben? Oder allgemeiner: Welche Bands würdet ihr als Einflüsse nennen?
Christian: Godflesh, Steely Dan, Body Count, King Crimson, Camel, Morbid Angel, Celtic Frost, Allan Holdsworth, Darkthrone, Obtained Enslavement, Carpathian Forest, Tony Williams, Absu.

…und was für Musik hört ihr privat so?
Christian: Am liebsten die Scheiben, die ich schon 10-15 Jahre höre. Alles Neue verbraucht sich bei mir so schnell.
Jan: Sepulcral Deathvoice.

Ich meine, gehört zu haben, dass ihr an einer Wiederveröffentlichung eures Albums, „Songs For A Year“ arbeitet – ist diese Information korrekt, und wenn ja: In welcher Form? Nur ein neuer Mix, oder teilweise/ganz neu eingespielt?
Christian: Wir haben die Songs nur remastered und werden die Scheibe irgendwann wieder veröffentlichen. Neu einspielen werden wir die Songs wohl nie. Dafür hängt zu viel Spirit an den Aufnahmen.

Das Album ist ja extrem anders, als alles, was danach kam… viel offensichtlicher progressiv, aggressiver, schneller – wie kam der Sinneswandel hin zum doomigeren Material von „Glorification Of Pain“ und was versprecht ihr euch von einem Rerelease?
Christian: Die Songs wurden fast vor 10 Jahren geschrieben. Wir waren Anfang 20, die Zeit in der man alles extrem dramatisiert. Wir waren upgefucked und ziemlich unter Strom. Statt wie normale Menschen am Wochenende vor die Tür zu gehen und Geschlechtspartner zu finden, haben wir im Proberaum abgehangen und uns die Seele aus dem Leib gebrüllt. Valborg waren nie fake. Wir haben immer versucht alles so emotional und ehrlich wie möglich zu halten, deswegen gibt es bei uns auch kein „gut“ oder „schlecht“, da alles dadurch seine Daseinsberechtigung hat.

Ich nehme an, auch diese CD erscheint dann wieder über euren Eigenverlag „Zeitgeister“, den ihr über die Jahre fast zu einer Art Label etabliert habt.
Warum habt ihr euch zu diesem Schritt entschlossen? Wo seht ihr die Vorteile, und gibt es auch echte Nachteile?

Christian: Weil wir schlechte Erfahrungen mit „kleinen“ Labels gemacht haben. Und was die können, können wir auch. Außerdem bauen wir etwas selbst auf. Niemand kann uns was. Kein Labelmensch kommt an und erzählt uns einen, wie es gemacht wird. Dafür sind wir auch nicht die Typen. Wir scheißen auf die großen Maschinen die einen „pushen“. Lieber alles durch harte und ehrliche Arbeit erreichen. Da weiß man wenigstens was man getan hat.

Habt ihr den Plan, Zeitgeister zu einem „echten“ Label auszubauen, bei dem ihr auch Bands, die nicht zur Bandfamilie gehören, unter Vertrag nehmt, oder soll Zeitgeister ein „Familienunternehmen“ bleiben?
Christian: Wir werden ständig wachsen. Aber Zeitgeister wird ein Familienunternehmen bleiben. Wir haben kein Interesse an Bands, zu denen wir keinen persönlichen Bezug haben. Außerdem haben wir schon genug mit unseren eigenen Projekten zu tun. Ich kann mir nicht vorstellen, diese Motivation für eine fremde Band aufzubringen.

Ok, das wars dann von meiner Seite aus auch „schon“ wieder – Vielen Dank für die Geduld mit meinen doch recht zahlreichen Fragen. An dieser stelle würde ich das Interview gerne mit dem traditionellen Metal1.Brainstorming beenden:
Was fällt euch zu folgenden Begriffen als erstes ein…

Autobahnen: Wahnsinn
Libyen: Frieden
Facebook: Das neue Internet
Atomkraft: 1986 und nicht draußen spielen dürfen
Borussia Dortmund: Gähn
Metal1.info: Peace
Couscous: Burger King

Dann an dieser Stelle nochmal alles Gute von mir für euch privat, sowie alle Zeitgeister-Bands! Wenn ihr noch etwas loswerden wollt, könnt ihr das jetzt noch tun:
Lieber Moritz, danke für das tolle Interview und dein Interesse an uns verrückten Idioten. Unsere Ziele sind folgende: Alle platt machen, alle glücklich machen. Wer mit uns Spaß haben will ist immer wilkommen, wer uns einen erzählen will, obwohl man keine Ahnung hat, wird verschmäht. Checkt www.zeitgeistermusic.com und unterstützt ehrliche Musik oder scheißt drauf und ladet euch alles herunter.