CD-Review: Valborg - Zentrum

Besetzung

Jan Buckard – Gesang, Bass
Christian Kolf – Gitarre, Gesang
Florian Toyka – Schlagzeug

Tracklist

01. Rote Augen
02. Alphakomet
03. Anomalie
04. Nahtod
05. Ultragrab
06. Nonnenstern
07. Kreuzer
08. Schwerter der Zeit
09. Vakuum


Alle zwei bis drei Jahre ein Album zu veröffentlichen ist im Hamsterrad Musikbusiness mittlerweile der Standard. Konsequent durchgezogen, käme man so in zehn Jahren auf drei bis fünf Full-Length-Releases. Dass VALBORG nach eben diesem Zeitraum mit „Zentrum“ bereits ihr siebtes Album vorlegen, obwohl die ambitionierten Death-Doomer freilich nicht in Vollzeit Musiker sind, sagt viel über die Band – und zum Glück wenig über die Qualität ihrer Kunst.

Dass die gebotene Musik in ihrer brachialen Primitivität Geschmackssache ist, steht außer Frage. Bei Prophecy Productions scheint man nach dem Label-Debüt „Endstrand“ jedenfalls auf den Geschmack gekommen zu sein: Zeitgleich zum neuen Album erscheinen Re-Releases aller bisherigen Werke und die Sammelbox „Urknall“. Und auch international wächst die Beachtung für das Trio. Ob auf Tour mit Hemelbestormer oder Pillorian oder auf dem Roadburn – VALBORG sorgen für Aufmerksamkeit.

Kein Wunder: Musikalisch sind VALBORG quasi einzigartig: Album um Album tasten sich VALBORG mit viel Gespür an die Essenz des Primitiven – reduzieren, vereinfachen, schleifen mit Fingerspitzengefühl am perfekten Song. Auch auf „Zentrum“ sind die Bonner in der Folge an Primitivität, aber auch Durchschlagskraft kaum mit irgendetwas zu vergleichen – außer vielleicht mit einem Presslufthammer.

Und doch ist „Zentrum“ im Detail gänzlich anders als sein Vorgänger: „Zentrum“ ist von simplen Gitarren, effizientem Schlagzeugspiel und aggressiven Screams, aber auch getragenen Melodieführungen, sanften Cleangitarren und majestätischem Gesang geprägt. So treffen sich etwa Intro und Song in „Kreuzer“ so zärtlich wie ein 40-Tonner und das Stauende. Dabei wirken die auf „Endstrand“ noch mächtig angepisst aufbrausenden VALBORG abgeklärter – ja, fast schon entspannt: Musikalisch wie textlich ist „Zentrum“ weniger „dreckig“: Die Fäkalsprache etwa ist Geschichte. Und um viele Details (stellenweise etwa wieder Klargesang) ergänzt, klingen die Songs trotz des extrem basalen Riffings nicht mehr so stumpf und sperrig. Trotz dieser kleinen Kurskorrektur bleiben VALBORG unverkennbar. Vielleicht mehr denn je vereint das Trio so doch gekonnt die jeweiligen Stärken von „Romantik“ und „Endstrand“.

Vermutlich hat seit Kraftwerk keine deutsche Band mehr so effizient musiziert: Oft reicht VALBORG eine zentrale Idee aus, um daraus einen packenden Song zu kreieren. Dass die Bonner auf „Zentrum“ diese Idee wieder um den einen oder anderen Effekt erweitern, tut den Songs trotzdem gut: War „Endstrand“ in seiner Kompromisslosigkeit zwar beeindruckend, aber doch etwas spröde, ist „Zentrum“ trotz seines groben Charakters vielschichtiger und bietet wieder mehr Details, die sich erst mit der Zeit offenbaren. Genau so klingt gelungene Weiterentwicklung!

Bewertung: 8.5 / 10

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