CD-Review: Valborg - Endstrand

Besetzung

Jan Buckard – Gesang, Bass
Christian Kolf – Gitarre, Gesang
Florian Toyka – Schlagzeug

Tracklist

01. Jagen
02. Blut am Eisen
03. Orbitalwaffe
04. Beerdigungsmaschine
05. Stossfront
06. Bunkerluft
07. Geisterwürde
08. Alter
09. Plasmabrand
10. Ave Maria
11. Atompetze
12. Strahlung
13. Exodus


Lange schon haben sich die deutschen Death-Doomer VALBORG dem Streben nach der Essenz des Bösen verschrieben: Mit jedem Album treibt das Trio die Suche weiter, reduziert seine Musik immer weiter ein, um schlussendlich die Boshaftigkeit in ihrer reinsten Form zu gewinnen. Mit ihrem neuesten Destillat, „Endstrand“ kommen die Bonner ihrem Ziel näher denn je

Nach dem doomigen „Romantik“ wenden sich VALBORG dabei noch klarer als bisher dem extrem stumpfen, schroffen Death-Metal zu, den sie auf „Nekrodepression“ bereits stellenweise zelebrierten. Viel primitiver als auf „Endstrand“ kann Musik kaum noch komponiert werden: Mitunter ist es nicht einmal eine Tonfolge, sondern nur mehr ein Rhythmus bei gleichbleibendem Akkord, der einem Song seinen Charakter verleiht. Selbst dort, wo VALBORG auf ihrem sechsten Album echte Riffs zum Einsatz bringen, bleiben diese stets simpel und repetitiv.
In den Fokus rücken damit automatisch die Texte – die, nach dem gleichen Schema konzipiert, ebenfalls mit wenigen, plakativen Phrasen auskommen: Ob nun die sture Wiederholung von Versen vom Typ „Heil Satan“ („Orbitalwaffe“) oder der gezielte Einsatz prägnanter Schlüsselworte wie Kotze („Blut Am Eisen“) oder Beerdigungsmaschine (im gleichnamigen Song) – VALBORGs Lyrics sind skurril und schon fast lächerlich primitiv. Gerade deshalb wirken sie verstörend und mystisch zugleich. Vor allem aber erfüllen sie ihre Funktion: Sie treffen sich mit der aufs Nötigste reduzierten Musik auf Augenhöhe, so dass bei „Endstrand“ mitunter nicht mehr klar ist, ob man vertontem Dadaismus lauscht oder Doom-Metal mit absurden Texten.
All das liest sich anstrengender als „Endstrand“ am Ende klingt. Denn bei allem Purismus haben VALBORG über die Jahre ihr Händchen für Tonfolgen, Riffs und nicht zuletzt Albumsound doch soweit geschult, dass „Endstrand“ – lässt man sich nur darauf ein – bei Weitem nicht so stumpf klingt, wie man vielleicht erwarten würde: Einige Cleangitarren und Variationen im Gesangsstil lockern die spröden Riffs gelungen auf, der dreckige, aber dabei nicht anstrengende Sound von Markus Siegenhort (Lantlôs) macht die Musik gefällig. Davon, mit jedem Song einen Hit vorzulegen, sind VALBORG mit „Endstrand“ jedoch ebenso weit entfernt. Dass das irgendwie in der Natur des Album-Konzeptes liegt, kann es über die eine oder andere Länge leider nicht hinwegtrösten.

VALBORG waren seit Anbeginn ihrer Karriere eine Band, an der sich Geister scheiden: Was dem einen zu roh und stumpf, ist dem anderen das hochprozentige Destillat des Bösen. Mit „Endstrand“ treiben VALBORG ihre Experimente auf die Spitze und liefern ein Album, das gänzlich von seiner primitiven Atmosphäre lebt und damit den einen Hörer vor den Kopf stoßen, den anderen jedoch mitreißen wird. Für seinen interessanten Ansatz und die gelungene Umsetzung verdient „Endstrand“ jedenfalls allemal einigen Respekt.

Bewertung: 7.5 / 10

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