Interview mit Christian Kolf von Valborg

Mit ihrem Album „Endstrand“ haben VALBORG ein Album veröffentlicht, das polarisiert: Stumpf sagen die einen, gewaltig die anderen. Gitarrist, Sänger und Songwriter Christian Kolf steht den Themen primitives Songwriting, stumpfe Texte und skurrile Artworks Rede und Antwort.

Auf dem sechsten VALBORG-Album Endstrand setzt ihr mehr denn je auf simple Riffs und gewollt primitives Songwriting. Was fasziniert euch an diesen Stilmitteln, was glaubt ihr, damit am besten ausdrücken zu können?
Wir nehmen uns eigentlich nie was vor und die Dinge passieren einfach. Nach „Romantik“ wollten wir zuerst weiter mit Synthesizer arbeiten. Wir hatten die Idee ein „gelbes“ Album zu machen. Daraus ist dann der Titel „Strahlung“ entstanden, daraus dann so ein Sci-Fi-Post-Nuklear-Vibe, daraus die ersten Songs. Dann haben wir die Idee mit den Synths verworfen, weil wir doch lieber ein paar straighte Ballertracks für Live schreiben wollten. Alles wurde daher härter und primitiver. Irgendwann stand nur noch der Spielspaß im Vordergrund.

Cover Valborg EndstrandDas Cover erinnert etwas an Goomba von Super Mario, der sich als Wehrmachtshelm verkleidet hat. Was war die eigentliche Idee hinter dem Bild, was drückt es für euch aus?
Eigentlich sollte vorne auf das Cover ein Bild von einer Frau, die eine Sonnenbrille aus zwei VALBORG-Vs trägt. Das hat aber alles zeitlich nicht hingehauen. Unser Illustrator Peter Boehme hatte den Schädel für „Romantik“ entworfen, damals hat das aber dann nicht so gepasst. Der rote Schädelhelm ist ein Warnzeichen aus der Zukunft – ein an Strahlung und Beschuss angepasster Mensch, etwas absolut Grauenhaftes – und passt perfekt zu dem Konzept des Albums.

Was ist eigentlich ein „Endstrand“?
Jan wurde durch einen Science-Fiction-Roman zu diesem Wort inspiriert. Wir denken da an einen Strand, der Anfang vom Ende, das Ende vom Anfang. Nuklearhimmel, Aussichtlosigkeit, aber auch an eine seltsame Schönheit. Dieses Feeling halt. Stell es dir so vor: Du stehst da mit den nackten Füßen im nassem Sand, die Welt wie wir sie kennen gibt es so nicht mehr. Es ist grau, vor dir das Meer. Wind weht, die Stimmung ist belastend. Du bist krank. Das Ende naht, aber es ist okay, denn du bist nicht der einzige der gehen muss. Future Paranoia.

Valborg BandInhaltlich gebt ihr euch einmal mehr ebenfalls sehr puristisch, dazu gerne mal vulgär. Was inspiriert euch zu den Texten?
Viele unserer Texte entstehen einfach aus dem Bauch heraus. Aber es ist nie so ein Mittel zum Zweck, da steckt immer eine Emotion dahinter, auch wenn wir nach guten, kraftvollen Wörtern suchen, die man gut brüllen kann, damit man beim Deutsch-Singen kein uncooles Gefühl bekommt. Eigentlich ist einem zum Weinen zu Mute, aber man lacht sich halb-verzweifelt kaputt und schreibt makabre Texte. Wir finden alle Krieg und Gewalt scheisse. Wir geben uns gar nicht mehr die Mühe, unseren Kummer in schöne Worte zu packen, weil wir schon resigniert haben.

Aber das heißt nicht, dass wir es nicht auch irgendwann anders machen. Letztendlich spiegelt das Album nur wider, wie wir uns zu einem gewissen Zeitpunkt gefühlt haben. Das Schöne ist, dass doch sehr viele Leute diese Meta-Ebene verstehen, die wir da am Laufen haben. Ich würde das ganze mal mit Type O Negative oder Body Count vergleichen. Da ist auch immer ein Augenzwinkern dabei.

In „Orbitalwaffe“ wird einfach nur „Hail Satan“ geschrien – viel stumpfer geht es kaum noch. Was wollt ihr damit bezwecken?
Viel fetter geht es ja auch nicht. Wir dachten uns nur, lass das mal machen, weil es bisher noch keiner gemacht hat. Und „Heil Satan“ ist ja wohl ultimativ Metal. Da muss man auch nichts mehr hinzufügen. Gerade in der Kombination mit dem Titel und der apokalyptischen Stimmung des Songs.

Etwas stumpf waren auch eure Antworten in unserem letzten Interview-Versuch. Wie kam es dazu?
Keine Ahnung. VALBORG-Style halt. So wie wir Texte schreiben. Irgendwie so n Kribbel bekommen und frech sein wollen und dann runtergetextet. Und dann lags rum und dann einfach rausgeschickt. Wollten dir damit nicht auf den Schlips treten.

Valborg Live Metal1.infoIhr steht seit diesem Album bei Prophecy Productions unter Vertrag. Wie kam es dazu? Musikalisch passt ihr ja nicht wirklich in den größtenteils sehr feinfühlig musizierenden Roster.
Wir standen schon länger in Kontakt und haben ihnen den fertigen Mix geschickt. Schien allen zu gefallen. Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich, mit so einem tollen Label zusammenzuarbeiten.

Ihr verabschiedet euch damit von eurer bisherigen Herangehensweise, mit Zeitgeister alles selbst in der Hand zu haben. Wo siehst du die Vor-, wo die Nachteile?
Du schreibst eine Platte, nimmst sie auf, steckst Geld rein, lässt das Ding pressen. Danach bist Du schon ausgebrannt. Die Promo und alles drumherum wird dann halbherzig. Wir müssen nach vorne gehen, das spielt eine Rolle im natürlichen Antrieb. Nachteile sehe ich keine.

Ihr wart zuletzt mit Pillorian, dem Agalloch-Nachfolger, auf Tour – wie lief die Konzertreise für euch, was für Erfahrungen habt ihr gesammelt und welche Erkenntnisse gewonnen?
Das war einfach ein Traum, der in Erfüllung ging. Ein großartiges Erlebnis. Käsebrot und saure Gurken um 1 Uhr Nachts im Bus. Roadburn war so mit das beste Konzert überhaupt. Da kam man auf die Bühne und wurden schon empfangen. Man musste sich nicht beweisen. Alle hatten ein riesiges Grinsen im Gesicht und dann wurde geballert. Nach dem Konzert war ich richtig weggepumpt von der ganzen Liebe, die man da so abbekommen hat. Das war definitiv nicht die letzte Tour.

Valborg Live Metal1.infoWie reagieren die Leute im Ausland auf eure deutschen Texte?
Die Leute reagieren immer total positiv. Da spielst du im Ausland und die Leute singen mit. Wie cool ist das? Bei VALBORG geht es auch ein wenig darum, dass wir es uns schwer machen, aber uns und andere auch vom Gegenteil überzeugen wollen. Englisch ist schön, wunderbar. Keine Frage. Aber wenn man einmal deutsch singt, dann fühlt sich das auf einmal sehr natürlich an, aber es ist auch um einiges schwieriger. Wer weiß. Wir halten uns das eigentlich immer offen. Es kann auch sein, dass wir auf der nächsten Platte wieder in Englisch singen.

Was sind eure nächsten Pläne, sowohl mit VALBORG, als auch euren anderen musikalischen Projekten?
Wir haben gerade so locker mit einer neuen Platte angefangen. Ansonsten wird von meiner Seite aus dieses Jahr endlich das dritte Owl-Album rauskommen. Ich arbeite an einem neuen Gruenewald-Album. Es wird bald ein heftiges Black-Metal-Projekt mit ein paar guten Jungs geben, deren Namen ich noch verheimliche. Florian hat gerade mit Klabautamann ein neues Album veröffentlicht. Es läuft.

Besten Dank für Zeit und Antworten.
Zum Abschluss ein Brainstorming:

Touren: Immer wieder.
Bonn: Ist halt so.
Strand: Ursprung.
Death Metal: Morbid Angel.
Sex: Verbindung, Leidenschaft, Recycling.

Die letzten Worte gehören dir;
Heil Satan. ;-) XOXO LOL

Copyright (Bandfoto): Soheyl Nassary
Copyright (Live): Afra Gethöffer