Interview mit John Laux von Warbringer

Old school-Thrash Metal ist wieder auf dem Vormarsch! Zu seinen bekanntesten Botschaftern dürften zweifelsfrei die kalifornischen WARBRINGER sein. Gitarrist John Laux gab uns im Interview Auskunft über seine Band, das Thrash-Revival und einen hilfreichen Tipp für alkoholreiche Auslandsbesuche.

Cheers, John! Wie geht’s dir denn zur Zeit?
Mir geht’s ausgezeichnet! Wir sind kürzlich erst von Aufbau-Konzerten in USA und Kanada zurück nach Hause gekommen. Es ist gut, ein paar Wochen Zuhause zu haben, auch wenn wir einige Shows an Wochenenden hier in der Gegend machen und uns nebenher auf unsere Europatour vorberieten.

„Waking Into Nightmares“ ist jetzt seit ein paar Wochen in den Läden und fährt fast ausschließlich gute Kritiken ein. Seid ihr immer noch vollkommen zufrieden mit dem Album und dachtet ihr, dass es derart gute Reaktionen hervorrufen wird?
Ja, wir sind sehr zufrieden mit der neuen Scheibe! Wir sind außerdem sehr glücklich, dass es so gute Kritiken und Reaktionen bekommen hat. Insbesondere hier, wo es oft im Metal-Radio läuft und sogar in den Billboard-Charts debütierte. Aber wir haben immer noch eine Menge Arbeit damit, das Album zu promoten und werden nonstop durch den Sommer touren, um sicher zu gehen, dass jeder das Album und die Band kennt, bevor wir fertig sind.

Der Titel „Waking Into Nightmares“ lässt viel Spielraum für Interpretationen. Es könnte sowohl das Erwachen in einen täglichen Albtraum, kurz: Leben, als auch das Aufwachen nach einem solchen Albtraum sein, wenn man immer noch denkt, in ihm zu stecken. Was wollt ihr mit diesem Titel tatsächlich sagen?
Das Hauptthema der CD ist die Sinnlosigkeit der Menschheit und jeder Song folgt diesem Konzept. Es ist praktisch auf jedem Song ein anderer Albtraum. Gleichzeitig habe ich diese Träume, in denen ich mich weder bewegen oder reden kann und absolut hilflos bin, wonach das Aufwachen auch immer ziemlich ängstigend ist. Außerdem haben wir im Studio viele Nightmare On Elmstreet-Filme geschaut, was auch eine Inspiration war.

Meiner Meinung nach habt ihr es (noch) nicht ganz geschafft, so ungezügelt und wild wie eure Vorbilder aus den ’80ern zu klingen – aber ihr seid auf dem besten Weg dorthin. Wie geht ihr an die Produktion eines Albums und wie haltet ihr die rohen und rauen Stimmung währenddessen am Leben?
Hm… interessant! Wir haben den Großteil des Materials innerhalb von zwei Monaten geschrieben und fühlten uns durch das ganze Touren und die Erfahrungen mit den großen Bands ziemlich motiviert und inspiriert. Wir finden außerdem, dass wir nach 10 Monaten, in denen wir unsere Debüt-Scheibe supportet haben und durch unsere neue Rhythmus-Sektion bessere Musiker geworden sind. Wir machten großartige Erfahrungen während der Aufnahmen mit Gary (Holt, Exodus – Produzent auf „Waking Into Nightmares“ – Anm. d. Verf.) und wollten einen Sound, der live, roh und old school klingt; gleichzeitig aber an die heutigen Produktionsstandards angepasst sein, um eine große, raue Metal-Scheibe zu produzieren. Gary arbeitete intensiv mit uns an großartigen Klängen, speziell für die Gitarren und auch daran, aus jedem von uns das Beste herauszuholen. Ich denke, das konnten wir.

“Waking Into Nightmares” brettert größtenteils gnadenlos nach vorne, mit “Nightmare Anatomy” habt ihr aber noch ein Instrumental abgeliefert, das man so gar nicht auf der Scheibe erwartet hätte. Wolltet ihr den Zuschauern eurer Shows eine kleine Verschnaufpause gönnen, oder werdet ihr selbst langsam alt und könnt nicht das komplette Set durchbangen? ;-) Was steckt denn dahinter?
„Nightmare Anatomy“ entstand im Studio während eines improvisierten Jams. Wir alle mochten die Idee wirklich, einen Titel wie diesen in das Album einzubinden, um eine andere Seite von WARBRINGER zu zeigen und eine kleine Pause zu erschaffen. Wir mögen daran, dass es nur eine Pause ist und wirklich nur lange genug geht, um sich dabei einen Joint drehen zu können. „Shadow From The Tomb“ hört sich danach nur noch heftiger an! Wir wollten einen kleinen Mix in die zweite Hälfte des Albums bringen und experimentierten deshalb mit der Wirkung dieser zwei Songs und „Prey For Death“ und mögen die Abwechslung, die dadurch reingebracht wird.

Das Coverartwork wurde vom Altmaster Dan Seagrave höchstpersönlich entworfen. Wie kam der Kontakt mit ihm zustande?
Wir hatten ein Konzept für die Gestaltung des Albums und haben sie uns in diesem surrealen, klassischen Stil vorgestellt. Als wir es uns gegenseitig beschrieben haben, merkten wir, dass es wie eines aussehen könnte, dass Dan Seagrave entworfen hat. Wir dachten uns: „Worum nicht direkt zu der Quelle der Idee gehen?“ und er war tatsächlich sehr offen und an der Sache interessiert. Die Zusammenarbeit mit Dan war sehr cool und einfach und mit dem Ergebnis sind wir wirklich verdammt zufrieden.

Viele der jüngeren Thrash-Bands haben mit Sicherheit angefangen Musik zu machen, in dem sie amerikanische oder europäische Thrasher coverten. Ihr aber habt in deiner Garage Songs von Manowar gecovert – warum habt ihr nicht mit Songs von Bands wie Anthrax, Kreator oder Exodus angefangen?
Oh, das haben wir! Als wir mit Manowar angefangen haben, war John Kevill die einzige Person, die mit WARBRINGER alt geworden wäre. „Peace Sells“ von Megadeth hat uns geholfen herauszufinden, dass wir bei etwas schnellerem besser wären. Als Gitarrist ist es gut, verschiedene Arten von Songs zu lernen und ich kenne Riffs von allen Bands, die du gerade genannt hast. Als Band haben wir den Fokus nie so sehr auf Covers gerichtet, weil uns die Zeit fehlte, um eigene Songs zu schreiben. Neulich haben wir Onslaught’s „Execute Them All“ für den 20 Years of Century Media-Sampler gecovert. Das einzige Cover, das wir jemals live gespielt haben, war vor Jahren ein alter Hallows Eve-Song.

Wisst ihr denn etwas über den Ruf, den Manowar hier in Europa und Deutschland inne haben?
Ja – wir wissen, dass Manowar in Europa ziemlich groß sind. Wir würden es lieben, irgendwann eine Show mit einen dort zu spielen.

Vor WARBRINGER habt ihr auf den Namen „Onslaught“ gehört. Wusstet ihr zu dieser Zeit nicht, dass es schon eine gleichnamige – ziemlich erfolgreiche – Band gab? Wenn nicht: wie habt ihr davon erfahren?vNein. Wir nannten uns Onslaught und schon kurz darauf haben wir über das Internet von der Band erfahren. Wir spielten niemals Shows unter diesem Namen und nahmen auch nie irgendwelche Songs unter ihm auf, also ist dieser Fakt auch ziemlich trivial.

Euer Sänger John Kevill hört sich auf „Waking Into Nightmares“ noch aggressiver und angepisster an als auf der „War Without End“. Wenn du eine Top-5-Liste der Dinge, die dich und/oder die Band am meisten anpissen, aufstellen müsstet – wie würde die aussehen?

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Und noch eine knifflige Frage: wo siehst du WARBRINGER inmitten der anderen Bands, die das große Thrash-Revival ans Tageslicht befördert hat?
Ich denke nicht, dass wir wirklich eine Auszeichnung dafür verdienen, dass wir es gestartet haben – aber ich glaube, dass unser Sound und unsere Attitüde ein bisschen originaler sind als die unserer Kollegen.

Wie schauen eigentlich die Beziehung in der Kalifornischen Thrash-Szene unter den Bands selbst aus? Mit Bonded By Blood und Fueled By Fire gibt es zum Beispiel zwei Bands, die zur ähnlichen Zeit angefangen haben wie ihr und ebenfalls am Durchstarten sind. Gibt es da ein ähnliches Feeling wie in den ’80ern, als man sich immer gegenseitig auf den Konzerten besuchte?
Merciless Death, Fueled By Fire und wir anderen allen starteten zur selben Zeit, total unwissend voneinander. Wir waren alle einfach total von der aktuellen Metal-Musik gelangweilt und suchten bei den älteren Bands nach Inspiration. Als wir mit spielen anfingen, bekamen wir so gute Reaktionen, dass uns schnell auch größere Konzerte angeboten wurden und es uns immer mehr Bands gleich taten. Wir sind alle miteinander befreundet und spielen an der Westküste so oft wie möglich zusammen. Aus Kalifornien gibt es aber auch noch viele andere großartige Bands mit denen wir gerne spielen, wie etwa Witchaven, Exmortus, Hexen, Devastator, Premunition, Zombie Holocaust und noch einige mehr.

Wie schaut es denn mit eurer Freizeit aus? Letztes Jahr verließen Andy (ex-Bass) und Ryan (ex-Drums) die Band. Geschah das aus Zeitgründen?
Wir haben sehr wenig Freizeit. Wir sind ständig am Touren und leben praktisch in einem Van zusammen. Wenn wir zu Hause sind, versuchen wir so viel Zeit wie möglich mit unserer Familie und unseren Freunden zu verbringen, ehe wir wieder auf Tour gehen. Mein Bruder Andy war immer noch in der Highschool, als „War Withound End“ veröffentlicht wurde und musste dort bleiben, um seinen Abschluss zu machen. Der eigentliche Plan war, dass er danach wieder zu uns zurückkommen würde, aber wir haben so viele Erfahrungen mit Ben gemacht, dass wir die Option aufstellten, ihn als festen Bassisten zu nehmen. Andy jammt hin und wieder zum Spaß mit uns, ist aber nicht mehr in der Band und konzentriert sich jetzt auf sein Studium. Ryan verließ die Band, weil das Tourleben und die Ungewissheit über das Geld nichts für ihn war, also hat er jetzt einen normalen Job.

Ich sage jetzt mal ganz frech, dass Lexus Locklear (Stripperin und Pornodarstellerin) das bisher Bekannteste im “Unterhaltungssektor” war, was eure Heimatstadt Ventura bisher zum Vorschein brachte. Wie geht es euch denn, wenn ihr durch die Stadt lauft – werdet ihr mittlerweile von den Kids erkannt oder könnt ihr dort noch ziemlich normal leben?
Yeah, neben meinen Freunden halten mich unterwegs jetzt immer ein paar Leute an, die ich gar nicht kenne, und stellen mir ein paar Fragen. Das ist keine große Sache. Alle meine wirklichen Freunde sind immer da, wenn ich zurückkomme. Wir spielen immer noch Underground-Metal, es ist ja nicht so, dass wir groß sind. Wenn ich daheim bin, sind die Dinge so normal, dass ich dir gar nicht sagen kann, ob es langweilig oder entspannend ist.

Euch gibt es „erst“ seit fünf Jahren und trotzdem könnt ihr schon auf eine steile Karriere zurückblicken: ein Vertrag bei Century Media Records, ausverkaufte Konzerte, Touren im Vorprogramm von Exodus, Nile, Napalm Death und Suffocation. Es sieht ganz danach aus, als hättet ihr alles richtig gemacht und eine große Portion Glück gehabt. Betrachtest du diese Entwicklung vielleicht aber auch manchmal etwas skeptisch?
Ja, wir hatten wirklich sehr viel Glück. Das alles konnten wir uns niemals vorstellen, als wir in der Garage gejammt haben. Wir lieben was wir tun und arbeiten, damit wir wachsen und diese Art von Chancen zu bekommen. Außerdem haben wir zwischen dem Label, dem Management und unseren Bookern ein großartiges Team hinter uns stehen.

Euer Fronter Kevill hat für mich in seiner ungestümen Art auf der Bühne übrigens etwas vom jungen Mille (Kreator, vocals) – welche Vergleiche musstet und müsst ihr denn sonst noch so über euch ergehen lassen?
Auf jeder Tour gibt es jemanden, der mich Slash nennen will, weil er sich nicht an meinen Namen (O-Ton: „John Laux“!) erinnern kann und das verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Als Band ist Slayer wohl ein ganz guter Vergleich wegen Johns Gesang und unserem aggressiven Sound. Einige andere vergleiche machen mich echt wahnsinnig, weil sie von Leuten kommen, die in ihrem Leben mit Sicherheit nicht mehr als fünf Thrash Metal-Bands gehört haben.

Mitte des Monats kommt ihr wieder nach Europa zurück, tretet unter anderem auf dem Metalcamp in Slowenien auf. Was erwartet ihr euch von den “Headbanger’s Holidays”?
Wir lieben es, in Europa zu touren. Die Leute, Promoter und Clubs sind wirklich toll. Die Festivals dort sind auch der Hammer. Es ist cool, einen solchen Haufen offener Metalheads entspannen und die Bands genießen zu sehen. In den Staaten haben wir nichts Vergleichbares auf diesem Level. Ich hatte ein paar wirklich geniale Erlebnisse auf europäischen Festivals und habe Bands wie Entombed, Carcass, At The Gates und Asphyx endlich mal live gesehen. Dieser Sommer wird großartig, weil wir sieben Festivals mit absolut tollen Bands spielen werden. Das Lineup vom Metalcamp ist genial, deswegen sind wir schon sehr gespannt, endlich dort zu sein.

Bei so einer Fülle an Konzerten und Touren füllt sich mit der Zeit meistens auch der Anekdoten-Vorrat. Du bekommst auf dem Metalcamp so viel Bier spendiert wie du willst, wenn du uns eine lustige/spannende/apokalyptische Geschichte erzählen magst.
Da gab es diesen finnischen Fan, der sich ein Taxi genommen hat und uns über die Grenze bis nach Mexiko hinterher gereist ist. Wir konnten nicht glauben, dass er das tatsächlich getan hat! Er kaufte uns eine ganze Menge Tequila und wurde so betrunken, dass er auf den Parkplatz geschmissen wurde. Um seines Willen haben wir ihn in unseren Van gepackt und seinen Ausweis gefunden, so dass wir ihn wieder mit über die Grenze nehmen konnten. Nach vier Stunden totaler Bewusstlosigkeit, bäumte er sich direkt an der Grenze auf, als müsste er kotzen, köpfte aus dem Van und frontal in einen Metallzaun und blutete dann wie verrückt – direkt vor einem Polizisten. Wir konnten sie überreden, ihm einen Krankenwagen zu einem amerikanischen Krankenhaus zu schicken. Ein paar Wochen später schickte er uns einen Brief und sagte, dass er eine Menge Spaß hatte. Werde in einem schrägen Land, in dem dein Wohlbefinden total fraglich ist, nie derart besoffen!

Haha, vielen Dank dafür! Das war es jetzt auch schon fast – nur unser Metal1.Brainstorming fehlt noch. Dann schieß mal bitte los:

Gary Holt: Toxic Waltz, haha
Bad Ass Coffee: Start einer langen Fahrt
Johnny Depp: Hunter S. Thompson
Deutsches Bier: Die Gummidichtungen im Grolsh-Bier geben exzellente Strap Locks für Gitarren ab
Folter: „Instruments Of Torture“, ein alter Song von uns
Metal1.info: Eine Seite, die ich nicht lesen kann

Danke für das Interview, John! Habt viel Spaß und ein paar geile Konzert in der nächsten Zeit!
Danke dir auch! Wir bedanken uns für deine Zeit und das Interview. Wir sehen euch Irre auf Tour diesen Sommer!

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