CD-Review: Warbringer - IV: Empires Collapse

Besetzung

John Kevill – Gesang
John Laux – Gitarre
Jeff Potts – Gitarre
Ben Mottsman – Bass
Carlos Cruz – Schlagzeug

Tracklist

01. Horizon
02. The Turning Of The Gears
03. One Dimension
04. Hunter-Seeker
05. Black Sun, Black Moon
06. Scars Remain
07. Dying Light
08. Iron City
09. Leviathan
10. Off With Their Heads!
11. Tower Of The Serpent


Mit Thrash Metal und Weiterentwicklung ist das so eine Sache. Wenn Slayer ein neues Album ankündigen, sagen sie, „es wird wie Slayer klingen“, und jeder weiß Bescheid. Dementsprechend hat man auch stets vor dem ersten Durchlauf einer neuen Scheibe eine Ahnung, was einen da erwartet, und bei Bay-Area-Kollegen wie Exodus oder Testament verhält es sich nicht anders. Während es in anderen Extreme-Metal-Bereichen neben Retro-Bands auch viele Gruppen gibt, die über den Tellerrand schauen, um ihrem Subgenre neue Impulse zu geben, hat es in der Thrash-Szene wie in keiner anderen in den letzten zehn Jahren vor allem deshalb ein Revival gegeben, weil sich sowohl alteingesessene als auch jüngere Kapellen auf die alten, traditionellen Werte ihrer Musik besonnen haben.

WARBRINGER bilden da keine Ausnahme, schließlich gelten sie gemeinhin als eine der Koryphäen der sogenannten „New Wave of Thrash Metal“, deren bisherige Outputs allesamt von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeiert wurden. Interessant an der Angelegenheit ist nun, dass WARBRINGER sich auf ihrer neuen, mittlerweile vierten Studioplatte „IV: Empires Collapse“ von ihrem lupenreinen Old-School-Stil verabschieden und weit mehr bieten als nur klassischen Thrash Metal. Das ist gewissermaßen logisch, denn wenn man sich fragt, was die Kalifornier nach einer großartigen Scheibe wie „Worlds Torn Asunder“ von 2011 abliefern könnten, ohne auf der Stelle zu treten, ergibt die Stilöffnung absolut Sinn. Trotzdem bleibt einem nach dem erstmaligen Genuss der elf Tracks zunächst die Kinnlade offen stehen, wenn man sich „IV: Empires Collapse“ mit der oben angerissenen Erwartungshaltung nähert.

Abgesehen von der Horizonterweiterung zeigen sich WARBRINGER auf dem neuen Langeisen nämlich von ihrer bisher verspieltesten Seite und beweisen erneut, dass sie allesamt begnadete Musiker sind. Die beiden neuesten Mitglieder, Gitarrist Jeff Potts und Bassist Ben Mottsman, die vormals bei Mantic Ritual zockten, sind zwar schon eine Weile dabei, wirken hier jedoch zum ersten Mal an einem Studiowerk mit. Anscheinend haben die verschiedenen Geschmäcker der fünf Jungs dabei zu einer nie dagewesenen stilistischen Vielfalt geführt, die sich im Songwriting niedergeschlagen hat. Bereits im Opener „Horizon“ finden sich schwarzmetallische Blasts und ein Akustik-Outro, das unaufhaltsame „Scars Remain“ und das finale „Tower Of The Serpent“ warten gar mit Prog-Einlagen inklusive vertrackter Rhythmen auf. Das zunächst schleppende und erhabene „Leviathan“ kommt mit mehr als nur einem Hauch Epik daher, während die vorwärts preschende Doublebass-Hymne „Black Sun, Black Moon“ eine Hommage an klassischen Heavy/Speed Metal der achtziger Jahre darstellt und auch einen an Iron Maiden erinnernden Instrumental-Part mit Keyboard nicht missen lässt. „The Turning Of The Gears“ hingegen bewegt sich irgendwo zwischen alten Megadeth und Industrial-Kälte mit leicht verzerrten Vocals, während „One Dimension“ mit Gang-Shouts und Chören klar Richtung Crossover Thrash und Hardcore schielt.

Im Grunde könnte man zu jedem Song einen eigenen Absatz schreiben, denn „IV: Empires Collapse“ ist derart vielseitig und abwechslungsreich ausgefallen, dass man mit jedem weiteren Durchlauf etwas Neues heraushört. Geradlinige und relativ simple Ufta-ufta-Nummern findet man höchstens in Form des knapp 100-sekündigen Wutbrockens „Off With Their Heads!“, ansonsten regieren Variation und Virtuosität. Dabei schaffen es WARBRINGER, die Hörer mit anspruchsvollen Kompositionen und Spielfreude zu unterhalten, ohne Gefahr zu laufen, sie mit überladenen Arrangements zu überfordern.
Traditionalisten mögen dem Album vielleicht vorwerfen, sperrig oder gar orientierungslos zu sein, jedoch klingt „IV: Empires Collapse“ insgesamt wie aus einem Guss und kommt völlig ohne Füllsongs aus. Bei allem Gerede über abgelegte Scheuklappen steckt dabei letzten Endes – trotz Artwork ohne das altbekannte Bandlogo – immer noch WARBRINGER drin, Hooks und Mosh-Parts eingeschlossen. Sicherlich erfinden sie sich auch nicht komplett neu und innerhalb der bisherigen Diskografie ist ebenfalls schon eine gewisse Weiterentwicklung zu verzeichnen, aber diese Scheibe ist im Verhältnis gesehen schon ein Quantensprung für die Jungs. „IV: Empires Collapse“ vereint in einer Dreiviertelstunde alles, was man im Thrash so machen kann … und noch viel mehr.

Bewertung: 9 / 10

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