Interview mit John Laux von Warbringer

Man sagt ja oft, dass sich beim dritten Album einer Band entscheidet, ob sie den Durchbruch schafft oder nicht – wenn dem so ist, können WARBRINGER eigentlich sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken – ist deren drittes Album, „Worlds Torn Asunder“ doch ein echter Kracher geworden und eigentlich für jeden Thrasher ein Pflichtkauf – nicht zuletzt, da die Band mit zu den ehrlichsten und sympathischsten Kombos gehört, die es gibt, wie auch unser Interview mit Gitarrist John Laux über Band, Album und das Musikbusiness im Allgemeinen beweist. Doch lest selbst…

Hallo John! Danke, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Wie geht es dir?
Super! Ich sitz grade in unserem Van, wir fahren grade von Atlanta, Georgia nach Charlotte, North Carolina, wo wir heute Abend eine Headliner-Show spielen werden… wir sind ja grade auf Headliner-Tor mit Lazarus AD, Landmine Marathon und Diamond Plate. Dann ein paar Bier trinken und alle haben ihren Spass…

Ok. Gratulation zu eurem neuen Album, „Worlds Torn Asunder“ – das Ding gefällt mir ausserordentlich gut. Ich nehme an, ihr habt schon die ersten Pressereaktionen bekommen. Wie fallen die bislang aus, und seid ihr damit zufrieden?
Ja, das Presseecho war größtenteils sehr positiv. Ich meine, wir sind so schon stolz auf unser neuestes Werk, aber es ist natürlich trotzdem eine Erleichterung, zu merken, dass die Kritiker und Fans das Album auch mögen. Aber ich freue mich auch über ein hartes und kritisches Review, solange es fair und objektiv ist. Es ist wichtig, zu verstehen, welche Elemente in der Musik die Leute als Schwachstellen ausmachen.

Wenn du „Worlds Torn Asunder“ in einem Satz beschreiben solltest – wie würde er lauten?
Ein Stück absolut knochenzertrümmernder und halsbrecherischer Death Thrash!

Musiker werden in Interviews ja nie müde, zu sagen, dass ihr aktuelles Album das Beste ist, was sie je gemacht haben und dergleichen mehr… könntest du etwas präziser versuchen, zu erklären, warum „Worlds Torn Asunder“ besser ist, als die Alben davor?
Nun, unsere ganze Karriere ist voll von Erfahrungen, aus denen man etwas lernen konnte, und mit jeder Aufnahme, die wir machen, merke ich immernoch, wie sich die Band entwickelt. Viele Songs des ersten Albums wurden komponiert, als ich noch in der High School war und bringen es einfach noch nicht gut genug auf den Punkt. Die Musik des zweiten Albums wurde in zwei Monaten geschrieben und in zwölf Tagen aufgenommen. Natürlich sind wir auch auf dieses Album noch sehr stolz, aber um ehrlich zu sein waren wir damals einfach zu gehetzt, um die Musik gründlich auszukomponieren und das Album anständig zu mixen und mastern. Dieses Mal haben wir deshalb eine Auszeit vom Touren genommen – die erste in zwei Jahren. Wir hatten zum ersten Mal wirklich Zeit, uns auf das Schreiben unserer Musik zu konzentrieren, und das, körperlich wie geistig, mit voll aufgeladenen Batteriens. Wir haben sechs volle Monate damit zugebracht, an den Songs zu feilen, Demos davon aufzunehmen, uns Rohmaterial nochmal anzuhören, und so lange an jeder Nuance zu feilen, bis wir damit wirklich zufrieden waren.

Ich finde, ihr habt gerade dem Sound hört man an, dass ihr viel Zeit investiert habt, ist diesbezüglich doch ein ein riesiger Schritt vorwärts auszumachen. Was habt ihr diesbezüglich besser gemacht als auf den vorherigen Alben, und mit wem habt ihr diesbezüglich dieses Mal zusammengearbeitet?
Nun, ein Aufnahmeprozess ist immer ein Erlebnis. Es hängt alles von der Einstellung des Produzenten ab. Steve Evetts ist ein exzellenter Produzent und wir waren wirklich voll zufrieden mit ihm: Wir wollten eine Aufnahme, die groß, organisch und modern genug klingt, um mit allem anderen mithalten zu können, was man heutzutage so zu hören bekommt. Es war für uns wie auch Steve dabei sehr wichtig, alles natürlich zu halten. Das, was du auf dem Album hörst, ist exakt, was wir im Studio gehört haben, als wir unsere Spuren eingespielt haben, weil es da keine Trigger, keine Sound-Modifizierungen und auch kein lahmes Copy&Paste gibt. Wir haben im Studio länger und härter gearbeitet als je in unserer Karriere… jetzt verstehe ich aber auch, warum sich viele Bands im Studio so viel Zeit lassen.

Wie geht ihr denn beim Songwriting allgemein vor? Erzähl uns doch noch ein bisschen mehr über die Arbeitsmethoden von WARBRINGER, wenn es um das Schreiben und Aufnehmen von neuem Material geht…
Nun, die Band ist eine Demokratie, in der jeder einbezogen ist. Für gewöhnlich führen Adam oder ich die Band durch einen den Grundstein legenden Jam zu ein paar Riffs oder dem Skelett einer Songstruktur. Die Band spielt das Ding dann als Ganzes ein paar Stunden oder auch mal Wochen durch, bis sich der Song richtig anfühlt. Mit dieser Arbeitsweise gehören Diskussionen natürlich zum Alltag, aber wenn eine Idee gut ist, ist sie den Aufwand wert, alle anderen davon zu überzeugen, warum. Als Resultat ist die Musik am Ende teil jedes Bandmitglieds und repräsentiert alle beteiligten – ich denke, das ist ein sehr wichtiger Aspekt.

Ok, danke für diese Ausführungen. Gehen wir etwas ins Detail bezüglich des Album-Konzeptes. Könntest du uns kurz erläutern, welche Idee hinter Titel, Artwork und den Texten steht?
Nun, das grundsätzliche Thema des Albums ist die Zerstörung der Welt durch die Menschheit. Der Albumtitel ist uns erst gekommen, als wir die Songs und das Artwork schon beisammen hatten. Ich bin besonders stolz darauf, dass die Texte auf dem Album sehr vielseitig sind, und es trotzdem ein alles zusammenhaltendes Konzept gibt, das das mangelnde Vertrauen in die Menschheit beschreibt.Ich meine, auch wenn wir wirklich ziemlich entspannte Kerle sind, denke ich, ist das ein faires Statement, wenn du mal an die nicht enden wollende Liste menschlicher Gräueltaten denkst…

Das Artwork gefällt mir ziemlich gut – wer hat es gemalt, und wie seid ihr auf denjenigen gekommen?
Nun, wir haben bereits beim letzten Album mit Dan Seagrave zusammengearbeitet, und haben uns dann dazu entschieden, wieder mit ihm zu kooperieren, weil wir echte Fans seiner Kunstwerke sind und er ziemlich lässig drauf ist, wenn man seine Konzepte ablehnt, oder allgemein mit ihm arbeitet. Wir haben ihn bestimmt 20 oder 30 Skizzen anfertigen lassen, als wir gemeinsam an diesem Artwork gearbeitet haben. Das Konzept hat sich dann mit der Zeit entwickelt, aber die Grundidee ist die gleiche geblieben: Wir wollten eine Mischung aus einem symbolischen Atlas-Bild und etwas, das eine düstere Stimmung verleiht. Schließendlich haben wir uns dann dazu entschieden, dass wir eine düsteres Gestirns-Szenario haben wollen, bei dem dargestellt wird, wie die das Leben und die Kraft der Erde ausgetrocknet wird. Das war garnicht so einfach, weil wir wollten, dass es einzigartig, geschmackvoll und originell aussieht. Aber Seagrave ist ein exzellenter Künstler und die Band ist sehr stolz auf sein Werk.

Die Thrash Metal-Szene scheint in letzter Zeit ja soetwas wie ein Revival zu feiern. Was, glaubst du, hat den Thrash Metal wieder „salonfähig“ gemacht, beziehungsweise wieder attraktiv für junge Leute, sowohl auf Musiker- als auch auf Hörerseite?
Ich glaube, viele Leute aus meiner Generation haben sich nicht für den ganzen Modern/Nu Metal interessiert und sich lieber mit den Klassikern beschäftigt. Die Kraft und Intensität einiger dieser Genrevorreiter hat dann wohl einige von uns dazu inspiriert, in dieses Rahmenkonzept passende Musik zu spielen.

Du hast es ja grade indirekt schon angeschnitten: Gerade wenn es um Thrash Metal geht, denkt jeder gleich an die „alten Helden“, seien das nun Slayer, Metallica oder wer auch immer. Glaubst du, junge Bands, die heute Thrash Metal spielen, haben heutzutage auch noch die Chance, eines Tages so groß zu werden, wie genannte Bands, oder war das einfach ein Phänomen der damaligen Zeit, in der das Genre neu und Metal groß im Kommen war, das sich so nicht noch einmal wiederholt?
Wer weiß, aber ich würde es fast anzweifeln. Es haben heutzutage ja wirklich nur noch sehr sehr wenige Old School-Metalbands die Chance, mit den ersten paar Alben groß rauszukommen. Es ist einfach eine andere Zeit als damals. Aber es ist auf jeden Fall großartig, dass so viele Fans, ob als oder jung, wieder Interesse am Thrash Metal zeigen. Das hat eine Menge junger, talentierter Künstler dazu inspiriert, herausragende CDs zu produzieren und eine Menge älterer Formationen dazu bewegt, sich wieder zu vereinen.

Denkst du, dass es heute generell einfacher ist, eine Band groß zu bekommen, weil man beispielsweise das Internet nutzen kann um sich zu promoten, oder eher schwieriger, weil es so inflationär viele Bands gibt, die dies versuchen, und sowieso keiner mehr CDs kauft und so weiter?
Ich denke, das ist ein zweischneidiges Schwert, und ich bezweifle, dass ich zu dem Thema etwas sonderlich neues oder erleuchtendes sagen kann. Es ist eine Tatsache, dass das Downloaden von Musik den Wert von Musik mindert und es für Musiker schwieriger macht, allein von ihrer Kunst zu leben. Auf der anderen Seite ist gerade für kleinere Bands die Möglichkeit, ein paar Mitschnitte in einer Garage zu machen und ihre Musik über das Internet bei hunderten oder tausenden Leuten zu promoten, ein sehr mächtiges Werkzeug. Und ein paar Bands haben mit diesem Prinzip auch ohne Labelvertrag massenhaft Fans gewonnen und Touren gespielt.

Auf alle Fälle ein immernoch sehr guter, wenn nicht sogar der beste Weg, sich zu promoten, ist wohl der Livesektor. Ihr habt seit 2008 jährlich um die 300 Gigs absolviert, wenn man dem Promosheet zu eurem Album Glauben schenken darf. Macht das überhaupt noch Spass?
Ja, so ist es, weil die Verkaufszahlen für Tonträger mit jedem Jahr schlechter werden. Es ist ziemlich schwer geworden für die Industrie, den Wert oder Nutzen einer Band anhand ihrer Verkaufszahlen zu beurteilen oder zu erfassen. Das Touren ist da der einzige Weg, unsere Karriere aufrecht zu erhalten: Neue Hörer dazugewinnen, und die Band weltweit bekanntmachen. Das Touren selbst hat dabei Höhen und Tiefen… es ist ein Job, es kann beschissen laufen, kann aber auch etwas großartiges sein. Wenn du auf ständiges herumgereise, performen und billiges Essen stehst, wirst du damit kein Problem haben.

Wenn ihr so viel unterwegs seid… habt ihr dann noch „normale“ Jobs, oder verdient ihr alle euer Geld ausschließlich mit WARBRINGER?
Nein, dafür bleibt keine Zeit. Kevill hat es mal geschafft, einen Teilzeit-Job in einem Geschäft für Videospiele zu finden, aber die Stunden, die er dort arbeiten konnte, und das Gehalt waren grade mal genug, um ein paar Kröten zu seiner Mietkostenrechnung beizutragen.Es ist immer wieder beeindruckend, wie viel Geld mit dieser Band umgesetzt wird, und wie wenig wir am Ende davon sehen. Wir machen all das aus Leidenschaft, und in unserem Alter kann man damit umgehen, kein ausreichendes Einkommen zu haben. Die Band wächst ja immer weiter, die Tourmöglichkeiten werden immer besser, und wir sind sehr optimistisch, was die Zukunft der Band betrifft…

Ok, das war dann auch schon meine letzte Frage – an dieser Stelle würde ich das Interview gerne mit dem traditionellen Metal1-Brainstorming beenden. Was kommt dir zuerst in den Sinn, wenn du folgende Namen hörst:
Ozzy Osbourne:
Sollte sich würdevoll zur Ruhe setzen
Mark Zuckerberg: Müssen wir wirklich einen schamlose und reichen CEO in einem Metal-Interview diskutieren?
Chuck Norris: < Luke Skywalker
Wladimir Putin: Heutzutage wird jeder mächtige Politiker kritisiert und angegriffen. Das geht aber auch in Ordnung, du musst ja ein Sozipath sein, um ein führender Politiker zu sein…
Pope Benedikt XVI: Ganz ehrlich: Dem schenke ich garkeine Aufmerksamkeit. Der Vatikan hat sich selbst überholt und verweigert sich dagegen, irgendetwas anderes zu tun als Vergewaltigungs-Anklagen zum Schweigen zu bringen und wissenschaftliche Entwicklung zu behindern.
Katy Perry: Einmal drüber und dann ists aber auch wieder gut.

Ok, Danke für deine ehrlichen und ausführlichen Antworten! Wenn du noch etwas loswerden willst, hast du dazu jetzt die Gelegenheit:
Danke an all unsere Fans für den wahnsinnigen Support, und dafür, dass sie unsere Platten kaufen. Schaut online mal unsere Tourpläne nach (www.warbringermusic.com) – wir kommen im Winter nach Deutschland, sowohl als Headliner, als auch als Support von Arch Enemy!

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