Interview mit John Kevill von Warbringer

Die Überraschung war auf ihrer Seite, als WARBRINGER ihr neues Studiowerk „IV: Empires Collapse“ unters Volk gebracht haben. Unerwartet progressiv und genreübergreifend ist die mittlerweile vierte Full-Length-Platte geworden, schließlich haben die Kalifornier bisher stets die Flagge des traditionellen Thrash Metals hochgehalten. Wie die Scheibe entstanden ist, was es mit der Stilöffnung auf sich hat und einiges mehr erfahrt ihr im Interview mit Sänger John Kevill.

Warbringer-LogoJohn, wie fühlt es sich an, wieder eine neue Platte auf dem Markt zu haben?
Wir sind sehr zufrieden mit dem Album und was dabei herausgekommen ist. Wir haben hart gearbeitet, um die unserer Ansicht nach bisher beste Veröffentlichung von WARBRINGER anzufertigen. Wir sind diesmal ein paar Risiken eingegangen, was das Material und sogar das Artwork betrifft, aber nun, da die Scheibe draußen ist und wir gute Reaktionen von Fans und Kritikern bekommen, sind wir glücklich. Wir haben gerade eine gute US-Tour abgeschlossen, auf der wir Kreator und Overkill supportet haben und sind jetzt zuhause und genießen unsere freien Tage, bevor es im Januar auf Europa-Tour mit Iced Earth geht.

Was sind deiner Meinung nach die Hauptunterschiede zwischen „IV: Empires Collapse“ und seinem Vorgänger „Worlds Torn Asunder“?
Wir haben zwei neue Bandmitglieder, Bassist Ben Mottsman und Gitarrist Jeff Potts, die beide am Songwriting und den Aufnahmen zum neuen Album mitgewirkt haben. Wir waren enttäuscht über manche Reaktionen, die wir zu „Worlds Torn Asunder“ erhalten haben. Das ist eine Platte, auf die wir sehr stolz waren, aber viele Leute empfanden sie wohl als zu ähnlich zu [dem vorherigen Album] „Waking Into Nightmares“ oder haben sie einfach pauschal in diese ganze „Retro-Thrash“-Schublade gesteckt. Wir hatten also das Gefühl, dass wir mal was riskieren müssen und uns nicht den Kopf über die Einschränkungen von Genre-Grenzen zerbrechen dürfen. Darüber haben wir uns eigentlich auch nie wahrhaftig allzu viele Gedanken gemacht, da wir uns schon immer vorgenommen haben, unseren eigenen Sound zu erschaffen und schon immer unterschiedliche Einflüsse integriert haben. Diesmal wollten wir das allerdings auf noch herausragendere Weise bewerkstelligen und ich finde, dass wir am Ende unser vielfältigstes, progressivstes und somit interessantestes Album hervorgebracht haben.

Warbringer Press_Photo_01Das erklärt dann auch den deutlich höheren Abwechslungsreichtum auf „IV: Empires Collapse“ im Vergleich zu eurem früheren Old-School-Stil.
Wie gesagt, wir haben einfach jeden darum gebeten, Ideen beizusteuern und jeder brachte Riffs und Songs mit ein, die wir dann gemeinsam arrangiert und geprobt haben. Nichts wurde unter den Tisch fallen gelassen, weil es etwa zu punkig, zu schwarzmetallisch, zu rockig oder zu progressiv war. Wir haben innerhalb des traditionellen Kontexts von WARBRINGER mit unterschiedlichen Ideen herumgespielt und es kam etwas sehr Cooles dabei heraus.

Geht ihr beim Schaffensprozess dann also meist klassisch mit gemeinsamen Jams ans Werk oder benutzt ihr auch modernere Mittel, tauscht zum Beispiel Ideen übers Internet aus?
Nein, wir sind eindeutig eher eine Garagenband. Zwar arbeitet jeder zuhause an Riffs und Ideen, aber diese Ideen werden dann als Gruppe in gemeinsamen Jams zu Songs ausgearbeitet.

Du hast gerade schon die beiden neuen Mitglieder erwähnt. Woher kanntet ihr sie und wie kam es dazu, dass sie Teil von WARBRINGER geworden sind?
Warbringer John Kevill 2013Wir kennen Ben und Jeff schon seit Jahren. Beide haben früher bei Mantic Ritual gespielt, die ein großartiges Album über Nuclear Blast herausgebracht haben [„Executioner“ von 2009 – mf]. Wir hingen oft mit ihnen ab und als sich die Band getrennt hat, zogen sie beide nach Los Angeles. Sie sind seit Frühsommer 2012 bei WARBRINGER, wir hatten also schon ungefähr ein Jahr zusammen gespielt, bevor wir „IV: Empires Collapse“ aufnahmen. Ben kam zuerst an Bord, weil [Ex-Bassist] Andy Laux während der Tour mit Destruction aus gesundheitlichen Gründen heimkehren musste und anschließend von Ben vertreten wurde. Wir kamen sehr gut miteinander klar und er ist ein toller Musiker, also haben wir ihm angeboten, zu bleiben. Als wir kurz danach auch einen neuen Gitarristen brauchten, war es einfach, Jeff in die Band zu holen.

Wie haben sie konkret zur neuen Platte beigetragen?
Jeder von ihnen hat einen Song beigesteuert, der es aufs Album geschafft hat. Man merkt ihren Einfluss auch auf der Platte. In vielen Kritiken sind Bens hervorstechendes Bass-Spiel und Jeffs melodische Leads erwähnt worden.

Wie läuft es generell ab, wenn ihr beginnt, an einem neuen Album zu arbeiten? Setzt ihr euch selbst Ziele oder schaut ihr einfach, wo euch der kreative Prozess hinführt?
Traditionell haben wir darauf gewartet, dass die Gitarristen John Laux oder Adam Caroll einige Ideen mitgebracht haben, zu denen wir dann jammen konnten. Diesmal haben alle Material eingebracht, insbesondere Drummer Carlos Cruz, der fünf Songs für das neue Album geschrieben hat. In der Vergangenheit, vor allem bei unserem zweiten Album „Waking Into Nightmares“, habe ich in recht militanter Weise darauf hingewiesen, dass wir nicht zu weit aus unserem Genre ausbrechen könnten, weil wir auf dieser Platte schon viel experimentelle Elemente eingearbeitet hatten. Das lag vor allem an unserem damaligen Neuzugang, dem Schlagzeuger Nic Ritter, denn er war eher ein technischer, progressiver Drummer, der auch älter als der Rest von uns war und nicht aus einem Thrash-Metal-Milieu stammte. Laux hat außerdem viele Death-Metal-Elemente in diese Scheibe einfließen lassen. Wir haben immer schon die Grenzen gesprengt, aber auf den früheren Alben wurden diese Songs vielleicht auf der zweiten Seite der Platte vergraben, während wir sie auf „IV: Empires Collapse“ nach vorne an den Anfang des Albums gestellt haben. Dadurch entsteht ein anderes Hörerlebnis.

Warbringer Press_Photo_09Denkst du, dass einige Fans, die euren traditionellen Thrash-Stil bevorzugt haben, vom neuen Output enttäuscht sind? Habt ihr vielleicht sogar entsprechendes Feedback bekommen?
Wir waren in der Tat ein wenig beunruhigt, dass einige Fans die gewagte Ausrichtung des neuen Albums vielleicht nicht mögen. Die meisten sagen jedoch – und darüber sind wir sehr glücklich –, dass es ihr Lieblingsalbum ist und sie verstehen und zu schätzen wissen, was wir tun. Diese Art von Feedback und Unterstützung war sehr bereichernd und inspirierend.

Was hältst du als Musikfan von Bands, die ihren Stil ändern?
Manchmal ist man verdammt, wenn man’s tut, und manchmal, wenn man’s nicht tut. Das hängt wirklich von der Band und der Richtung ab, in die sie ihre Musik lenkt. Manche Bands wachsen und entwickeln sich und nehmen ihre Fans dabei mit, während andere ihr Publikum verstimmen können oder lediglich den Eindruck erwecken, dass sie Trends hinterher jagen oder sich aus kommerziellen Gründen ausverkaufen. Wir finden, dass, wenn man mit unseren Alben vertraut ist – insbesondere den letzten beiden –, man feststellt, dass WARBRINGER schon immer versucht haben, bei einigen Tracks für eine abwechslungsreiche Mischung zu sorgen und auch mal ein paar kleinere Elemente hinzuzufügen, zu denen wir durch andere Einflüsse inspiriert wurden. Wir haben das nur deshalb gemacht, um uns selbst herauszufordern und zufriedenzustellen und eventuell die Szenegrenzen auszuloten.

Inwiefern spiegelt das Artwork, das sich auch deutlich von denen eurer vorherigen Veröffentlichungen abhebt, den Stil und die Atmosphäre des Albums wider?
Warbringer Empires ArtworkJa, beim Artwork haben wir auch einen anderen Ansatz gewählt. Wir mögen unsere ersten drei Album-Cover wirklich, aber wir wollten was komplett anderes machen. Die anderen sind sehr detailliert, diesmal wollten wir jedoch nur etwas Einfaches, das sich auf eine Sache konzentriert. Wir entschlossen uns auch dazu, dafür mit einem Freund von uns zusammenzuarbeiten, also nicht mit einem bekannten Namen. Wir finden, dass es sofort ausdrückt, dass da etwas anderes dahintersteckt, weil es kein Artwork ist, das man mit WARBRINGER oder der Thrash-Szene erwarten würde. Die Meinungen, die wir zum Artwork gehört haben, sind gemischt ausgefallen, aber es hat seinen Zweck erfüllt und die Leute dazu gebracht, stärker mit ihren Ohren als mit ihren Augen zu hören.

Worauf bezieht sich der Titel? Welche Imperien brechen auseinander?
Der Titel spannt einen weiten Bogen, aber im Allgemeinen bezieht er sich auf das aktuelle Weltgeschehen, vor allem auch auf das Geschehen hier in den USA, die Politik, die Wirtschaft und so weiter.

Denkst du, dass man „IV: Empires Collapse“ als Konzeptalbum bezeichnen könnte?
Nein, ich würde es nicht als Konzeptalbum bezeichnen. Alle unsere Alben haben ein allgemeines Motiv, das zu einigen Songs passt und an die Titel anknüpft, aber es gibt bei uns auch immer Songs über verschiedene Ideen, also ist es kein Konzeptalbum im traditionellen Sinne.

Die Inhalte der Songtexte reichen von mystischen, fantastischen Themen bis hin zu Gesellschaftskritik. Wovon lässt du dich inspirieren?
Meine Texte sind von geschichtlichen Themen, aktuellen Ereignissen und persönlichen Erfahrungen inspiriert, aber wer mag nicht hin und wieder auch ein paar abgefahrene Fantasy-Lyrics?

Warbringer Press_Photo_07Ihr seid für eure extensiven Touraktivitäten bekannt. Seid ihr so viel unterwegs, weil es in Zeiten niedriger Albumverkäufe wichtig ist, sich live einen Ruf zu erarbeiten oder liebt ihr einfach das Tourleben?
Am Anfang wollten wir aus Spaß und Abenteuerlust touren, um die Welt zu sehen. Wir haben außerdem erkannt, dass wir eine gute Live-Band sind und uns zur Schau stellen müssen, um Fans zu gewinnen. Durch unseren Manager und Agenten bekamen wir viele gute Gelegenheiten, deshalb blieben wir einfach am Ball. In dieser Zeit bekamen wir diesen Ruf als „Road Warriors“, so etwas passiert, wenn man jedes Jahr weltweit über 300 Konzerte spielt. Voriges Jahr hat uns diese Plackerei ziemlich ausgebrannt, sowohl innerhalb der Band als auch auf finanzieller und privater Ebene wurde es schwer. Darum zogen wir uns für fast ein Jahr vom Touren zurück und erholten uns, suchten uns Gelegenheitsjobs, bildeten uns weiter und arbeiteten am neuen Album. Jetzt, wo es draußen ist, sind wir wieder begeistert und begierig darauf, loszuziehen und es live vorzustellen, aber ich weiß nicht, ob wir jemals wieder einen so harten Tourplan durchführen werden. Wir mussten das frühzeitig tun, um unseren Namen und Ruf zu etablieren, aber jetzt können wir uns hoffentlich ein kleines bisschen auf unseren Lorbeeren ausruhen und eine bessere Balance finden.

Was war denn das Verrückteste, das euch auf Tour passiert ist?
Oh, so viele verrückte Dinge passieren, wenn man unterwegs ist, von Autopannen über verrücktes Wetter bis hin zu all den kuriosen Begegnungen mit Menschen, die man auf Tour trifft. Wir hatten die Gelegenheit, etliche Orte auf der ganzen Welt zu besuchen, um Shows zu spielen, andere Kulturen kennenzulernen, anderes Essen auszuprobieren und mit Menschen zusammenzukommen, mit denen wir uns zwar nicht unterhalten konnten, aber die gleiche  Begeisterung für Metal teilten.

Warbringer Press_Photo_11John, vielen Dank für das Interview. Ich würde gerne mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming abschließen – ich nenne dir ein paar Begriffe und du sagst einfach, was dir als erstes dazu einfällt:
Thanksgiving: Festessen.
Edward Snowden: Hunter-Seeker.
Synthesizers im Heavy Metal: Falsch.
Black Sun: Black Moon.
Deutschland: Gutes Bier.

Falls du noch was an unsere Leser loswerden willst, die letzten Worte gehören dir:
Danke für die Gelegenheit zu diesem Interview, wir wissen die Unterstützung aller Fans zu schätzen, bitte besorgt euch unser neues Album „IV: Empires Collapse“, kommt zu einer unserer Shows und sagt hallo.