Seit 20 Jahren sind WOLFCHANT eine feste Größe in der Pagan-Metal-Szene. Warum sie ihr neues Album „Echoes Of A Time Once Past“ trotzdem in Eigenregie über das extra gegründete Label Southern Wolfcult Records veröffentlichen, wie sich die Pagan-Szene in den letzten zwei Dekaden verändert hat und wie sich WOLFCHANT aus seiner Sicht weiterentwickelt haben, erklärt Sänger Lokhi im Interview.

Der Titel „Echoes Of A Time Once Past“ klingt nach einem bewussten Zurückblicken. Ist das neue Album ein Blick zurück über eure ja bereits 20-jährige Karriere?
Genau so ist es. Wir sind jetzt, wie du schon richtig geschrieben hast, lange mit im Geschäft und haben in der Zeit viele Höhen und Tiefen erlebt. Das ist natürlich bei den meisten Bands so, aber wenn du dann selber auf einmal in dieser Lage bist, überdenkst du natürlich alles und versuchst, die Zeit noch einmal zu reflektieren. Mit dem Ansatz gingen wir ins Songwriting und an die Produktion.
Welche Geschichte(n) erzählt ihr mit den neuen Songs?
Die Geschichten sind dieses Mal wieder bunt gemischt. Von der verführerischen, aber tödlichen Göttin („Goddess Of Fire“) bis zu den letzten Gedanken und Gefühlen kurz vor dem Tod in der Schlacht/Krieg („Lifeblood“) ist vieles mit dabei. Ich will jetzt gar nicht groß auf die einzelnen Songs eingehen, da wir denken, der Hörer soll sich selbst Gedanken machen, was wir damit meinen. Es geht aber
Inwieweit spiegelt das Artwork die Musik und die Texte der Platte wider?
Das Design ist vom französischen Künstler Pierre-Alain Durand von 3 MMI Design. Wir denken, er hat großartige Arbeit geleistet. In dem Cover wollten wir nicht nur die aktuellen Texte, sondern auch ein bisschen die Arbeit von WOLFCHANT der letzten 20 Jahre mit einfließen lassen. Es war uns wichtig, uns auch farblich von den Designs der letzten Alben abzuheben, um klar darzustellen, dass es sich hierbei um einen neuen, weiteren Abschnitt der Bandgeschichte von WOLFCHANT handelt.
Wie entstanden die neuen Songs? Habt ihr zusammen im Probenraum geschrieben oder gab es einen maßgeblichen Songwriter?
Da wir mittlerweile in ganz Deutschland verteilt sind, können wir leider nicht mehr sehr oft zum Proben oder Songwriting zusammenkommen. Wir arbeiten hier sehr viel online und schieben die Songs dann in der Dropbox hin und her. Im Normalfall kommen die Songideen von Skaahl und Seehb. Die beiden haben eigene Studios und können somit schon in der Konzeptphase komplette und gut produzierte Songs abliefern. An denen arbeiten wir dann gemeinsam, passen die Texte oder Songstrukturen an, bis der Song dann für alle passt. Das kann manchmal ein paar Wochen, manchmal ein paar Monate bis hin zu Jahren dauern.
Hat sich eure Herangehensweise an das Schreiben von Texten und Musik im Laufe eurer langjährigen Bandgeschichte verändert?
Ja, das hat sich tatsächlich komplett verändert. Das war aber ein natürlicher Prozess, der sich irgendwie automatisch mit der Erfahrung eingestellt hat. Auch, wie sich ein Song für uns anhören soll oder welches Gefühl wir letzten Endes damit rüberbringen wollen, hat sich während dieser Zeit weiterentwickelt. Auch die Fähigkeiten der Musiker sind natürlich gereift, was dann ebenfalls neue Möglichkeiten beim Komponieren eröffnet.
Welche Merkmale eures Sounds habt ihr beibehalten und wo habt ihr bewusst neue Akzente gesetzt?
Für uns ist es wichtig, dass der Song episch ist und der Refrain eine eingängige Komponente hat. Der Rest drumherum kann vom Black Metal bis zum Melodic Death Metal Einfluss alles beinhalten, was wir gerade für richtig empfinden. Dieses Mal wollten wir die Geschwindigkeit der Songs etwas nach oben schrauben und auf keinen Fall einen „lustigen“ Trink- oder Schunkelsong auf dem Album haben.
Wie würdest du das neue Album ganz spontan in drei Worten charakterisieren?
Episch, abwechslungsreich und ehrlich.

Wie würdest du die neue Scheibe in euer Gesamtwerk einordnen – Fortführung oder bewusst gesetzter neuer Akzent?
Es ist definitiv ein neuer Akzent in unserer Bandgeschichte. Dieser ist aber schon ein Stück weit natürlich entstanden. Wir planen nicht im Vorfeld, wie sich alles anhören muss. Im Prinzip steht das musikalische Werk für die momentanen Charaktere der Band.
Ihr habt das Album in eurem eigenen Studio aufgenommen. Welche Vorteile ergeben sich für euch aus diesem Setting? Hattet ihr zu irgendeinem Zeitpunkt das Gefühl, dass euch externer Input fehlt bzw. weiterhelfen würde?
Wir haben die letzten 3 Alben ja auch schon bei Skaahl im Studio aufgenommen und dann nur zum Mastern und Mischen weitergegeben. Dieses Mal hat Skaahl alles gemacht. Er hat über die Jahre sehr viel Studioerfahrung gesammelt und wir sind mit dem Ergebnis absolut zufrieden. Für uns bedeutet das eigene Studio in erster Linie unbegrenzt Zeit und völlige Freiheit. Dass man hier auch viel Geld sparen kann, steht ebenfalls außer Frage. Der externe Input hat uns nicht gefehlt. Tatsächlich fragen wir immer eine Gruppe von Freunden und Bekannten, wie ihnen die Songs gefallen, heißt, ab einem bestimmten Zeitpunkt darf dieser Personenkreis schon mal reinhören.
Zudem erscheint das Album auch auf eurem eigenen Label. Wie kam es dazu?
WOLFCHANT passt vom Konzept und auch von den Verkaufszahlen nicht zu einem aufstrebenden oder großen Label, das sich weiterentwickeln will und muss. Wir haben uns in aller Freundschaft von Reaper Entertainment getrennt und sind nach wie vor befreundet. Für uns bedeutet das eigene Label absolute Freiheit in jeder Entscheidung und in allem, was wir tun. Wir haben über die Jahre so viele gute und nette Kontakte kennengelernt, dass wir auch alles selber machen können.

Welche Vorteile bietet euch dieses Vorgehen – aber welche Nachteile andererseits?
Vorteil ist, dass wir alles selber entscheiden können und nach unserem eigenen Zeitplan vorgehen können. Nachteil ist, dass es natürlich viel mehr Arbeit macht. Mit Oktober Promotion und Hamburg Records haben wir uns aber sehr professionelle Partner gesucht.
Kannst du schon etwas darüber sagen, wie sich „Echoes Of A Time Once Past“ bei euren anstehenden Shows in den Setlists wiederfinden wird?
Wir haben drei Songs in die Setlist mit aufgenommen, welche, sage ich, aber noch nicht.
Habt ihr, über die bereits angekündigten hinaus, noch weitere Live-Termine in Planung?
Ja, da gibt es schon einiges. Alle Termine kann man immer auf unseren Websites finden!
Seit 20 Jahren seid ihr Teil der Pagan-Metal-Szene. Wie hat sich diese in dieser Zeit verändert? Wo siehst du Konstanten?
Die Szene ist viel kleiner geworden, aber für die Bands, die ihr treu geblieben sind, hat sich das auch teilweise ausgezahlt. Es war kein Nachteil für uns, unser Ding weiter durchzuziehen und keinem Trend hinterherzurennen. Momentan gibt’s wieder einen spürbaren Aufwind und ich bin gespannt, wohin sich das entwickelt.
Vielen Dank für deine Antworten, zum Abschluss noch unser Metal1.info-Brainstorming:
AMON AMARTH: wichtige Band fürs Genre, die ich immer noch gerne höre, auch wenn ich mit den letzten Alben weniger anfangen konnte.
Donald Trump: Hier halten wir es wie die letzten 20 Jahre auch. Keine Aussage zu Politik oder Politiker.
Power Metal: Der große gemeinsame Nenner aller WOLFCHANT-Mitglieder und großer Einfluss auf die Band.
Alkoholfreies Bier: Finde ich nach wie vor Scheiße
WOLFCHANT in zehn Jahren: Wir wären froh, wenn wir dann noch dabei sind und es noch Fans gibt, die uns hören wollen.
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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