Apocalyptica

  • Innsbruck, Music Hall
  • 07. Juli 2017

Als Eicca Toppinen 1996 erstmnals die Idee hatte, Metallica-Songs auf Celli umzuarrangieren, hätte er sich vermutlich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, welche Kreise dies ziehen wird. 20 Jahre nach der Veröffentlichung von „Plays Metallica by Four Cellos“ standen APOCALYPTICA unter anderem mit Rammstein und Metallica selbst auf der Bühne. Zum Jubiläum touren sie nun mit eben jenem Album, das ihnen den Weg auf die großen Bühnen ebnete, um die ganze Welt. Ein Abstecher führt die vier Finnen dabei – kurz nach Beginn der Open-Air-Saison – auch nach Innsbruck. Im Vergleich zur Royal Albert Hall in London und der Philharmonie in München ist die Music Hall eine klassische Konzerthalle. Im Laufe des Konzerts verwandelt sich diese allerdings in einen tobenden Hexenkessel.

Die letzten 20 Jahre waren bei APOCALYPTICA von zahlreichen Veränderungen geprägt: erst ein Schlagzeug, später ein Sänger und zuletzt mit „Shadowmaker“ 2015 ein zumindest umstrittenes Album. Was in all der Zeit geblieben zu sein scheint, ist die ungeheure Beliebtheit der Anfänge. Insofern haben die Nordeuropäer ihr Erstlingswerk anlässlich des 20. Geburtstages in technisch überholter Form mit drei Bonus-Songs nochmals unter das Volk gebracht. „Enter Sandman“ und „Master of Puppets“ eröffnen den Reigen und sorgen nicht nur bei eingefleischten Fans sofort für wohlige Gänsehaut-Atmosphäre. Erwartungsgemäß bleibt die gesamte Darbietung an diesem Abend instrumental, so dass die (mehr oder weniger) talentierten Sänger ausnahmsweise vor der Bühne zu finden sind. Diese geben sich in Innsbruck bereits zu Beginn große Mühe, explodieren aber erst im weiteren Verlauf des Abends.

In der ersten Hälfte spielen APOCALYPTICA ihr Debüt exakt in der gleichen Reihenfolge wie auf CD. Neben den größten Metallica-Hits mutiert an diesem Abend besonders „Welcome Home (Sanitarium)“ als Abschluss vor der Pause zu einem der großen Highlights der ersten 45 Minuten. Die Ansprachen von Eicca fallen kurz aus, insgesamt beschränken sich die Nordeuropäer größtenteils auf ihre Musik und lassen ihre Instrumente sprechen: Während Perttu und Eicca im Zentrum die Bühne rocken und für die notwendige Show bei der Inszenierung sorgen, versteckt sich mit Antero Manninen der vermutlich stärkste Instrumentalist den gesamten Abend hinter seiner Sonnenbrille am Rand der Bühne. Seinem Spitznamen „Mr. Cool“ macht er dabei alle Ehre, nur widerwillig erhebt er sich für eine Verbeugung vor der jubelnden Menge. Paavo Lötjönen stachelt zu Beginn des Konzerts die Menge immer wieder an, wird aber zunehmend arbeitsloser und widmet sich folglich vermehrt seinem Cellospiel. Kein Zweifel: Die vier Musiker sind aufeinander eingespielt, die Spielfreude überträgt sich fix auf den gesamten Saal und die hervorragende Stimmung wertet die instrumentale Darbietung ordentlich auf. Dazu gab ein astreiner Sound und eine stimmungsvolle Lichtshow.

Dies gilt auch für die zweite Hälfte, in der sich APOCALYPTICA mit Schlagzeuger Mikko verstärken. Die Musikauswahl bleibt im Metallica-Kosmos verhaftet und beginnt mit einem hervorragenden „Fade To Black“. Zur weiteren Songauswahl gehören u.a. „Until It Sleeps“, „Orion“ und „Escape“, welches nach Aussage von Eicca als Grundlage für viele Metallica-Hits diente. Teilweise gehen die einzelnen Lieder fließend ineinander über, so dass die Ankündigung des letzten Songs nach „Battery“ für viele überraschend früh kommt. „Seek And Destroy“ ist nach „Battery“ der zweite Bonustrack, der es in die Live-Setliste schafft und für ein fulminantes, zwischenzeitliches Ende sorgt. Den wahren Konzertabschluss feiern die Finnen dann mit dem 3. Bonus „Nothing Else Matters“ und „One“, welches auch 2017 immer noch tagesaktuellen Bezug zum Weltgeschehen hat. Allein der Kontrast der letzten beiden Stücke fasst das überaus gelungene Gastspiel der Cello-Rocker hervorragend zusammen. Viel Gefühl und Virtuosität gepaart mit notwendiger Energie vor und auf der Bühne lässt die rund 90 Minuten wie im Flug vergehen.

Mit „Plays Metallica By Four Cellos“ waren APOCALYPTICA noch vor YouTube und Co. echte Vorreiter der Cover-Musik. Inzwischen ist dieses Konzeot inflationär kopiert und weiterentwickelt worden, größtenteils allerdings ohne jene Kreativität, die 1996 vier Finnen eine musikalische Zukunft gegeben hat.

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