Black Sabbath /w Soundgarden

  • München, Königsplatz
  • 13. Juni 2014

 

black-sabbath-on-tourWer hätte es gedacht: BLACK SABBATH finden nach 25 Jahren und unzähligen Querelen doch wieder zusammen – fast in Originalbesetzung. In Folge des schier unendlichen medialen Tohuwabohus ist die musikalische Bandbreite dessen, was es am 13. Juni in München potentiell zu erwarten gilt, beinahe unermesslich: Bankrotte Altstars, die mehr schlecht als recht versuchen, an alte Zeiten anzuknüpfen und über persönliche Befindlichkeiten stolpern? Oder Legenden des Heavy Metal, die ihre Differenzen beiseite packen und ihren jüngeren Nachfolgern noch einmal ordentlich in den Arsch treten? Schon früh wird klar, in welche Richtung sich der Abend entwickelt…

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Doch der Reihe nach: Bevor Black Sabbath den Königsplatz erschüttern, feiert eine weitere Band ihre Reunion in München: SOUNDGARDEN. Die Grunge-Rocker sind hörbar stolz auf ihren Support-Slot für Ozzy und Co., nicht nur weil sie selbst nach über 20 Jahren ebenfalls wieder in Originalbesetzung unterwegs sind – mit Ausnahme von Schlagzeuger Matt Cameron. Im Falle von SOUNDGARDEN handelt es sich dabei um jene Personenkonstellation, mit der die Combo und Hits wie „Black Hole Sun“ ihre größten Erfolge gefeiert hat. Eben dieser Ausnahmesong darf natürlich nicht fehlen, ebenso wenig wie „Jesus Christ Pose“. Überzeugend ist der Auftritt insgesamt allerdings nicht, da vor allem Sänger Chris Cornell keine gute Leistung abliefert und die Show relativ spurlos am Münchner Publikum vorbei zieht. Entsprechend gestaltet sich auch die Stimmung auf dem weitläufigen Areal, welche nur segmentiell vorhanden ist – wenn überhaupt.

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Freitag, der 13.: nicht irgendein Tag. Abgesehen vom verbreiteten Aberglauben an das allgegenwertige Unglück an diesem Tag haben BLACK SABBATH ihr neues Werk ebenfalls schlicht „13“ getauft. Ironie des Schicksals, dass die Altstars am 13. Juni 2014 und bei Vollmond in München zu Gast. Andererseits passend, wenn man bedenkt, dass sich Ozzy und Co. textthematisch größtenteils den Schattenseiten des Lebens verschrieben haben. Ihren Fans verschaffen sie an jenem Tag trotz (oder wegen?) des vordergründig schlechten Omens einen wahren Glückstag. Und auch all jene, die keinen der Hits – vielleicht mit Ausnahme des Rausschmeißers „Paranoid“ – mitsingen können, wissen danach, warum BLACK SABBATH ihren Ruf als Legende genießen. Mit Fug und Recht müssen selbst neutrale Beobachter eingestehen, dass 90 Prozent aller Nachwuchsformationen nach dieser Machtdemonstration eines Konzerts ganz kleine (Metal-)Brötchen backen sollten, bevor sie sich in einem Atemzug mit Ozzy und Co. nennen.

Black SabbathBLACK SABBATH entführen ihre Fans in die tiefste Vergangenheit mit Vorzeigestücken von ihrem 1970er Werk, welches den gleichen Titel trägt wie die Band, der dazugehörige Song und damals an einem Freitag den 13. erschienen ist. Jenes Lied wird eindrucksvoll begleitet von künstlichen Regenschauern auf den beiden Leinwänden hinter den vier Musikern sowie metallischem Glockenläuten und finsteren Riffs aus der Gitarre von Tony Iommi.
Bassist Geezer Butler eröffnet „N.I.B.“ mit einem schleppenden Solo, welches wenig später lediglich von Tommy Clufetos am Schlagzeug überboten wird, der sein One-Man-Show vor „Iron Man“ mit einer imposanten Mischung aus Tempo und Präzision meistert – und nebenbei dadurch allen ursprünglichen Sabbath-Mitgliedern eine verdiente Verschnaufpause verschafft. Allgemein ist der langhaarige Berserker ein idealer Taktgeber für Ozzy, Iommi und Butler. Dass mit Bill Ward der ursprüngliche Drummer nicht mit an Bord ist, dürften selbst hartgesonnene Anhänger auf Grund dieser Performance locker verschmerzt haben.

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Und Ozzy? Die früheren Alkohol- und Drogenprobleme merkt ihn an diesem Abend niemand an. Zwar wiederholt er sich mehrfach bei seinen Ansagen, doch nimmt sich selbst und seine Eskapaden auch mit Humor, als er sich beispielsweise direkt zu Beginn mit „Hello, my name is John and I’m an alcoholic“ vorstellt. Stimmlich überzeugt der Altmeister bei den lauten wie leisen Tönen – natürlich nicht mehr ganz so wie in früheren Zeiten, aber mehr als man es nach all den Jahren erwarten konnte. Sein „What is this, that stands before me? Figure in black that points at me.“ vor „Black Sabbath“ jagt wohl allen Anwesenden eine Gänsehaut über den Rücken. Abseits davon verzichtet der Sänger und Reality-Soap-Star auf abgebissene Fledermausköpfe und dergleichen. Dafür leisten parallel zur Musik die Videowände auch abseits des Regelprasselns bei „Black Sabbath“ gute Arbeit: Zu „Under The Sun“ sieht man dort beispielsweise historisches Filmmaterial aus den 70er Jahren, auf denen Menschen in den USA gegen die „satanische Musik“ auflehnen. In der zweiten Konzerthälfte zeigen BLACK SABBATH dort statt Protesten lieber nackte Tatsachen.

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Durch die Krebserkrankung von Tony Iommi darf bezweifelt werden, dass es in absehbarer Zeit (oder auch überhaupt) eine Rückkehr des Quartetts nach München geben wird. Und auch nach über zwei Dekaden Pause hat sich das Erfolgsrezept von BLACK SABBATH nicht verändert: die dunklen Riffs von Tony gesellen sich zu den finsteren Texten von Geezer und werden von Ozzys heller Stimme quasi veredelt. Vier Songs des aktuellen Albums „13“ schaffen es auf die Setliste am Königsplatz. Sonst bewegen sich Sabbath zwischen ihren Vorzeigealben „Paranoid“ und „Black Sabbath“. Von „War Pigs“ über „Snow Blind“ bis zu den bereits erwähnten Titeltracks und „N.I.B.“ spielen sich die vier Musiker, allesamt dezent in schwarz gekleidet, durch ihre Anfangsjahre. Und wenn „Paranoid“ das letzte Lied ist, das BLACK SABBATH je in München spielen werden – es hätte insgesamt nicht besser enden können.

Setlist:2014tour
01. War Pigs
02. Into The Void
03. Under the Sun / Every Day Comes And Goes
04. Snow Blind
05. Age Of Reason
06. Black Sabbath
07. Behind The Wall Of Sleep
08. N.I.B.
09. End Of The Beginning
10. Fairies Wear Boots
11. Rat Salad
12. Iron Man
13. God Is Dead?
14. Dirty Women
15. Children Of The Grave

16. Paranoid

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