Konzertbericht: Caliban w/ As Blood Runs Black, Adept, For Today

2011-05-04 Frankfurt, Batschkapp

CALIBAN in der Batschkapp – der Blick auf den letzten Tourplan der Ruhrpöttler ließ mich erfreut dreinschauen, da ich die Band zwar bereits drei mal, jedoch noch nie in besagter Location in Frankfurt am Main gesehen hatte. Als Support waren diesmal FOR TODAY, ADEPT und AS BLOOD RUNS BLACK dabei.

FOR TODAY machten den Start, und wie zu erwarten war, war das, was dargeboten wurde, recht abwechslungsarmer Metalcore. Verstärkt wurde dieser Eindruck durch den zu dieser Zeit noch schlecht abgemischten Sound, sodass die einzelnen Gitarren eher schlecht als recht rauszuhören waren. Während über die Musik nicht mehr als das gesagt werden brauchte, was im ersten Satz steht, war lediglich eine Ansage von Sänger Mattie Montgomery bemerkenswert: Nachdem die Band etwa die Hälfte ihres Sets gespielt hatte, hielt er es für notwendig, die anwesenden Zuschauer erstmal minutenlang darüber zuzuschwafeln, wie viel von Jesus Christus in jedem der Bandmitglieder, in der Batschkapp, dem Mosh Pit, und jedem zahlenden Gast steckte – und das Jesus Christus (und nur der) – dafür verantwortlich war, dass FOR TODAY an diesem Abend spielen konnten und durften. Lustigerweise erntete er sogar Applaus dafür, vielleicht wollten sie sich auch einfach darum drücken, noch einen Song mehr zu spielen.

ADEPT, die einen geschätzten Altersdurchschnitt von nicht mal 18 Jahren aufwiesen, waren musikalisch auch nicht besser, und hatten an diesem Abend offenbar auch weniger Fans, da die Menge vor der Bühne bei Weitem nicht so enthusiastisch mitfieberte wie zuvor bei FOR TODAY. Außerordentlich bemerkenswert war hier nur – nein, nicht die Musik – das einmalig repetitive Riffing des Lead-Gitarristen, der seinen Zeigefinger während dem ganzen Auftritt (ungelogen) IMMER auf dem selben Bund hatte, und davon abgesehen gefühlt drei Töne in jeweils unterschiedlicher Reihenfolge spielte. Will heißen: Wer ADEPT nicht sah, sondern während dem Auftritt auf dem Klo, rauchen oder sich an der Bar betrinken war, verbrachte seine Zeit sinnvoller.

Nach den ziemlich entbehrlichen Auftritten von FOR TODAY und ADEPT ging es dann weiter mit AS BLOOD RUNS BLACK, bei denen ich mir schon einige Hoffnungen machte, dass sich das musikalische Niveau bessern würde, denn Gitarrist Marc hatte sie mir vor der Show als sehenswert empfohlen. Letztendlich gab es aber auch zu AS BLOOD RUNS BLACK nicht erheblich viel mehr zu sagen als zu den beiden vorangegangenen Bands, denn die Kalifornier schafften es mühelos, meine Erwartungen, die ohnehin in Richtung des Nullpunkts gingen, zu unterbieten: Saft- und kraftlose Riffs paarten sich mit den immer gleichen Strukturen der Songs, die so vorhersehbar waren, dass es fast schon komisch wirkte: Stets ging es mit einem Gitarrenpart los, welchen Gitarrist Dan Sugarman ein paar Takte lang spielte, Rhythmus-Gitarrist Kirkpatrick spielte einen Powerchord zur Untermalung, das Schlagzeug setzte ein, es folgte ein Blastbeat. Darauf ein Breakdown, ab und zu mal ein Hardcore-Groove, doch abgesehen von der Wiederholung der Riffs vom Anfang hatten AS BLOOD RUNS BLACK von da an vorrangig Breakdowns anzubieten – was die Songwriting-Qualitäten anbelangt, war das wohl eher noch schlechter als das, was ADEPT und FOR TODAY vorher anzubieten hatten. Mit fortlaufender Dauer erhöhte sich allenfalls die Anzahl der Feedbacks, die Sugarman durch die Verstärker jagte.

Wem AS BLOOD RUNS BLACK nicht gefielen, der durfte sich auch über die nervige Performance von Frontmann Sonik Garcia lustig machen, dessen kindisches Rumgehampel auf der Bühne wirkte, als wolle er irgendwen parodieren(das war aber offenbar leider nicht der Fall). Seine Ansagen kamen indessen stets rüber, als wolle er besonders cool wirken, da er die ganze Zeit einen „Yo Frankfurt, what’s up“-Tonfall in seine Stimme legte. Das kam bei den vorderen Reihen zwar gut an, der Rest dürfte das wohl auch nicht so überzeugend gefunden haben. Dementsprechend gab es zwar auch einige Circle Pits, diese setzten sich aber vorrangig aus Fans der unteren Altersklassen (zwischen zwölf und 16 Jahren) zusammen, die bereits bei den vorangegangenen Bands nicht zu stoppen gewesen waren.
Mag sein, dass die Amis auf Platte besser klingen, als man es an diesem Abend zu hören bekam – für mich war es jedoch eine äußerst spannungsarme Show, bei der es nicht einen einzigen Lichtblick gab.

Gegen kurz nach 22 Uhr war es dann endlich Zeit für die Headliner von CALIBAN, der an diesem Tag ersten und einzigen Band, von der man Qualität gewohnt ist und erwarten kann. Merkwürdigerweise schienen das nicht alle so zu sehen: Es war zu diesem Zeitpunkt deutlich leerer als zuvor bei AS BLOOD RUNS BLACK – eventuell war für einige sehr junge Fans um 22 Uhr Ende Gelände, man weiß es nicht.
Die Umbauphase vor der Show zog sich vor Allem dadurch, dass CALIBAN ein großes scharlachrotes Stoffbanner mit der Aufschrift CLBN über der Bühne platzieren wollten, was nicht so recht klappte – da es auch nach einigen Veränderungen immer noch mehr schlecht als recht an der Wand hing. Sänger Andi erklärte dazu später, das sei eine Anspielung auf den New Yorker Club CBGB’s. Der Sinn des Ganzen erschloss sich mir nicht ganz.
Doch zur Musik: Da gab es nämlich bei CALIBAN auch an diesem Abend keine Überraschungen: So begannen die Essener wie gewohnt mit „Love Song“ und dem schnellen „Life Is Too Short“, bevor ein sichtlich gut gelaunter Andi Dörner bei „No One Is Safe“ zur Wall Of Death bat. Das Publikum ließ sich das nicht zweimal sagen – dennoch war die Wall Of Death an diesem Abend eher mager, im Vergleich zum letztjährigen Konzert in München oder dem Auftritt von CALIBAN auf dem Beastfest 2010 in Wiesbaden kaum der Rede wert. Davon schien sich Sänger Andi aber nicht beeindrucken zu lassen. Als nächstes boten CALIBAN dann einen Song von ihrer neuen EP „Coverfield“, den alten Type O‘ Negative-Song „My Girlfriend’s Girlfriend“. Er mühte sich redlich, ein wenig Werbung für die EP zu machen, und bat um Verständnis dafür, dass nur vier Songs drauf seien (und zwar mit dem guten Argument „Besser nur vier als gar keiner.“). Der Song kam live aber sehr gut rüber.
Ein Problem, das man mit CALIBAN haben kann, wenn man sie öfter sieht, ist, dass man irgendwann weiß, wie das Konzert ablaufen wird, da die Setlist stets beinahe identisch ist. Auch mir wurde es zwischendurch fast schon langweilig, und auch im Publikum war nicht die ganz große Begeisterung zu spüren. Was man den Essenern aber zu Gute halten muss, ist, dass sie das, was sie in eben genannter Hinsicht an Abwechslung vermissen lassen, mit einer unheimlichen Spielfreude wettmachen: Sei es Gitarrist Marc Görtz, der seine Gitarre wieder ein ums andere Mal schwang wie eine Axt, und unablässig das Publikum animierte oder Dörner selber, der ununterbrochen in Bewegung war und gegen Ende auch einen Stagedive hinlegte (dabei allerdings nach einigen Metern von seinem Mikrokabel gestoppt wurde) – CALIBAN gaben auch an diesem Abend wieder einhundert Prozent. Mit dem sing-along-tauglichen „Nothing Is Forever“ beschlossen CALIBAN schließlich die reguläre Setlist, und als das Publikum vehement Zugaben forderte, kehrten sie nochmals für ihre Interpretation von „Sonne“ und für „It’s Our Burden To Bleed“ auf die Bühne zurück – spätestens hier war aber beim Publikum ein wenig die Luft raus.

Insgesamt muss man außerdem sagen, dass 22 € für das an diesem Abend gebotene Billing zu viel waren. FOR TODAY, ADEPT und auch die im Vorfeld angepriesenen AS BLOOD RUNS BLACK erwiesen sich als echte Vollflops, da hier musikalisch wirklich Hopfen und Malz verloren war. Für Fans von CALIBAN, die sie an diesem Abend zum ersten Mal sahen, dürfte es okay gewesen sein, alle Anderen haben sicher schon stimmungsvollere Shows erlebt

Tracklist CALIBAN:01. Love Song
02. My Time Has Come
03. Life Is Too Short
04. No One Is Safe
05. My Girlfriend’s Girlfriend (Type O‘ Negative Cover)
06. Walk Like The Dead
07. Another Cold Day
08. 24 Years
09. I Will Never Let You Down
10. All I Gave
11. Nowhere To Run, No Place To Hide
12. Nothing Is Forever
13. Sonne (Rammstein-Cover)
14. It’s Our Burden To Bleed

Unter Mitarbeit von Christian Heckmann (Gastredakteur)

Publiziert am von Pascal Stieler

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