Combichrist w/ William Control

  • München, Backstage Werk
  • 24. November 2014

combichrist tour

2011, nach ihrer Tour als Support von Rammstein, konnten COMBICHRIST das Backstage Werk problemlos füllen. Heute, drei Jahre später, scheint das Konzert der Industrial-Truppe aus Norwegen vor allem deswegen im Werk stattzufinden, weil die anderen Hallen von noch kleineren Bands besetzt sind: Trotz abgehängter Seiten füllt sich der Saal selbst für einen Montagabend in München nur langsam – nicht zuletzt vermutlich aufgrund des eher unbekannten Support-Acts.

WilliamControl

SONY DSCPünktlich um 20:00 Uhr beginnt WILLIAM CONTROL, der Elektro-Elvis aus Seattle seine Show – vor einem überschaubaren Publikum aus allenfalls 150 Fans. Mit Tolle und Anzug setzt sich der Amerikaner zumindest optisch vom gängigen Szene-Look ab. Musikalisch hingegen bietet er eher Unspektakuläres: Ein paar nette Beats, unterstützt von Bass und Schlagzeug, sowie wenig individueller Gesang ergeben einen gefälligen, aber austauschbaren Sound irgendwo zwischen De/Vision und Pain. Das spektakulärste Element der Show bleibt die Kunstfertigkeit, mit der Fronter WILLIAM das Mikrofon herumwirbelt. Bezeichnend.

Combichrist_Logo

Um 21:00 ist es dann auch schon Zeit für COMBICHRIST. Doch vor den Gig haben die Götter das Intro gesetzt: So gibt es zunächst eine langatmige Orchester-Version des Hits „What The Fuck Is Wrong With You People“ in voller Länge zu hören, bevor das als Einlaufmusik viel besser geeignete Intro von „We Were Made To Love You“ erschallt und COMBICHRIST das Publikum endlich aus der zwangsverordneten Trance reißen. Wie immer gut gelaunt sorgen Andy und Konsorten direkt für Stimmung – wirklich ausgelassen geht es dennoch nicht zu. Für einen verschwitzten Club-Gig ist das Werk (trotz abgehängter Seiten) zu groß, für einen tobenden Saal ist es (trotz einer mittlerweile ansehnlichen Zuschauerzahl) zu leer – und obwohl Andy nicht müde wird, zu betonen, Montag sei der neue Samstag, wirkt das Publikum davon auch nicht vollends überzeugt: Einen Moshpit oder ausgelassene Tänzer sucht man vergebens; Mitklatschen und ein Bisschen hüpfen ist das Maximum an Einsatz, den das Publikum zu zeigen bereit ist.

SONY DSCEchte Gründe zum Ausrasten bieten COMBICHRIST heute jedoch auch wenig – auf echte Überraschungen wartet man nämlich vergebens: So wirken Showelemente wie das obligatorische Umkippen von Toms und Herumwerfen von Sticks durch Drummer Joe Letz nach all den Jahren etwas abgenutzt und eher affektiert als impulsiv – und auch die Setlist hält wenig Unerwartetes bereit: Zwar finden auch die unverzichtbaren Hits wie „Blut Royale“, „Shut Up And Swallow“ oder „Get Your Body Beat“ ihren Weg ins Set, der Fokus liegt aber klar auf dem Material des letzten Albums. Zwar vermag der aggressive Livesound sowie Neuzugang Eric 13 an der Gitarre die Songs etwas aufzuwerten, ganz lässt sich die Schwäche des Materials vom aktuellen Machwerk „We Love You“ jedoch nicht kaschieren. Nach einer knappen Stunde ist das Hauptset bereits zu Ende. Zwar kommen COMBICHRIST noch einmal zurück und geben zum Abschluss mit „What The Fuck Is Wrong With You?“ und dem abschließenden Medley aus „Sent To Destroy“ und „We Were Made To Love You“ auch nochmal richtig Gas – abzüglich des überlangen Intros und der Wartezeit auf die Zugabe kommen COMBICHRIST allerdings dennoch auf allenfalls 70 Minuten Spielzeit … nicht eben lang für satte 30€ an der Abendkasse.

Setlist COMBICHRIST:SONY DSC
— What The Fuck Is Wrong With You? (Orchester-Version, Intro)
01. We Were Made To Love You
02.
Today I Woke To The Rain Of Blood
03. Blut Royale
04. This Is My Rifle
05. Can’t Control
06. Throat Full Of Glass
07. Maggots At The Party
08. Denial
09. Never Surrender
10. Shut Up And Swallow
11. Get Your Body Beat
12. Razorblade Love
13. What The Fuck Is Wrong With You?

14. Sent To Destroy / We Were Made To Love You
— Retreat Hell, Part 2 (Outro)

Wer COMBICHRIST heute zum ersten Mal gesehen hat, dürfte mit der Show zufrieden sein – bei allen anderen könnte berechtigte Unzufriedenheit mitschwingen: Mag es am Wochentag, an der Halle, am Publikum oder eben doch am neuen Material liegen – man hat COMBICHRIST jedenfalls schon intensiver erlebt als am heutigen Abend. Wett macht die Band dies durch ihr sympathisches Auftreten – insofern dürfte zumindest das Wichtigste sichergestellt sein: Wenn COMBICHRIST das nächste Mal in München zu Gast sind, werden die Fans wiederkommen.

Die Tour macht noch in folgenden deutschen Städten halt:
28.11. Krefeld – Pluswelt Festival (Kulturfabrik)
16.12. Hannover – Musikzentrum
17.12. Erfurt – HsD Gewerkschaftshaus
18.12. Weinheim – Cafe Central
19.12. Hamburg – Markthalle

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