Review Combichrist – This Is Where Death Begins

COMBICHRIST haben zweifelsohne schon einiges erreicht: War das Projekt zunächst in Gothic-Kreisen als EBM-Geheimtipp beliebt, brachte Mastermind Andy LaPlegua die Truppe in nur sechs Jahren bis ins Vorprogramm von Rammstein. Dass die Band hier richtig gut ankam, war wenig verwunderlich – wussten COMBICHRIST doch immer schon mit energiegeladenen Liveshows zu begeistern.

Dass das so erarbeitete, neue Popularitätslevel allerdings nur schwer zu halten sein würde, war vorherzusehen. Der qualitative Niedergang der Band, was ihre Studioalben angeht, nicht. Hinterließ schon „Making Monsters“ (2010) das unbefriedigende Gefühl, dass hier deutlich mehr drin gewesen wäre, enttäuschte der Nachfolger „We Love You“ (2014) mit einem kruden Stilmix und viel zu vielen Lückenfüllern auf ganzer Linie. Die Ehrenrettung obliegt nun also „This Is Where Death Begins“. Schon das Cover lässt einen neuerlichen Stilwechsel erahnen.

Dass dieser so grob ausfallen würde, war dennoch nicht vorherzusehen: Um Eric13 an der Gitarre verstärkt, überraschen COMBICHRIST gleich beim Opener „We Are The Plague“ mit extrem rifflastiger, aggressiver Gitarrenmusik: Beats, wie sie früher stilprägend waren, sucht man vergebens – stattdessen überraschen COMBICHRIST in „My Life My Rules“ mit einem Gitarrensolo in bester Metal-Manier. Simples, stampfendes Schlagzeug und schneidige Gitarren lassen erahnen, dass auch diese Songs live für ordentlich Stimmung sorgen dürften – mit COMBICHRIST, wie man sie noch von „We Are All Demons“ her kannte, hat das Material indessen nur wenig zu tun.

Das wäre an sich kein Problem, könnten COMBICHRIST das Niveau der ersten beiden Stücke halten. Allein, bereits bei Song Nummer drei – dem über weite Strecken minimalistischen Elektro-Stück „Glitchteeth“ – ist irgendwie die Luft raus: Marilyn-Manson-Anleihen hin oder her – die Nummer kann man getrost vergessen. Dass COMBICHRIST im Folgenden noch einiges durchprobieren, sich in „Exit Eternity“ noch einmal kurz ihrem angestammten Stil nähern, bevor sie in „Skullcrusher“ fast punkig zu Werke gehen und mit „Destroy Everything“ dann nochmal die ganz harten Riffs auspacken, ändert nichts daran, dass sich „This Is Where Death Begins“ alles in allem als ziemlich lahme Nummer offenbart: Wenn LaPlegua dem Hörer zur Albummitte hin kundtut, er sei „Tired Of Hating You“, ist er nicht der einzige, bei dem sich Ermüdungserscheinungen bemerkbar machen.

Irgendwo zwischen Mid- („Don’t Care How You Feel About It“) und Downtempo („Blackened Heart“), primitivem Riffing („Slact“) und mäßig spannenden Beats („Pay To Play“) versickert dann auch der Rest der vollen Stunde Spielzeit, die COMBICHRIST dem Hörer rauben. Dass bei alledem der Gitarrensound lange nicht mit so viel Punch daherkommt, wie es das aggressive Songwriting erfordern würde, beraubt schlussendlich auch die schnellen Songs gänzlich ihrer Dynamik.

Wer auch immer in „Black Tar Dove Pt. 1“ so wehklagend Schreit – als Hörer kann man es nach nunmehr 13 Songs nachvollziehen: Die Enttäuschung ist mal wieder groß. Daran ändern auch die letzten beiden Nummern nichts mehr – wennschon das finale „Homeward“ mit einigen Icon-Of-Coil-Reminiszenzen zu den Highlights des Albums gehört.

Mögen ausgewählte Songs in der Live-Umsetzung schlussendlich auch noch so gut funktionieren – der Großteil des hier gebotenen Materials kommt über den Status „Füllmaterial“ nicht hinaus. Aufgewertet wird der Release allenfalls durch das wirklich umfangreiche Bonusmaterial (siehe Tracklist), das Out Of Line dem Album in den beiden limitierten Editionen wohl nicht grundlos zur Seite gestellt haben. Ob das allein den Preis von 30€ für die umfangreichste Version wert ist, sei dahingestellt. Mit dem Kernbestandteil der Veröffentlichung, dem neuen Studioalbum, enttäuschen COMBICHRIST nach „We Love You“ jedenfalls einmal mehr – und das trotz neuerlichem Stilwechsel. „This Is Where Death Begins“? Allenfalls der Tod durch Langeweile.

Wertung: 4.5 / 10

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4 Kommentare zu “Combichrist – This Is Where Death Begins

  1. Ich für meinen Teil finde das Album ziemlich gelungen. Anfänglich war ich zwar etwas skeptisch, aber das war schnell verflogen.

    1. Ich kann mich einfach schon nicht mit dem Sound anfreunden. Und so erfreulich es ist, dass CC wieder etwas härter geworden sind, fehlt mir einfach der Aggrotech-Anstrich, der die echten Hits der Band wie „Body Beat“ etc. ausmacht.

  2. Guter Punkt, dass Combichrist live ziehen, denn tatsächlich dachte ich mir damals als Support von Rammstein: Ah, die gehen aber gut ab! Die neueren Alben hingegen sind ernüchternd. Schade.

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