Review Combichrist – One Fire

Als rein elektronisches Aggro-Tech-Projekt gegründet, näherte sich COMBICHRIST über die Jahre immer weiter der Metal-Szene an: Zunächst in der Live-Unsetzung mit zwei Drummern sowie später auch Gitarre und Bass, dann auch auf CD: Spätestens auf dem bislang letzten Album, „This Is Where Death Begins“ (2016), spielte die Elektronik quasi keine Rolle mehr.

In den seitdem vergangenen drei Jahren hat Bandkopf Andy LaPlegua eine Ehe mit Sternchenjägerin Sophia Thomalla geschlossen und wieder aufgelöst, sowie ein neues Album geschrieben. Ob er sich über die Trennung mit seinen eigenen Songs wie „I’m Happy Anyway“, „Without Emotions“ oder „Fuck That Shit“ hinweggetröstet hat, ist nicht überliefert. Fakt ist: So schön EBM-lastig wie auf dem neuen Album „One Fire“ klang COMBICHRIST seit nach COMBICHRIST „What The F**k Is Wrong With You People?“ nicht mehr.

Gleich der Opener, „Hate Like Me“, kommt mit einer kraftvollen Mischung aus Instrumenten und Elektronik daher und schafft so erstmalig, was COMBICHRIST bislang eigentlich nur live gelungen war: das Beste aus beiden Welten zu verschmelzen. Dieser Gedanke setzt sich über das Album fort: Mal führt er LaPlegua in Richtung EBM zurück („Lobotomy“), mal – wie bei „Guns At Last Dawn“ mit seinem Gastauftritt von Burton C. Bell (Fear Factory) oder „2045“ – weiter in Richtung Industrial Metal.

Dazwischen wagt er das eine oder andere Experiment – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, muss man sagen: So funktioniert „Bottle Of Pain“ als epische Ballade mit Akustikgitarre, Streichern und allem Pomp, der sonst noch dazugehört, überraschend gut, während der Klargesang – etwa im „Interlude“ – in seiner Ausführung bisweilen zumindest fragwürdig ist. Im kreativen Chaos von „One Fire“ verliert sich das jedoch ebenso wie der eine oder andere kleinen Durchhänger im Spannungsbogen.

Ohne Frage ist an „One Fire“ nicht alles perfekt. Trotzdem kommt es dem idealen Album, auf das man von COMBICHRIST so lange gewartet hat, sehr nahe: Mit den Beats, die das Projekt bekannt gemacht haben, der rohen Aggression der letzten Werke und dem Wumms der Liveshows ist es weit mehr als eine bloße Rückbesinnung auf alte Tugenden. Und macht vor allem – endlich – die letzten beiden Fehlschläge vergessen: „We Love You“ und „This Is Where Death Begins“.

In der limitierten Edition wartet das Album für alle, die sich für das PC-Spiel „Hellblade“ begeistern konnten, mit einem netten Extra auf: Als Bonus-CD im 2-CD-Digipak von „One Fire“ hat LaPlegua aus dem Soundtrack zum Spiel, den er mit David Garcia komponiert hat, die Track-Sammlung “Selected Work from Hellblade by Andy LaPlegua” zusammengestellt.

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Wertung: 8 / 10

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