
Das Free & Easy im Backstage München ist in vollem Gange – an diesem Donnerstag wird es elektronisch-schwarz: Die Industrial-Metaller COMBICHRIST laden zum freundlich-aggressiven Tanz, und neben den beiden Tour-Supports MIMI BARKS und PRIEST gibt es die schwedischen Alternative-Popper SMASH INTO PIECES noch obendrauf. Eine bunte, zumindest aber garantiert abwechslungsreiche Mischung.
Statt wie angekündigt um 19:00 Uhr beginnt der Konzertabend erst um 19:30 Uhr – mehr Zuschauer bringt das der Trap-Metal-Künstlerin MIMI BARKS aber nicht wirklich ein: Bei kaum 150 Fans und tropischen Temperaturen ist hier stimmungsmässig noch viel Luft nach oben. Gegen die Hitze weiß sich die Berlinerin mit äußerst knappem Dress zu helfen – der von dem Duo durchaus engagiert dargebotene Mix aus Rap, Industrial und Nu-Metal überzeugt dennoch augenscheinlich nicht alle Anwesenden. Dass MIMI BARKS für ein Instrumental ohne ersichtlichen Grund ans Schlagzeug wechselt, hilft da ebenso wenig wie ihre vornehmlich auf Englisch gehaltenen Ansagen.
Deutlich mehr nach dem Geschmack des Publikums ist der Sound von PRIEST: Der düstere Synth-Pop des Trios um Linton Rubino (als Nameless Ghoul Water ehemals Basst von Ghost) bekommt vom zahlenmäßig merklich angewachsenen Publikum nicht nur kräftig Applaus, sondern verwandelt den Innenraum des Backstage Werk in eine Tanzfläche. Emotionen sind PRIEST in ihrem im Lack-und-Leder-Dress mitsamt Maskierung nicht anzumerken – zumal sich auch das Stageacting aufs Nötigste beschränkt. Im Großen und Ganzen scheinen aber Band wie Fans die Show zu genießen – dass Rubino nach dem Ausstieg von Charakterstimme Tom Åsberg selbst das Mikrophon übernommen hat, erweist sich nicht in allen Parts als glückliche Umstrukturierung.
Stilistisch noch etwas verquerer wird es bei SMASH INTO PIECES. Geboten wird ein Mix aus Nu-Metal à la Disturbed, Alternative Rock und Boygroup-Pop. Damit passen die vom Scheitel bis zur Sohle durchgestylten Schweden zwar mehr schlecht als recht zu dem Tour-Package, zu dem sie hier und heute dazugepackt wurden. Vor allem aber wirkt die Show trotz viel Bewegung auf der Bühne nicht organisch: Die bis hin zu den Ansagen durchchoreografierte, mit eigenen Lightshow-Elementen aufwendig inszenierte Darbietung erinnert eher an einen Auftritt beim Eurovision Song Contest denn an eine (Metal-)Clubshow. Zu gefallen wissen SMASH INTO PIECES damit nur ihrem eigenen, vornehmlich weiblichen Publikum; im düster-harten Billing des heutigen Abends bleiben sie Außenseiter: Sweden – five Points!
Ein komplett anderes, vor allem aber viel größeres Publikum holen COMBICHRIST vor die Bühne. Die deutlich Metal-affinere Crowd im nun sehr gut gefüllten Werk begrüßt Bandkopf Andy LaPlegua und seine Mitstreiter dann auch gleich euphorisch und startet bereits bei den ersten Songs einen Moshpit. Damit ist der Grundstein für eine Show gelegt, wie sie selbst langjährige Fans wohl selten erlebt haben. Die Begeisterung dafür, wieder auf einer Bühne zu stehen und vor großem Publikum zu eskalieren, merkt man jedem einzelnen Musiker an: Mal verlässt Bassist und Percussionist Elliot seinen Posten auf der Bühne, um mitten im Pit weiterzuspielen, mal entert Gitarrist Jamie Cronander den Graben und auch sein Kollege Eric13 „connected“ regelmäßig mit dem Publikum – wenn auch nur mit dem Zeigefinger.
Aber auch in dem, was COMBICHRIST ihren Fans bieten, sind die Industrial-Metaller heute nicht zu bremsen: Stolze 19 Songs stehen am Ende des Abends zu Buche, darunter (natürlich) Hits wie „Blut Royale“, „Get Your Body Beat“ oder „Never Surrender“, aber auch die vier Vorab-Singles des nächsten Albums „Heads Off“: „Compliance“, „Not My Enemy“, „Modern Demon“ und „Heads Off“. Nach dem Klassiker „Can’t Control“ verlassen COMBICHRIST geradezu widerwillig die Bühne, um sich dann schnell für eine stattliche Zugabe von vier Songs zurück auf die Bühne klatschen zu lassen. Und selbst, als Elliot bereits im Publikum trommelt, MIMI BARKS auf der Bühne mitwirkt und das Publikum in einer Mischung aus Ekstase und Erschöpfung „What The Fuck Is Wrong With You?“ abfeiert, wirkt es, als würden COMBICHRIST am liebsten ewig spielen.
- Heads Off
- Not My Enemy
- Guns At Last Dawn
- Throat Full Of Glass
- Get Your Body Beat
- Satans Propaganda
- Blut Royale
- Exit Eternity
- Compliance
- Hate Like Me
- No Redemption
- Zombie Fistfight
- Slakt
- Shut Up and Swallow
- Can’t Control
— - Never Surrender
- Modern Demons
- Maggots At The Party
- What the Fuck Is Wrong With You?
Ob es zusätzlich zum Tour-Package noch SMASH INTO PIECES gebraucht hätte, die in das heutige Programm eher schlecht als recht passen, ist fraglich. Doch selbst drei leider durchwegs eher mittelmäßige Vorband-Auftritte machen COMBICHRIST mit ihrer 85-minütigen Show vergessen: Was für ein Abriss!
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