Ghost w/ The Oath

  • München, Backstage
  • 23. November 2013

 

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Längere Zeit waren GHOST mit Größen wie Metallica und Iron Maiden unterwegs. Gut, dass die Schweden jetzt den Support sein lassen und wieder selbst als Headliner durch Europa touren. Im Eiltempo ist die Zahl der Fans nach oben geschossen, sodass die Band inzwischen sogar das Backstage Werk (in dem über 1000 Besucher Platz haben) angenehm füllt. Dazu haben GHOST pünktlich zur Tour mit „If You Have Ghost“ eine neue EP veröffentlicht.

Einzige Vorband des Abends sind die Berliner von THE OATH. Das Grundgerüst der Band bilden die zwei hübschen Damen am Mikro und an der Gitarre. Da Drummer und Bassist nicht dabei sein können, gibt’s namhaften Ersatz: Cathedral-Bassist Leo Smee und Angel-Witch-Drummer Andrew Prestidge sind als Live-Musiker mit dabei. Findige Augen entdecken auch Cathedral-Frontmann Lee Dorian im Publikum. Zusammenhang? Lee Dorian hat die junge Berliner Band, die bisher eine Single veröffentlicht hat, zu seinem Label Rise Above Records geholt. Die normale Länge des Sets deutet aber darauf hin, dass bald mehr Material folgen könnte. Die beiden Songs von der Single-Veröffentlichung, zwei düstere Heavy-Metal-Songs mit The-Devils-Blood-Einschlag, finde ich immer noch verdammt stark. Im Liveauftritt steckt leider nicht die Energie, die Songs wie „Black Rainbow“ eigentlich hergeben. Die Performance ist natürlich fehlerlos, aber der letzte Kick fehlt. Auf ein Full-Length-Debüt freue ich mich trotzdem. In Clubatmosphäre hätte die Band wohl besser funktioniert.

Es dauert eine Weile bis GHOST auf die Bühne kommen. Den Hintergrund zieren mehrere Kirchenfenster in Form eines großen Backdrops. Während Weihrauchschwaden durch die Luft ziehen ertönen vom Band die epischen Mönchschöre des „Infestissumam“-Intros.

1456775_10151861210191647_591099839_nVier energiegeladene, in schwarz gekleidete Ghouls stürmen auf die Bühne. Aber erst als „Papa“ selbst erscheint, um im Priestergewand seine „Children Of Munich“ zu begrüßen, brüllt die Menge los. Gleich der Opener des Albums, der auch das Set heute eröffnet, zeigt wie klar und sauber der Sound ist. Man merkt schon, dass die Truppe inzwischen Hallen ganz anderer Größenordnung beschallt. Was die Auswahl der Lieder angeht, halten sich die beiden Alben die Waage. Über den Songs vom Debüt schwebt immer ein klein wenig Mercyful Fate – gerade live bei Dauerohrwürmern wie „Elizabeth“ schimmert die Nähe zur dänischen Legende durch. Aber nicht nur deswegen ist das Konzert mit unzähligen Gänsehautmomenten gespickt. Die Riffs und der Gruselgesang, der so manchen Horrorstreifen vertonen könnte,  gehen vielen der Anhänger durch Mark und Bein. Durch den Schritt in Richtung Hardrock auf dem zweiten Album erreichen GHOST inzwischen ein größeres Publikum als den klassischen Heavy/Doom-Metal-Fan. Die Menge saugt die satanische Atmosphäre mit allen Sinnen auf und frisst dem dirigierenden Anführer der namenlosen Ghouls förmlich aus der Hand. In „Hail Satan“-Gesänge wird voller Eifer eingestimmt. Dass die Band die Chöre vom industrial-beeinflussten „Year Zero“ vom Band abspielt, finde ich zu viel des Guten, zumal es meiner Meinung nach sowieso der schwächste Song der Band ist.

Den Spaß an Coversongs, den die Band ja ganz deutlich auslebt, gibt’s auch live zu erleben. Songs von den Beatles und Roky Erickson werden zu Gruselrockversionen. Mit Letzterem verabschiedet sich die Band zum ersten Mal, um kurz später mit den beiden Hits von „Infestissumam“ zurückzukehren. „Ghuleh/Zombie Queen“ und „Monstrance Clock“, welches sich mit seinen Mitsingspielchen als perfekter Abschied anbietet, beenden das Set.1459255_10151861210186647_1302042839_n

FAZIT: Nach längerer Zeit wieder zurück in Deutschland zeigen GHOST, dass sie gehörig an Professionalität zugelegt haben. Die unheilige Messe war mitreißend, ging unter die Haut und die Songs schwirrten noch tagelang im Kopf herum. Es wird spannend werden, wohin sie sich Band noch entwickelt. Solange sie nicht in die ganz großen Hallen umziehen müssen, sehr gerne und so bald wie möglich wieder!

Noch mehr Bilder vom Konzert gibt es auf unserer Facebook-Seite


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