Hell On Earth: Unearth w/ Evergreen Terrace & Support

  • Köln
  • 27. August 2011

Die diesjährige Hell On Earth Tour war für mich ein Pflichtprogramm. Letztes Jahr headlinten die Kalifornier von Terror und All Shall Perish die Tour, dieses Jahr waren es die Metalcore-/Hardcore-Bands UNEARTH und EVERGREEN TERRACE – Grund genug, die Reise zur Kölner Essigfabrik anzutreten, da dies die für mich am Besten zu erreichende Location war.

Über die ganze Tour hinweg trat noch ein Quartett an Support-Bands, bestehend aus FULL BLOWN CHAOS, CASEY JONES, NASTY und BANE auf, an diesem Samstag, den 27.08., wurden FULL BLOWN CHAOS jedoch von den Braunschweigern A TRAITOR LIKE JUDAS vertreten. Diese verpasste ich jedoch auf Grund meiner durch den Kölner Stadtverkehr erschwerten Anreise.

Los ging es also mit CASEY JONES, die ebenso wie EVERGREEN TERRACE aus Jacksonville, Florida kommen, und deren Sänger und Gitarrist Josh James auch bei eben diesen aktiv ist. Gespielt wurde eine recht anhörbare und äußerst Circle Pit-taugliche Mischung aus Hardcore Punk und Metal. Der Band war es offensichtlich auch egal, dass der Sound mehr als dürftig war, ebenso wie das Publikum spärlich. Gerade mal 40 bis 50 Leute hatten sich zu diesem Zeitpunkt vor der Bühne eingefunden.
CASEY JONES war das aber egal – einige sehr sympathische Ansagen von Sänger Josh machten das noch besser, auch wenn diese mit der Ankündigung verbunden waren, dass es für CASEY JONES die letzte Europatour werden würde, da danach die Auflösung der Band ansteht. Vielleicht überlegen sie es sich ja nochmal.

Als nächstes war die mir bisher völlig unbekannte, jedoch bereits seit 2004 existierende, deutsch-belgische Kombo NASTY an der Reihe, deren Sänger besonders durch sein extravagantes Auftreten (XXXL-Jeans und -Shirt, sowie eine Wollmütze, die er sehr unorthodox auf seinen Kopf gelegt hatte) auffiel.

Wie die Band sogar an einen Major-Deal gekommen ist, erschloss sich mir aus dem, was ich an diesem Abend zu hören bekam, nicht wirklich: Denn das Songmaterial der Band war reichlich uninspiriert, von recht monotonem, oft sehr stumpfem Beatdown-Riffing bestimmt, welches meist komplette Songs ausmachte. Generell war für mich mehrfach nicht auszumachen, ob NASTY eigentlich einen neuen Song begonnen, einfach nur einen Breakdown separat angesagt hatten oder einen Song spielten, der sich schlicht wie ein normaler Breakdown anhörte. Dementsprechend langweilte das Geprügel der Band recht schnell, auch weil die Lieder abgesehen davon keine eingängigen Momente vorzuweisen hatten. Auch sah man im Publikum ob des Macho-Gehabes des Sängers mehr als nur eine gerunzelte Stirn.
Zwar erreichte die Band mit fortschreitender Spieldauer immer mehr Leute, von denen sich einige auch als recht textsicher erwiesen. Für alle anderen dürften NASTY aber eine langweilige Angelegenheit gewesen sein.

Die vierte Band im Bunde, BANE, machte es leider nicht viel besser. Im Grunde spielten die Mannen aus Massachussetts eine Art Hardcore-Punk – leider die Vocals von Sänger Aaron äußerst gewöhnungsbedürftig, der Sound schlecht abgemischt, und die Back Up-Vocalisten/Gitarristen waren bessere Sänger als er selbst. Auch die Songs an sich ließen doch arg zu wünschen übrig: Häufig hatte man das Gefühl, jemand hätte einfach eine Reihe von Riffs aneinandergeklatscht, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob das zusammenpasst oder nicht.
So schrammelten sich die Gitarristen einen ab, ohne auch nur eine eingängige Melodie platzieren zu können, und die kruden Breaks, die die Band einbaute, wirkten auch eher schlecht als recht. BANE waren an diesem Samstag wohl die überflüssigste Band im Line-Up.

Und dann war es endlich Zeit für den ersten Headliner des Tages, EVERGREEN TERRACE. Anders als bei den Bands, die vorher gespielt hatten, kam nun erstmals so etwas wie gute Stimmung auf. In Stimmung brachte sich auch die Band, mit Hilfe einer Flasche Whiskey, die noch vor Beginn des Konzerts vernichtet wurde.

Umso intensiver legten die Mannen um Sänger Andrew Carey und Gitarrist/Sänger Craig Chaney los: Ein Circle Pit nach dem anderen wurde vom Publikum eingefordert, und eingelöst, ein Stage Diver nach dem anderen erklimmte die Bühne, um sich danach hinab zu schmeißen. Leider fand der ein oder andere nicht das richtige Maß, und blieb sehr lange auf der Bühne stehen, was den zur Hälfte des Gigs äußerst genervt wirkenden Stage Manager dazu veranlasste, mehrere Leute rücksichtslos von der Bühne zu schmeißen – eine ebenso unnötiges wie dummes Verhalten, das auch zu Verletzungen führte.
Der Rest ließ sich davon jedoch nicht beirren und feierte vor Allem bei den melodischen Refrains von „High Tide Or No Tide“, „We’re Always Losing Blood“ und „Hopelessly Hopeless“ ordentlich mit.Ein großer Spaßfaktor war auch eine Unterbrechung, die wegen Problemen mit dem Bass gemacht werden musste, und in der die Gitarristen Josh und Craig sich (mehr schlecht als recht) als Stand-Up-Comedians versuchten.

Als die Band schließlich zum letzten Song gelangte, machte sie aus der Not eine Tugend und forderte alle Leute auf, die Bühne zu entern. Das führte zu chaotischen Zuständen, an dessen Ende etwa 60-70 Leute oben standen, und die Band nicht mehr wirklich in der Lage war, zu performen. Egal, Spaß gemacht hat es.

Trackliste:

I’m A Bulletproof Tiger
Rip This!
Hopelessly Hopeless
Dog Fight
Mario Speedwagon
The Thunder
High Tide Or No Tide
We’re Always Losing Blood
Mad World
Brave Reality
Chaney Can’t Quite Riff Like Helmet’s Page Hamilton

Um 22.45 Uhr kam dann der Headliner des Abends, das Metalcore-Quintett UNEARTH aus Massachussets, auf die Bühne. Wegen dem schlecht abgemischten Sound war zunächst bei einigen Songs nicht zu vernehmen, um welche es sich handelt, dieses Problem bekam der Mischer jedoch nach einigen Songs in den Griff.

Das größere Problem, nämlich die gähnende Leere in der Essigfabrik, war jedoch von UNEARTH nicht in den Griff zu bekommen – Zu Beginn der Show waren vielleicht noch 40 Leute in der Halle. Und so legte sich die Band, insbesondere Front-Wuchtbrumme Trevor Phipps, zwar ordentlich ins Zeug, jedoch merkte man ihnen nach einer Zeit doch eine gewisse Lustlosigkeit an, die Trevor („This Is Bullshit“) auch einmal verbal zum Ausdruck brachte.
Zwar krachten die neuen Songs der Band ordentlich ins Gebälk, und auch Gitarrist Ken Susi machte am Gesang eine mehr als ordentliche Figur. An vergangene Auftritte wie den legendären Gig auf der Never Say Die Tour 2008 kam dieses Konzert jedoch nicht ran. Daher merkte man UNEARTH auch keine Enttäuschung an, als sie nach 45 Minuten Spielzeit die Bühne verließen – eine Zugabe wurde auch nicht gefordert, wer zu diesem Zeitpunkt noch da war, hatte auch keinen Grund bekommen, noch länger zu bleiben. UNEARTH waren an diesem Abend zwar grundsolide – mehr aber auch nicht.

Tracklist:

Equinox (Intro)
01. My Will Be Done
02. So It Goes
03. Black Hearts Now Reign
04. Watch It Burn
05. Eyes Of Black
06. Giles
07. Sanctity Of Brothers
08. Shadows In The Light
09. Zombie Autopilot
10. The Great Dividers

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