Konzertbericht: Parkway Drive w/ While She Sleeps, Lorna Shore

09.09.2022 Leipzig, Arena


Deathcoreband, Metalcoreband, PARKWAY DRIVE. Dieses Konzept scheinen die Australier für sich entdeckt zu haben, sodass der Aufbau der (nun endlich stattfindenden) Tour, der letzten von 2018 doch frappierend ähnlich ist. Statt Thy Art Is Murder und Killswitch Engage beglücken in diesem Jahr LORNA SHORE und als Main Support WHILE SHE SLEPPS die Fans, Chef im Ring sind und bleiben allerdings PARKWAY DRIVE. [CE]

Ob der frühen Anfangszeit von 18:30 Uhr fallen LORNA SHORE (leider) vielen Fans einer Kombination aus Lohnerwerbszeit und Anreise zum Opfer. Schade, denn an einem Freitag muss man nicht so zeitig loslegen. Außer man heißt Impericon und hat als Zielgruppe primär nicht volljährige Menschen. Unter denjenigen, die es dennoch schon in die Arena geschafft haben, finden sich massig LORNA-SHORE-Shirts – die Deathcore-Überflieger haben sich bereits vor ihrer ersten großen Europatour einen Namen gemacht. Mit “To The Hellfire” wird der Abend brachial eröffnet, der erste Moshpit beginnt mit den ersten Tönen des Songs, der Erste verliert im Pit direkt einen Zahn. Es geht auf und vor der Bühne wild zu, vor allem Sänger Will Ramos begeistert mit seinen brutalen Screams, Growls und Pigsqueals und nicht zuletzt mit einer überwältigenden Bühnenpräsenz. Dass beim Flug die Ausrüstung erstmal verloren ging und Bassist Michel Yaeger für den verletzten Drummer Austin ans Schlagzeug muss, wirft die Jungs keineswegs aus der Bahn. Die PA scheint bei den gewaltigen Blastbeatattacken mehrfach überfordert, ab und an gibt es Soundbrei und übersteuernde Quietschtöne, außerdem ist Will Ramos stellenweise etwas leise abgemischt. Nur fünf Songs in kaum einer halben Stunde genügen LORNA SHORE dennoch, um die Arena zum ersten Mal an diesem Abend abzureißen und sorgen bei vielen, die die Band vorher nicht kannten, für staunende Gesichter. [SP]

Foto: Stefan Popp
  1. To The Hellfire
  2. Of The Abyss
  3. Sun//Eater
  4. Cursed To Die
  5. Into The Earth

Als WHILE SHE SLEEPS die Bühne der Arena Leipzig betreten ist diese jedoch gut gefüllt und das Quintett aus Sheffield schickt sich umgehend an, die Anwesenden zum Schwitzen zu bringen. Fronter Loz wirbelt über Bühne und Steg, nimmt bereits beim zweiten Song ein (erstes) Bad in der Menge und animiert den größten Teil der Anwesenden zum Moshen, Singen und auch der einen oder anderen Wall Of Death. Für eine Vorband eine beachtliche Leistung und Mitmachquote. Diese ist jedoch mehr als gerechtfertigt, denn die Engländer hauen heute wirklich alles raus.

Permanente Bewegung auf der Bühne zieht sein Pendant vor selbiger nach sich und die Herren spielen, als ob es kein Morgen gäbe. Dass die gespielten Tracks dabei sämtlich den letzten drei Platten entspringen und somit die ersten beiden Alben komplett ausgeklammert werden, ist ob der Hitdichte des Sets ein verschmerzbarer Fakt. Nach einer Stunde fallen nicht nur die Musiker, sondern auch viele Fans beglückt und verschwitzt der nächsten Tränke entgegen.
Eine umwerfende Show von WHILE SHE SLEEPS, die unterstreicht, warum die Band eine solche hingebungsvolle Fanbase hat. [CE]

  1. Sleeps Society
  2. Anti-Social
  3. You Are All You Need
  4. The Guity Party
  5. I’ve Seen It All
  6. You Are We
  7. Eye To Eye
  8. Fakers Plague
  9. Silence Speaks
  10. Systematic

Nach einer Umbaupause, während derer die Security-Mitarbeiter Wasser an die ersten Reihen ausgeben (angesichts des subtropischen Klimas in der Halle eine super Aktion), geht mit laut hörbarem Klacken ein Licht nach dem andern aus. Zu einem stimmungsvollen Intro betreten zunächst mehrere schwarz verhüllte Gestalten mit Fackeln die Bühne, ehe PARKWAY DRIVE erscheinen – allerdings ohne ihren Sänger Winston McCall. Dieser erscheint durch eine falltürartige Luke direkt auf dem Bühnensteg, was der Band ein erstes Mal am heutigen Abend großen Jubel einbringt.

Dieser ebbt währende der nächsten gut 90 Minuten nicht ab, denn die Australier machen keine Gefangenen und geben den Anwesenden mit ihrer unglaublichen Setlist kaum eine Chance zum Durchatmen, dafür aber umso mehr Anlässe zu eskalieren. Mit „Glitch“ vom neuen Album „Darker Still“ (von dem außerdem noch „Ground Zero“, „The Geatest Fear“ und der Titeltrack dargeboten werden) starten PARKWAY DRIVE in eine Show, die ihresgleichen sucht. Dass darauf mit „Prey“, „Carrion“ und „Vice Grip“ direkt drei absolute Fan Favorites zu Beginn des Sets gespielt werden zeigt, welch großartiges Repertoire die Truppe mittlerweile zur Verfügung hat.

Neben der Musik überzeugt auch die Performance des Qunitetts auf der Bühne. Während sich die Instrumentalfraktion meist eher zurückhält, darf Sänger Winston auf dem Steg die Sau rauslassen und die Fans in Ekstase versetzen. Diese zeigt sich beispielsweise während „Karma“, als sich zeitgleich vier Circlepits in der Halle auftun.

Mit „Darker Still“ gönnen die Herren dem Publikum einen ruhigen Moment zum Durchschnaufen und verdeutlichen zugleich, wie weit sich die Band mittlerweile entwickelt hat. Das Highlight der Show allerdings ist die erstmalige Darbietung von „Schattenboxen“, inklusive Streichquartett und Casper, der den Song nicht nur ursprünglich mit eingesungen hatte, sondern heute auch leibhaftig auf der Bühne erscheint und diese glattweg abreißt. Ein fantastisches Spektakel, dass die Anwesenden vor der Bühne zu Höchstleistungen treibt. Nach den abschließenden „Crushed“, bei dem der komplette Bühnenrand in Flammen steht und „Wild Eyes“, verlassen PARKWAY DRIVE ihre Bühne in der Gewissheit, mal wieder richtig abgeliefert zu haben. [CE]

  1. Glitch
  2. Prey
  3. Carrion
  4. Vice Grip
  5. Dedicated
  6. Cemetery Bloom
  7. The Void / Die Leere
  8. Ground Zero
  9. Karma
  10. The Greatest Fear
  11. Schattenboxen (with Casper) (Live debut)
  12. Darker Still
  13. Bottom Feeder
  14. Crushed
  15. Wild Eyes

Mit LORNA SHORE konnte sich eine junge Band zeigen (zumindest einigen Menschen), mit WHILE SHE SLEEPS war eine Vorband zu sehen, die mit ihrer Energie und ihren Songs auch headlinen kann (wenn auch sicher nicht so große Hallen) doch unterm Strich ward deutlich: PARKWAY DRIVE sind momentan eine der besten Livebands überhaupt. Sicher, die neue Platte kann man eineinhalbjährigen Kindern im Auto vorspielen, ohne diese zu verängstigen, aber live sind die Australier unfuckwithable. [CE]

Publiziert am von und

Fotos von: Christoph Emmrich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert