Konzertbericht: Sportfreunde Stiller w/ Kytes

01.07.2026 München, Tollwood

Olympiahalle, Backstage, noch ein kleiner Clubgig zwischendurch und nun das Tollwood als krönender Abschluss: In den vergangenen Monaten haben sich die SPORTFREUNDE STILLER in ihrer Heimat spürbar ausgelebt. Rund 14.000 Menschen waren insgesamt dabei, um mit dem Trio nach „30 wunderbaren Jahren“ zu feiern. Auch das Tollwood-Zelt ist an diesem Mittwoch ausverkauft. Zwischen Punk, Rock und ehrlicher Handarbeit entsteht eine Show, die gerade deshalb funktioniert, weil sie sich nicht glattpoliert anfühlt.

(c) Alex Scharf

Den Auftakt übernehmen KYTES, die vor heimischem Publikum sichtbar motiviert auf die Bühne gehen. Die Münchner Indieband nutzt ihre Chance konsequent und liefert ein solides Set zwischen Indie Rock, Synthpop und eingängigen Hooks ab. Die sommerlich-leichten Songs passen perfekt zum Tollwood-Setting und sorgen schnell für Bewegung im Publikum. Auch wenn viele zunächst klar auf den Hauptact warten, schafft es die Band, Aufmerksamkeit zu gewinnen und sich am Ende einen respektablen Applaus abzuholen.

(c) Alex Scharf

Nach kurzer Umbaupause betreten die SPORTFREUNDE STILLER kurz vor 20 Uhr unter lautem Jubel die Bühne. Schon der Opener „Immer noch hier“ setzt den Ton des Abends: 30 Jahre Bandgeschichte, gefeiert in der eigenen Stadt. Das Tollwood-Zelt ist bestens gefüllt und von Beginn an entsteht diese besondere Mischung aus Festival-Stimmung und Wohnzimmergefühl. Obwohl das aktuelle Album „Happy Birthday“ besonders anfangs präsent ist, liegt der Fokus klar auf dem Backkatalog. Die Band kennt ihr Publikum genau und liefert im weiteren Verlauf zuverlässig einen Hit nach dem anderen. Nur „I’m Alright“, das live deutlich in Richtung Reggae kippt, sorgt eher für verhaltene Reaktionen.

(c) Alex Scharf

Zwischen den Songs nehmen sich die Sportfreunde immer wieder Zeit für Ansagen und kleine Geschichten. Besonders Schlagzeuger Flo betont mehrfach die besondere Verbindung der Sports zu ihrer Heimatstadt. Das wirkt nie kalkuliert, sondern einfach ehrlich. Dazu passt auch, dass mit Hans Stiller der frühere Trainer der Band im Publikum sitzt, der nicht nur eine Anekdote, sondern auch den Bandnamen geprägt hat. Etwas überraschend fehlt erneut „54, 74, 90, 2006“ im Set. Fußball spielt trotzdem eine Rolle. Mit viel Humor kommentiert die Band aktuelle Entwicklungen beim DFB und nimmt sich selbst dabei nicht zu ernst. Noch persönlicher wird es bei „Ich Roque“, das Sänger Peter mitten durch die Menge anstimmt und so eine direkte Nähe zum Publikum herstellt. Der Song über Roque Santa Cruz gewinnt dadurch spürbar an Intensität.

(c) Alex Scharf

Anders als bei der großen Jubiläumsshow in der Olympiahalle verzichten die SPORTFREUNDE diesmal auf prominente Gäste wie die SPIDER MURPHY GANG. Stattdessen gibt es mit „Ich war noch niemals in New York“ eine respektvolle Verneigung vor UDO JÜRGENS und mit „Heimatlied“ einen der größten Publikumsfavoriten, der vom gesamten Zelt lautstark getragen wird. Auch Tourgitarrist Mario Radetzky, besser bekannt als Frontmann der BLACKOUT PROBLEMS, fügt sich nahtlos ein und wird vom Publikum sichtbar angenommen. Mit zunehmender Spieldauer steigt die Temperatur im Zelt weiter an. Peter  kommentiert die Bedingungen augenzwinkernd, doch an Abkühlung denkt hier niemand. Klassiker wie „7 Tage, 7 Nächte“ im ersten Zugabenblock verwandeln das Tollwood endgültig in einen engen, schwitzenden, aber glücklichen Hexenkessel. Die Energie auf und vor der Bühne trägt sich gegenseitig hoch, jeder Refrain wird lauter mitgesungen als der vorige.

Dass dabei nicht jeder Ton perfekt sitzt und manche Zeilen eher charmant als fein ausgearbeitet wirken, gehört bei den SPORTFREUNDEN dazu. Gerade diese Unperfektheit ist Teil ihres Live-Charakters. Nach drei Jahrzehnten wirkt hier wenig eingeübt oder routiniert, vielmehr entsteht der Eindruck von gewachsener Vertrautheit zwischen Band und Publikum. Die Studiohits funktionieren live ohne ihre Kanten zu verlieren, auch besonders dadurch, dass sie nicht exakt wie auf Platte klingen und mal punkiger, rockiger oder ganz anders gespielt werden.

Am Ende steht ein Heimspiel, das weniger auf Inszenierung als auf Verbindung setzt. Die SPORTFREUNDE STILLER feiern sich nicht selbst, sie spielen einfach gemeinsam mit ihrem Publikum. Genau daraus zieht der Abend seine Stärke. Wer dabei war, dürfte kaum Zweifel haben, dass diese Beziehung zwischen Band und München noch lange nicht auserzählt ist.

Sigi Maier

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