CD-Review: Abigail Williams - Walk Beyond The Dark

Besetzung

Ken Sorceron – Gesang, Gitarre
Bryan O’Sullivan – Bass
Mike Heller – Schlagzeug

Gastmusiker:
Kakophonix – Cello
Andrew Markuszewski – Gitarrenspur (Tracks 01 & 02)
Justin McKinney – Gitarrensolo (Track 03)

Tracklist

01. I Will Depart
02. Sun And Moon
03. Ever So Bold
04. Black Waves
05. Into The Sleep
06. Born Of Nothing
07. The Final Failure


Wenn es eine Sache gibt, derer man ABIGAIL WILLIAMS nicht rechtmäßig bezichtigen kann, dann ist es, künstlerisch auf der Stelle zu treten. Damit ist freilich nicht gesagt, dass die amerikanischen Black-Metaller auf jedem ihrer Alben ins Schwarze getroffen hätten. Eigentlich ist sogar eher das Gegenteil der Fall: War das symphonische Debüt der Band noch allzu steril und schwülstig, so folgte mit „In The Absence Of Light“ eine solide, aber wenig aufsehenerregende Platte, wohingegen das von Post-Rock und Klassik beeinflusste „Becoming“ zwar mit einigen interessanten Einfällen aufwartete, allerdings etwas ziellos wirkte und darüber hinaus dürftig produziert war. „The Accuser“ markierte schließlich sowohl in klanglicher als auch kompositorischer Hinsicht den vorläufigen Tiefpunkt der Truppe um Mastermind Ken Sorceron. „Walk Beyond The Dark“ zeigt ABIGAIL WILLIAMS nun jedoch einmal mehr von einer neuen Seite.

Dabei machen ABIGAIL WILLIAMS hier streng genommen nichts in ihrer Diskographie noch nie Dagewesenes. Vielmehr kann man sich „Walk Beyond The Dark“ als Mittelding zwischen „In The Absence Of Light“ und „Becoming“ vorstellen – und das in seiner denkbar besten Gestalt. Die größtenteils im Melodic Black Metal anzusiedelnden Songs sind schlüssig aufgebaut und mit Bedacht ausgeformt, jedoch keineswegs langatmig. Bezüglich der Produktion hat man hier endlich ein passgenaues Klanggewand gefunden, das weder nach leblosem Hochglanzsound klingt noch mit amateurhaftem Lo-Fi-Rauschen aneckt. Insbesondere in kompositorischer Hinsicht ist es ABIGAIL WILLIAMS hier erstmals geglückt, ein ausgeglichenes Einvernehmen zwischen ihren kreativen Ambitionen und der Notwendigkeit kohärenter Songstrukturen herzustellen.

Jeder einzelne Track auf „Walk Beyond The Dark“ hat zumindest eine Handvoll Eigenheiten, die ihn von den anderen unterscheidet und sich dauerhaft einprägt – so zum Beispiel das unglaublich epische Tremolo-Picking und das komplexe Gastsolo von Justin McKinney (The Zenith Passage) im kurzen, knackigen „Ever So Bold“ oder die geradezu erschütternd brachiale Kombination aus Riffs und Blast-Beats auf „Born Of Nothing“. Da die Stücke trotz dieser und anderer Kurswechsel stilistisch nicht allzu weit auseinanderklaffen, sondern überwiegend um Sorcerons beißende Screams und die intensive Black-Metal-Instrumentalbegleitung herum arrangiert sind, kommen ABIGAIL WILLIAMS darin nie zu weit vom Weg ab.

Eine wesentliche Konstante der Platte stellt außerdem das Cello dar, welches bereits auf „Becoming“ mitunter eine tragende Rolle spielte und hier in dem Großteil der Songs sein Comeback feiert. Vor allem der bedrückenden Post-Black-Metal-Nummer „Black Waves“ mit ihren schwebenden Clean-Gitarren und dem abschließenden Elfminüter „The Final Failure“, in dessen Mittelteil ABIGAIL WILLIAMS wider Erwarten mit gewaltigen Growls und schleppender Instrumentierung auf Funeral Doom umsteigen, haftet aufgrund der Streicher eine eindrucksvolle Tragik und Eleganz an.

„Walk Beyond The Dark“ ist letztlich das Album geworden, das man sich als wohlwollender, aber kritischer Fan seit jeher von ABIGAIL WILLIAMS gewünscht hat. Es ist vielseitig, ohne überbordend zu sein, konsistent, aber nicht generisch und kann darüber hinaus eine hervorragend auf die Musik angestimmte Produktion für sich verbuchen. Sogar das eindringliche, schemenhafte Artwork, das Erinnerungen an Bell Witchs „Mirror Reaper“ wachruft, könnte kaum eindrucksvoller aussehen. Es ist wohl nicht übertrieben, „Walk Beyond The Dark“ das bis dato stärkste Album der Truppe zu nennen. Jene Hörer, die ABIGAIL WILLIAMS zuvor bereits schätzten, kommen hier zweifellos voll und ganz auf ihre Kosten und jenen, die mit der Band bisher noch nicht ganz warm geworden sind, bietet sich hier die beste Gelegenheit, es noch einmal zu versuchen.

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Bewertung: 8 / 10

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3 Kommentare zu “Abigail Williams – Walk Beyond The Dark”

  1. Hagen von Tronje

    Im Gegensatz zu Stephan, fand ich die „The Accuser“ wirklich ziemlich bockstark. Gerade wegen der verwaschenen Produktion. Mit „Walk Beyond The Dark“ macht es mir die „Band“ etwas schwer. Das Album lässt mich, ähnlich wie „Becoming“, total kalt. Kann man sich nebenbei mal geben aber lauscht man konzentriert, so schleicht sich schnell Langeweile ein.
    Dafür Geld auszugeben hätte ich mir auch sparen können.

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Hallo!
      Tja, so gehen die Meinung halt auseinander. Gerade die Produktion ist mit einer der Gründe dafür, dass „The Accuser“ mich selbst überhaupt nicht mitgerissen hat. Das ist an mir echt eindruckslos vorübergeflossen.
      Wie du das neue Album hingegen langweilig finden kannst, verstehe ich insofern nicht, als da doch echt jeder Song etwas Besonderes an sich hat. Die mysteriösen Clean-Parts in „Sun And Moon“, das Gastsolo in „Ever So Bold“ – da kommt wirklich immer wieder etwas, das mich gespannt aufhorchen lässt.
      Aber letztlich läufts ja doch immer auf den subjektiven Geschmack hinaus.
      Insofern trotzdem danke für deine Einschätzung – kann ja durchaus sein, dass es auch anderen wie dir geht.

      1. Hagen von Tronje

        Die Meinungen gehen selbst in meinem Bekanntenkreis weit auseinander. Ich will das Album auch nicht auf Teufel komm raus schlechtreden. Ich finde es nur seelenlos und irgendwie kommt keine richtige Atmosphäre auf. Selbst das verträumte bei den Post BM Parts kommt hier nicht wirklich zur Geltung.
        Ich finde das Album ja nicht langweilig. Lediglich zieht es sich über weite Teile wie Kaugummi und dann geht die Spannung verloren.
        Ich hätte oben schreiben sollen: Das Album lässt mich kalt, wie seinerzeit „Becoming“. Denn mittlerweile stehe ich dem Album nicht mehr so negativ gegenüber wie nach dem Erscheinen.
        Vielleicht muss man dem Album auch wieder und wieder eine Chance geben bis es zündet.

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