CD-Review: Ad Nemori - Akrateia

Besetzung

Raphael Weller - Gesang
Stephan Preissner - Gitarre, Hintergrundgesang
Oliver Pagel - Gitarre, Hintergrundgesang
Marco Oberbacher - Bass
Alexander Wex - Schlagzeug
Miros Ilic - Keyboard, Klavier, Orchesterarrangements

Tracklist

01. Miasma
02. Tellurian Doom
03. Above The Tide
04. Kenosis
05. Obey Thy Sovereign
06. Diverging From The Black
07. Guidance
08. The Stars My Destination
09. Enkrateia


(Melodic Death Metal / Post-Black Metal) Auf ihrer EP „Pyre“ zeigte die Nachwuchs-Band AD NEMORI vor drei Jahren bereits viel Gespür für schöne Melodien und eine melancholische Stimmung in ihrem Keyboard-lastigen Melodeath, allerdings wurde die EP leider nicht auf einem akzeptablen Niveau, sondern laienhaft in Eigenregie produziert. Mit ihrem Debütalbum „Akrateia“ wollen die Münchner nun erstmals richtig beweisen, was ihr von ihnen selbst als Atmospheric Death Metal bezeichneter Sound alles zu bieten hat.

Es fällt direkt auf, dass AD NEMORI ihre Musik nun merklich professioneller haben produzieren lassen, wenngleich die Produktion noch immer etwas dünn und mit einem leider ziemlich misslungenen Snaresound daherkommt. Doch nicht nur in Sachen Produktion, sondern offensichtlich auch in Bezug auf ihren Stil streben die Jungs hier einen tiefgründigeren, künstlerischen Ansatz an: Orientierte sich „Pyre“ noch auf recht klassische Art und Weise am Melodeath von Bands wie Insomnium und Be’lakor, klingt „Akrateia“ im Gegenzug vielseitiger und ist dabei noch mehr von Einflüssen aus dem (Post-)Black Metal durchzogen.

So legt „Tellurian Doom“, eines der gelungensten Stücke des Albums, nach dem stimmigen Intro „Miasma“ direkt mit einem eingängigen Tremoloriff über einem Blastbeat los. Bereits hier tritt jenes Element ihrer Musik, das auch schon die EP so spannend gemacht hatte, in den Fokus der Aufmerksamkeit: das Keyboard. Milos Ilics Spiel, das viel auf Streicher und Klavier setzt, verleiht der Musik stets eine gewisse Tragik und Melancholie, die sich durch die gesamte Platte zieht. Herausragend sind auch die mächtigen Growls von Sänger Raphael Weller, die die im Vergleich geradezu schwachbrüstig und damit überflüssig wirkenden Backing-Vocals der anderen Bandmitglieder komplett in den Schatten stellen.

Ein großes Problem des durchaus ambitionierten Erstlingswerks jedoch liegt in der Strukturierung der Songs: Wenn man die Scheibe am Stück hört, fällt es nicht schwer, auf Anhieb zahlreiche schöne Melodien und Riffs zu entdecken. Nur schaffen AD NEMORI es auf „Akrateia“ noch nicht immer, diese in einen sinnvollen Zusammenhang zu setzen. Die Songs dauern teilweise bis zu zehn Minuten, können aber den Spannungsbogen meist nicht so lange aufrechterhalten, sodass es schwerfällt, den hin- und herwechselnden, manchmal nicht sonderlich gut zusammenpassenden Riffs und erzeugten Stimmungen zu folgen. Nach einer Weile wirkt das alles deshalb zwischenzeitlich arg beliebig.

Musterbeispiele hierfür sind etwa das doomige „Kenosis“, welches wie auf Sparflamme gehalten wirkt und nie aus sich herauskommt, oder das ziellos mäandernde „Diverging From The Black“. „Above The Tide“ hingegen hätte mit Leichtigkeit der Überhit des Albums werden können mit seinen fantastischen Melodien und seinem an Alcest erinnernden Post-Black-Metal-Segment, wäre der Song nicht derart zerfahren aufgebaut, dass er den Hörer schon nach kurzer Zeit verliert. Dass die Musik noch immer nicht gänzlich sauber und frei von Unsicherheiten eingespielt ist, hilft diesem Umstand nicht gerade weiter. Dem gegenüber finden sich aber auch einige Songs auf dem Album, die der Band deutlich besser gelungen sind. Neben dem bereits erwähnten Opener „Tellurian Doom“ stechen hier das düstere „Obey The Sovereign“ sowie das gleichermaßen epische wie eingängige „The Stars My Destination“ hervor.

Nach „Akrateia“, dem Debütalbum der Münchner Band AD NEMORI, kann man davon überzeugt sein, dass von den Jungs in den nächsten Jahren potenziell noch Großes folgen könnte. Die kreativen Ideen sind bereits vorhanden, auch einen wiedererkennbaren Stil haben die Musiker inzwischen entwickelt. Einzig in Sachen Komplexität und Ausschweifen bei der Songstrukturierung sollten AD NEMORI lieber etwas öfter auf das Prinzip „weniger ist mehr“ setzen. Und beim nächsten Mal darf es dann auch gern eine wirklich professionelle Produktion sein, damit ihre Musik auch in der Art und Weise erklingt, wie sie es verdient.

Bewertung: 6.5 / 10

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