CD-Review: Alestorm - Live In Tilburg (CD+Bluray)

Besetzung

Christopher Bowes - Gesang, Keyboard
Máté Bodor - Gitarre
Gareth Murdock - Bass
Elliot Vernon - Keyboard
Peter Alcorn - Schlagzeug

Tracklist

01. Intro
02. Keelhauled
03. Alestorm
04. Magnetic North
05. Mexico
06. Over The Seas
07. The Sunk'n Norwegian
08. No Grave But The Sea
09. Nancy The Tavern Wench
10. Rumpelkombo
11. 1741 - The Battle Of Cartagena
12. Drunken Sailor
13. Hangover
14. Peglec Potion
15. Bar und Imbiss
16. Captain Morgan's Revenge
17. Shipwrecked
18. Drink
19. Wolves Of The Sea
20. Fucked With An Anchor


2008 auf einer Tour mit Grave Digger erstmals einem internationalen Publikum vorgestellt, etablierten sich die Schotten ALESTORM in den letzten 13 Jahren als feste Größe im schunkeltauglichen Folk Metal. In dieser Zeit veröffentlichte die Mannschaft um Frontmann Christopher Bowes stolze sechs Alben, was von einem mehr als soliden Arbeitsethos spricht. Dazwischen fand die Truppe auch immer wieder Zeit für ausgiebige Live-Aktivitäten und so kommen ihre Fans trotz anhaltendem Corona-Stillstand nun in den Genuss einer neuen Live-CD nebst entsprechendem Bildmaterial. In Lockdown-Zeiten mag man hier den Mitschnitt einer dieser unsäglichen Streaming-Shows vor leeren Hallen oder gar aus dem Proberaum befürchten, doch ALESTORM sorgen für eine angenehme Überraschung: „Live In Tilburg“ wurde im März 2019 und damit zu einem Zeitpunkt, als die Welt noch in Ordnung war, vor ausverkauftem Haus aufgezeichnet.

Auf Bluray überzeugt „Live In Tilburg“ mit gestochen scharfem Bild und absolut professionellem Schnitt. Eingeleitet von atmosphärisch schön ineinander gefügten Eindrücken von Aufbau und Soundcheck präsentiert sich dieser Mitschnitt als hochprofessionelles Multi-Kamera-Erlebnis, bei dem stets der richtige Musiker zum richtigen Zeitpunkt in den Blick genommen wird und auch das Publikum nicht zu kurz kommt. Zudem wissen ALESTORM ihre Bühne nach anderthalb Jahrzehnten des Tourens auch zu nutzen und präsentieren sich als ebenso eingespielte wie ausgelassene Live-Profis. Da sitzt jede Bewegung und jeder Musiker weiß genau, wann er wo zu stehen hat, was bei derart hochwertiger Nachbearbeitung im Schneideraum auch entsprechend gut rüberkommt. Rein optisch ist „Live In Tilburg“ also ein Konzertfilm auf oberstem Niveau.

Weil ihr neuestes Album „Curse Of The Crystal Coconut“ noch nicht erschienen war, betourten ALESTORM gerade ihre damals aktuellste Platte „No Grave But The Sea“ – da ist es kaum überraschend und sogar erfreulich, dass die CD mit sechs Songs knapp ein Drittel des Programms ausmacht. Der Rest setzt sich zu relativ gleichen Teilen aus den Material ihrer übrigen Platten zusammen, weshalb die Schotten hier einen amtlichen Querschnitt durch ihre Karriere bieten, der keinen Fan der Band enttäuschen sollte. Es fällt auf, dass mit Nummern wie „Drink“, „Mexico“, „Hangover“ oder „Fucked With An Anchor“ recht viele Blödsinnns-Nummern ihren Weg in die Setlist gefunden haben, nach den Publikumsreaktionen zu urteilen ist das aber genau das, was Fans von ALESTORM im Live-Betrieb hören wollen. Man kann der Truppe hier also kaum einen Vorwurf machen.

Nachdem Performance und Setlist also absolut in Ordnung gehen, bleibt noch der Sound als wichtigster Bestandteil einer Live-Platte. Der ist im Falle von „Live In Tilburg“ ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es schön, dass auch das so zahlreich erschienene Publikum im Mix auftaucht – der partytaugliche Schunkel-Metal von ALESTORM lebt gerade in einer Live-Situation zu einem nicht unerheblichen Teil von der Beteiligung der Fans und deren ausgelassenes Mitsingen ist hier stets gut zu hören. Weil die Band selbst aber offenbar direkt am Mischpult abgenommen wurde und deshalb zwar roh, aber nicht unbedingt „live“ klingt, sorgt das für eine etwas eigenartige Mischung: Der fette, aber direkte Sound der Band in Verbindung mit dem deutlichen Publikum klingt oft nach einer Studioaufnahme, der für die Atmosphäre etwas Publikum beigemischt wurde. Zusammen mit den starken Bildern der Bluray geht das in Ordnung, in der CD-Version wirkt es aber leider etwas künstlich.

Es steht außer Frage, dass sich an der Musik von ALESTORM die Geister scheiden. Über Anspruch, Qualität und Berechtigung der Musik der Schotten darf gut und gerne in den Kritiken zu ihren Studioplatten referiert werden, die Kriterien von Live-Alben sind andere: Hier entscheidet nicht das „Was“, sondern das „Wie“ – Songauswahl, Darbietung und Aufnahmequalität und nicht Songwriting sind hier die einzig gültigen Maßstäbe. Und hier muss neidlos anerkannt werden, dass man es deutlich schlechter hätte machen können als die schottischen Blödel-Piraten auf ihrem mittlerweile zweiten Live-Dokument. „Live In Tilburg“ ist ein grundsolides Live-Package, das optisch auf ganzer Linie überzeugen kann und klanglich zumindest nicht schlechter dasteht als manches Konkurrenzprodukt. Wenn sich ALESTORM nächstes Mal beim Abmischen um etwas mehr Atmosphäre bemühen, legen sie vielleicht das nächste Referenzwerk in Sachen Live-Mitschnitt vor …

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Bewertung: 7.5 / 10

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