CD-Review: Anomalie - Between The Light

Besetzung

Marrok – Gesang, alle Instrumente

Gastmusiker: M.S. - Gitarre (Track 1)
Lukas – Gesang (Track 5)
J.J. - Gesang (Track 6)

Tracklist

01. Blinded
02. Not Like Others
03. Tales Of A Dead City
04. Oxymora
05. Recall To Life
06. Hurt (Nine-Inch-Nails-Cover)


Während viele Musiker mit einer Band völlig ausgelastet sind, gibt es immer wieder Gegenbeispiele – Leute wie Marrok, Gitarrist und Songwriter der österreichischen Black Metaller Selbstentleibung. Dieser singt nicht nur nebenbei unter dem Pseudonym King Totolva bei Tulsadoom, sondern hat, scheinbar ganz nebenbei, das Material für ein Album geschrieben, das nun unter dem Banner ANOMALIE erscheint – und das, obwohl die Songs ursprünglich nicht einmal zur Veröffentlichung gedacht waren, wie Marrok im Interview verrät.

Dass diese Entscheidung richtig war, zeigt sich bei „Between The Light“ schnell: Die Begeisterung für das Werk fängt dabei beim überaus gelungenen Layout (inklusive schwarzem CD-Rohling) an und reißt auch nach dem drücken der Play-Taste nicht ab. Knapp 40 Minuten lang stellt Marrok in fünf eigenen Songs und einem Cover sein Können als Musiker, vor allem aber Songwriter unter Beweis: Ist die Verwunderung über den Einstieg in 90s-Pop-Manier erst verflogen, kann bereits der das Album eröffnende Track „Blinded“ mit schmissigen Riffs, attraktiven Melodieführungen, und mitreißenden Übergängen überzeugen. Ergänzt um den emotionsgeladenen Gesang von Marrok schürt der Song die Erwartungen an „Between The Light“ gewaltig.
All zu oft muss man an dieser Stelle mit einem enttäuschenden „Aber …“ fortfahren, folgt auf einen starken Opener doch nicht selten ein drastischer Qualitätsabfall. Nicht so jedoch hier: Auch „Not Like Others“ und die folgenden drei Songs wissen durch Vielseitigkeit und gelungenes Arrangement zu begeistern. Seine Stärken hat das ANOMALIE-Debüt klar in den sanften Clean-Gitarren-Passagen wie dem Intro von „Tales OF A Dead City“, die auch klanglich schön transparent und wohlklingend umgesetzt sind, während beim relativ sterilen Klang der Distortion-Gitarren sowie ganz grundsätzlich beim mindestens teilweise programmierten Schlagzeug noch Luft nach oben bleibt. Sicherlich, auch eine (Post-)Black-Metal-Version von „Hurt“, weltbekannt geworden in der Version von Johnny Cash, ist ein gewagtes Experiment, über dessen Sinn oder Unsinn sicherlich diskutiert werden kann. Dass ANOMALIE jedoch auch diese Feuerprobe bestehen und den Song wirklich geschmackvoll neu interpretieren, sagt eigentlich alles.

„Between The Light“ ist ein Geheimtipp für alle Fans modernen (Post) Black Metals. Die Eleganz, mit der Marrok seine Songs arrangiert, die stilistische Eigenständigkeit des Albums und nicht zuletzt die bisweilen bezaubernde Melodieführung sollten Argument genug sein, sich mit diesem Album zu beschäftigen; das absolut gelungene Design schließlich lässt keinen Zweifel mehr daran, dass man diese CD auch im Schrank stehen haben sollte.

Bewertung: 8.5 / 10

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2 Kommentare zu “Anomalie – Between The Light”

  1. Kibbe

    Gutes Review, macht definitiv Lust auf das Album. Nur der Albumtitel ist leider falsch. Die Scheibe heißt „Between the Light“. Blinded ist lediglich der Name des Openers.

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