CD-Review: Artillery - Penalty By Perception

Besetzung

Michael Bastholm Dahl - Gesang
Michael Stützer - Gitarre
Morten Stützer - Gitarre
Peter Thorslund - Bass
Josua Madsen - Schlagzeug

Tracklist

01. In Defiance Of Conformity
02. Live By The Scythe
03. Penalty By Perception
04. Mercy Of Ignorance
05. Rites Of War
06. Sin Of Innocence
07. When The Magic Is Gone
08. Cosmic Brain
09. Deity Machine
10. Path Of The Atheist
11. Welcome To The Mind Factory


Der Konformität trotzen, sich nicht fügen, darauf baut die Metal-Szene schon seit ihren frühen Tagen auf und davon können auch ARTILLERY getrost ein Lied singen, gehören sie doch mit ihrer bis ins Jahr 1982 zurückreichenden Vergangenheit zu den Veteranen im Geschäft. Genau das haben sie mit dem Opener „In Defiance Of Conformity“ ihrer neuen Scheibe auch getan und darüber hinaus noch zehn weitere frische Tracks aufgenommen. „Penalty By Perception“ ist die mittlerweile achte Full-Length in der Bandgeschichte der Dänen, allerdings nach dem 2013er Output „Legions“ erst die zweite beim Label Metal Blade und mit Frontsirene Michael Bastholm Dahl.

Der sorgt noch viel mehr als sein zuweilen kauzig-grimmig klingender Vorgänger Søren Adamsen dafür, dass sich ARTILLERY weiterhin als Thrash-Band mit Klargesang von ihren Genre-Kollegen mit Shouter am Mikro abheben. Auch die rifflastige Ausrichtung im Songwriting, die von der bombastischen Produktion noch einmal verstärkt wird, und die gesitteten Background-Vocals, die sich öfter in Chören als in Gang-Shouts offenbaren, lassen die Grenzen zum Power Metal auf „In Defiance Of Conformity“ immer wieder verschwimmen.

Nichtsdestoweniger haben ARTILLERY das Prügeln nicht verlernt, wie sie sogleich im eingangs bereits erwähnten Opener beweisen, der nach einem kurzen Intro mit Western-Flair losbricht und neben fetten Riffs und peitschenden Thrash-Beats auch einen Refrain mit etwas holpriger Gesangslinie bietet, der dennoch – oder gerade deshalb – im Ohr bleibt. Refrains mit Ohrwurmpotential oder vergleichbaren Hooklines sowie eine gesunde Mischung aus Ufta-ufta-Gebolze und Dicke-Eier-Riffing sind generell die Markenzeichen, die ARTILLERY auf ihrer neuen Platte in den Vordergrund stellen. Die zusätzlich alles andere als spärlich eingestreuten Gitarrensoli – meist in aberwitzigem Tempo dargeboten – legen dabei noch eins obendrauf, blähen die Songs zusammen mit den ausgedehnten Instrumental-Passagen im C-Part nach dem zweiten Refrain, in die sie häufig eingebettet sind, allerdings auch teilweise über die Fünfminutenmarke auf, obwohl nach drei eigentlich schon alles gesagt ist.

Darüber hinaus lassen sich ARTILLERY zwar hin und wieder etwas Originelles einfallen, wie etwa der Einstieg von „Sin Of Innocence“ mit indigenen Gesängen und tribalartigen Drums oder die Halbballade „When The Magic Is Gone“, die erst in der zweiten Songhälfte losballert; im Großen und Ganzen gehen die Dänen aber beim Songwriting nach Schema F vor und arbeiten so oft stoisch mit verkrusteten Liedstrukturen, dass dies selbst auf einer traditionellen Thrash-Scheibe, bei der man kaum etwas anderes erwartet, irgendwann langweilt.

So passiert es unter Umständen, dass sich in der zweiten Hälfte von „Penalty By Perception“ eine gewisse Überdrüssigkeit oder Ermüdung beim Hörer einstellt. Das liegt nicht so sehr daran, dass das Material mit fortlaufender Albumdauer deutlich schlechter würde, denn „Path Of The Atheist“ oder „Deity Machine“ sind nicht nennenswert schwächer als die beiden Knaller „Live By The Scythe“ und der Titeltrack. Allerdings bleibt trotz des hohen Abwechslungsreichtums in den Songs die Variation innerhalb der gesamten Albumlänge auf der Strecke. Ob man das einer klassischen Thrash-Kapelle wie ARTILLERY zum Vorwurf machen kann, darf dabei ebenso hinterfragt werden wie die These, dass der durchschnittliche Thrash-Hörer daran Anstoß nehmen könnte.

Nicht zuletzt deshalb reicht das, was unterm Strich bei „Penalty By Perception“ bleibt, für eine mehr als solide Leistung: Ein zeitgenössisches Thrash-Album mit bombastischer Produktion, druckvollem, glasklarem Sound, eingespielt von sehr talentierten Musikern, die hinsichtlich des Songwritings gewohnte Kost liefern.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: