CD-Review: Atreyu - Lead Sails Paper Anchor

Besetzung

Alex Varkatzas – Gesang
Dan Jacobs – Gitarre
Travis Miguel – Gitarre
Marc McKnight – Bass, Gesang
Brandon Saller – Schlagzeug, Gesang

Tracklist

01. Doomsday
02. Honor
03. Falling Down
04. Becoming The Bull
05. Two Become One
06. Lose It
07. No One Cares
08. Can't Happen Here
09. Slow Burn
10. Blow
11. Lead Sails (And A Paper Anchor)


Beeindruckend ist festzustellen, dass diese Band – ATREYU – bisher einer ständigen Weiterentwicklung unterlag, mit jedem Album änderte man sich ein wenig – den einen Freud, des anderen Leid. „Lead Sails Paper Anchor“ verkörpert den vierten Teil der Bandgeschichte und ist zugleich das Debüt auf Roadrunner Records. Nachdem „A Death-Grip On Yesterday“ den faden Beigeschmack einer Vertragserfüllung für Victory Records nicht los wurde und sich die Gerüchte häuften, kam einige Monate später schließlich die Bestätigung der Trennung vom alten Label.

Lassen wir das nahezu politisch anmutende Geplänkel einfach weg, ich muss ohnehin nachdenken, wieso ich persönlich die Band nur selten gehört habe. Vor allem angesichts der neuen CD (das nehme ich vorweg), weswegen ich auch die vorhergehenden Alben thematisch durchnahm – man will ja nicht unvorbereitet eine Rezension schreiben. Ich stellte also fest, dass ATREYU eine nicht unwesentliche evolutionäre Entwicklung durchmachten und diese vermutlich stets weiter zu pflegen wissen. Sehr deutlich fiel mir dieser Umstand beim ersten Durchlauf des neuen Albums auf, „Lead Sails Paper Anchor“, ein dem ersten Eindruck zufolge sehr rockiges und abwechslungsreiches Album, wie ich finde. Ganz anders als man (oder ich) die Band kennt, und trotzdem unverkennbar ATREYU. Das ältere Material war sehr melodisch, aber gleichzeitig wütend gehalten, sehr viele emotionelle Eindrücke also. „Man könne von Emo sprechen“, hieß es immer wieder. Das ist wohl auch die Antwort auf meine vorhin gestellte Frage, weshalb ich nie richtig mit dieser Band warm wurde.

Den Anfang des neuen Albums macht „Doomsday“, eines der altehrwürdigsten Stücke und es trifft dieser Tatsache zum Trotz ganz meinen Geschmack. Schönes Riffing, passendes mittleres Tempo und cleaner Gesang (mittlere Tonlage, ganz wichtig!) bilden einen schönen ersten Eindruck. Das Rock ‚N‘ Roll-Feeling erreicht den Höhepunkt spätestens mit „Falling Down“, hier wird deutlich wie groß das Ausmaß der Wandlung eigentlich ist. Ich möchte mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber „Lead Sails Paper Anchor“ erinnert mich unweigerlich an den Querschnitt aus Metalcore und Alternative Rock a la Billy Talent. Wie gesagt, klingt etwas gewagt diese These, aber so manche Stelle bringt diese Gedanken in meinen Verstand. „Two Become One“ ist einer dieser Songs – erhöhtes Tempo, Ohrwurm-Refrain und als Ganzes eingängig. Nur macht das Gebotene durch Soli und betont gespielten Riffs einen „härteren“ Eindruck, es klingt einfach mehr nach Metal, von Hardcore Punk oder Punk Rock ist man also meterweit entfernt. Das Spektrum der Songs auf dem Album ist zudem sehr umfassend, sodass dieser „Billy Talent-Eindruck“ wirklich nur an bestimmten Stellen erweckt wird. Derart melodischen Metal(core?) wie zum Beispiel in „Lose It“ könnte man ohnehin nicht mit einer anderen Band verwechseln, was einen recht deutlichen Eindruck dessen vermitteln sollte, was den Hörer hier erwartet. Umfassend angelegtes Songwriting nämlich, von hart bis zart, mal schnell mal langsam. Jaja, klingt etwas ungeschickt diese Beschreibung, aber wenn ihr möchtet könnt ihr die CD ruhig mit Sex in all seinen Facetten vergleichen. Und nein, Glücksgefühle irgendeiner Art blieben mir beim Hören verwehrt – nur um möglichen Fragen zu meinen sexuellen Vorlieben vorzubeugen, aber eigentlich gehört das doch gar nicht hierher.
Das Tempo zieht gegen den Schluss des Albums noch ein letztes Mal an, „Blow“ ist erneut ein sehr rockiger und eingängiger Titel und bringt ein sehr thrashiges Feeling mit sich – samt Cowbell! Der letzte Song und zugleich Titelgeber „Lead Sails (And A Paper Anchor)“ bietet schließlich noch die größte Überraschung: Mit einem so ruhigen und emotionalen Song hätte ich nach gut 36 Minuten (nahezu-) Gute-Laune-Musik wahrlich nicht gerechnet, aber ATREYU wären wohl nicht ATREYU…

ATREYU ist gelungen, was vielen Bands aus dieser Sparte verwährt bleibt: Eine erfolgreiche Stiländerung, eine Weiterentwicklung – nennt es wie ihr wollt. Jedenfalls pressen sie nicht alle zwei Jahre die selbe Musik auf eine Compact Disc und nennen es „Best Metalcore Album Of The Year“. „Lead Sails Paper Anchor“ ist überraschend rockig ausgefallen und vermittelt über lange Zeit gute Laune, die Musik ist stets unterhaltsam und abwechslungsreich, und so denke ich, dass mit dieser CD noch einige Leute Freude haben werden.

Bewertung: 8 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: