CD-Review: Avatarium - Avatarium

Besetzung

Jennie – Ann Smith - Gesang
Markus Jidell – Gitarre
Leif Edling – Bass
Lars Sköld – Schlagzeug
Carl Westholm – Keys

Tracklist

01. Moonhorse
02. Pandoras Egg
03. Avatarium
04. Boneflower
05. Bird Of Prey
06. Tides Of Telepathy
07. Lady In The Lamp


Nach dem vorläufigen Aus der Doom-Metal-Legende Candlemass startete Leif Edling, das Songwriter-Genie hinter der Band, nun sein Soloprojekt: AVATARIUM. Für das selbstbetitelte Debut trommelte er sich eine illustre Gruppe an erfahrenen Musikern zusammen, wie etwa den Gitarristen von Evergrey, Marcus Jidell und den Schlagzeuger von Tiamat, Lars Skold. Ersterer entstammt dem Progressive Metal, während Skold aus der Black-/Death-Szene kommt, was den Kader schon mal in eine interessante Ausgangslage bringt. Die wirkliche Überraschung wartet aber hinter dem Mikrofon: Mit Jennie-Ann Smith steht dort eine Frau, die vorher praktisch keinen Kontakt mit härterer Musik gehabt hatte, sondern aus dem Jazz-/Bluesbreich kommt. Bei diesem Line-up fällt es also schwer einzuschätzen, was einem hinter dem düsteren Cover erwartet…

Der Opener „Moonhorse“ wälzt sich zunächst mit einem klassisch doomigen Riff vorwärts, das schließlich in einen akustischen Teil übergeht. Hier beginnt Jennie-Ann Smiths Gesang und zieht einen sofort in seinen Bann: Auf der einen Seite klingt ihre Stimme soulig und verraucht, auf der anderen wirkt sie gegen die dunklen Gitarren zart und verletzlich. Dieses Spiel mit Gegensätzen macht einen großen Teil der Faszination des Albums aus. Doch die Sängerin beweist wenig später eindrucksvoll, dass sie nicht nur zum Süßholzraspeln gut ist: Als der Song sich zuspitzt, singt sie entlang den Riffs mindestens ebenso intensiv wie ihr „Vorgänger“ Robert Lowe. Spätestens mit dem abschließenden „To the night I’m given!“ überkommt einen dann endlich die vertraute Candlemass-Gänsehaut.

Dabei bleibt das Album abwechslungsreich und spritzig, da jeder der Tracks seinen komplett eigenen Charakter hat: „Boneflower“ etwa ist ein grooviger Song mit interessanten Tempowechseln, der eine morbide Atmosphäre verströmt, während der monumentale Kracher „Bird Of Prey“ emotional und eindrücklich die letzten Minuten einer Prostituierten beschreibt, die sterbend in der Gosse liegt.

Doch auch wenn die Parallelen zu der Doom-Präferenz-Band nicht weg zu diskutieren sind, kreieren AVATARIUM einen ganz eigenen Sound: Die instrumentalen Abschnitte der meist über sechs Minuten langen Lieder weisen teilweise starke Prog-Einschläge auf und bei genauem Hinhören entdeckt man auch klassische Hard-Rock-Einflüsse von Bands wie Deep Purple und Led Zeppelin.

Leif Edling entwickelt mit „Avatarium“ Doom auf höchst spektakuläre Weise weiter und setzt sich mit diesem Album ein weiteres, düsteres Denkmal. Auch für Leute, die normalerweise nichts mit metallischer Schwermut am Hut haben, ist dieses Werk definitiv einen Blick wert. Alleine schon wegen Jennie-Ann.

Bewertung: 8.5 / 10

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